1. Thüringer Agroforst entsteht in Erfurt

Agroforst

Kürzlich wurden im Norden Stotternheims die letzten Bäume im Rahmen der Fertigstellung des 1. Agroforstprojektes Erfurt, einer Anbauform, die Naturschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft kombiniert, gepflanzt. Die Erfurter Anlage ist etwas Neues und in dieser Ausgestaltung und Größe in Thüringen einmalig.

Das Projekt ist eine ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme „M15“ für das Internationale Logistikzentrum Stotternheim (ILZ) und besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil in Stotternheim mit 11 Hektar Größe ist mit der Herbstpflanzung abgeschlossen. Der zweite Erfurter Agroforst soll dann 2018 in Ermstedt mit einer Ausdehnung von 7 Hektar umgesetzt werden.
Ziel des Projektes war die Kombination von Landwirtschaft und ökologischem Ausgleich.

Auf der Grundlage eines gemeinsamen Konzeptes des Umwelt- und Naturschutzamtes und des Garten- und Friedhofsamtes der Landeshauptstadt Erfurt wurde bereits 2015 auf einer Fläche von 110.000 m² bisheriges Ackerland in extensives Grünland ohne Düngung und Pflanzenschutzmitteleinsatz umgewandelt. In diesem Herbst nun sind die Bäume in Abstimmung mit dem Landwirt, der die Fläche zwischen den Baumreihen zur Heu- oder Grünfuttergewinnung nutzt, gepflanzt worden.

Neu ist vor allem auch das Ziel, dass man in der Landeshauptstadt mit der Pflanzung der Bäume auf der Agroforstfläche verfolgt. „Wir haben die Bäume nicht nur gepflanzt, um sie dann sich selbst zu überlassen“, sagt Gartenamtsleiter Jens Kratzing, „vielmehr wollen wir sie so pflegen, dass sich über die Jahre starke Stämme entwickeln können.“ Kratzing denkt dabei schon weit in die Zukunft: „Wenn sich dann nach 40 Jahren Stämme mit ordentlicher Stärke entwickelt haben, können unsere Amtsnachfolger ausgewählte Bäume fällen und deren Stämme als Wertholz zu Gunsten des Stadthaushaltes verkaufen“. Natürlich sollten die zukünftigen Entscheidungsträger die entnommenen Bäume wieder ersetzen und grundsätzlich keinen Kahlschlag vornehmen, unterstreicht der Gartenamtschef, denn nur so könne man die wesentliche Eigenschaft des Agroforstes, die Stabilität und die ökologischen Vorteile, bewahren.

Insgesamt wurden in der Erfurter Agroforstanlage 415 Bäume – Feld- und Spitzahorne, Winterlinden, Traubeneichen, Wildkirschen, Wildbirnen, Speierlinge, Elsbeeren und Schwarznüsse – gepflanzt.

„Agroforstsysteme sind artenreich, stabilisieren den Wasserhaushalt und schützen den Boden vor Erosion“, unterstreicht auch Umweltamtsleiter Jörg Lummitsch die Vorteile der ersten Erfurter Agroforstanlage.

Die Anlage befindet sich parallel des Gewässers „Klinger“ und unterstützt durch die extensive Bewirtschaftung zusätzlich den Gewässerschutz.
Während in England und Frankreich Agroforstsysteme bereits verbreitet sind, steht man in Deutschland mit Projekten, wie in Erfurt, am Beginn einer vielversprechenden Entwicklung, die die ökologischen und ökonomischen Komponenten gut verbindet.

Fotos: Stadtverwaltung Erfurt, V. Gürtler