Nachrichten
Lokalnachrichten
Die Wurst hat auch in der Krise Biss | Die Wurst hat auch in der Krise Biss |
|
|
|
Die Regierungserklärung des Königs besagt: „Die Würde der Thüringer
Bratwurst als leckerstes Thüringer Kulturgut ist unantastbar“. Die
Wurst sei ausschließlich auf dem Holzkohlegrill zu braten, fordert
Bratwurstkönig Andreas I. weiter. Zur Eröffnung der Grillsaison am Samstag waltete er seines Amtes und biss mit der Thüringer Wurstkönigin Annett Schlenstedt. die Wurst an. Die vierte Rostkultur ließ den Domplatz wieder aufglühen. 30 Hersteller, davon 20 mit Grillrosten, aus ganz Thüringen wetteiferten um die Gunst der Besucher und priesen ihre Wurstspezialitäten an: Alle Gewürzvarianten seien vertreten, so Horst Schubert vom Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch. Ob es da mit einer Bratwurst getan sei, bezweifelte er. Mindestens zwei sollten probiert werden. Ob das reiche, bezweifelte Schubert noch immer. Satte 20000 Bratwürste seien im vergangenen Jahr allein bei der Rostkultur auf dem Domplatz verspeist worden, verriet Schubert. 35000 Tonnen Thüringer Bratwürste sind 2008 produziert worden. Davon würden etwa 40 Prozent im Lande verspeist. Die dazugehörige Rechenoperation laute: 2,3 Millionen Thüringer essen 60 Rostbratwürste im Jahr zu 130 Gramm. Die Bratwurst hat somit auch in der Krise Biss. Trotz zurückgegangenem Absatz von Rind- und Schweinefleisch konnten die Bratwursthersteller 2008 einen Umsatzzuwachs von fünf Prozent verbuchen. Die verkaufte Menge entspreche einer Länge von 56000 Kilometern und dem 1,4-fachen Umfang der Erde. Einiges dazu getan, diese Mengen wieder zu erreichen, haben die prominenten Besucher der Rostkultur: Sozialministerin Christine Lieberknecht, Oberbürgermeister Andreas Bausewein, der Präsident des Thüringer Bauernverbandes, Klaus Kliem, und Gerhard Breitschuh, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Thüringer Ministerium bissen sich häppchenweise durch die Thüringer Bratwurstregionen. Da ging es vom Gothaer Land über den Rennsteig flugs ins Eichsfeld. Gekostet wurde vom Feldgieker, der Domplatzknacker mit Senfkörnern, der Bärlauchbratwurst, der Salami im Käsemantel oder vom Thüringer Pfannkuchen. Gespült wurde mit Bratwurstwein, einer Kreation aus Apfel-, Holunder- und Johannesbeerwein. Bausewein, der die grobe Bratwurst bevorzugt, wie er verriet, beendete wie die Anderen äußerst gesättigt den Rundkurs über den Domplatz. Die original Thüringer Rostbratwurst ist an dem rot-blauen Qualitätszeichen des Herkunftsverbandes in Form der Silhouette des Freistaats mit dem Aufdruck Thüringer Original zu erkennen. Seit 2004 ist die Thüringer Rostbratwurst neben der Thüringer Rot- und Thüringer Leberwurst und der Greußener Salami in das Verzeichnis der geschützten geografischen Angaben aufgenommen. Horst Schubert vom Verband wertet das als Erfolg: „Denn die Zahl der Nachahmer wird immer kleiner und hat der Branche gefüllte Auftragsbücher verschafft. Der einheitliche Marktauftritt mit dem Logo Thüringer Original soll helfen, höhere Wertschöpfung zu generieren“. Auf der Bühne sorgte derweil Gerda Gabriel für gute Laune, die sich kurzerhand Die drei Senfitos und die mannshohe plüschige Rostbratwurst vom Bratwurstmuseum zur Unterstützung holte. Sie sang vom Thüringer Land, rockte aber auch Tina Turners The Best. Mit ihrer guten Laune brachte sie Freude ins Publikum, das zeitweise unter bunten Regenschirmen verschwand. Noch trocken war es als Probst Johann von Siebeleben, der Klosterschreiber aus Arnstadt, das Bratwurstfeuer im größten Rost der Welt anzündete. Die brennende Fackel brachte er in einem Dauerlauf zusammen mit Rennsteigläufern aus dem gut 22 Kilometer entfernten Holzhausen zum Domplatz. Am Stand der Freunde der Thüringer Bratwurst vom Bratwurstmuseum konnte das Rostkultur-Diplom erworben werden, nachdem sachkundig Fragen rund um die Wurst beantwortet wurden. Wer regelmäßig die Rostkultur in den vergangenen Jahren besucht hat, wird vielleicht die Kaktusbratwurst von Ulrich Haage vermisst haben. Bereits im letzten Jahr war die exotische Wurst von Kakteen Haage nicht mehr dabei: „Wir sind einfach nicht mehr eingeladen worden. Vielleicht lag einem der großen Fleischer noch ein Kaktus quer“, sagt Ulrich Haage augenzwinkernd und völlig unbeleidigt. Er habe es geschätzt, mit so vielen Erfurtern ins Gespräch gekommen zu sein und Einblicke in eine andere Zunft zu erhalten. Gelegenheit, wieder in die Kaktuswurst zu beißen, gibt es am 9. Mai zum Tag der offenen Tür bei Kakteen Haage. Viele Fotos zum Thema gibt es in unserer Diagalerie . Von Suyak |