Erfurter Stadtgeschichte

Erfurt ist die Landeshauptstadt Thüringens und zugleich die größte Stadt des Freistaats. In Erfurt leben gut 202.000 Menschen. Die Stadt wurde 742 zum ersten Mal urkundlich erwähnt im Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Erfurt durch Bonifatius. Von etwa 1000 an unter weltlicher Herrschaft des Mainzer Erzbischofs, hatte sich der frühe Siedlungsschwerpunkt seit dem 13. Jahrhundert zur autonomen mitteldeutschen Handels- und Kulturmetropole entwickelt. 1379 erfolgte die Privilegierung der ältesten Universität im heutigen Deutschland, deren bekanntester Student und Lehrer Martin Luther war. Dem schleichenden Niedergang ab Ende des 15. Jahrhunderts folgte 1664 im Zeitalter des Absolutismus die erneute Unterwerfung unter den Stadtherren. Die gut 800-jährige Bindung an Mainz endete 1802 mit dem Übergang an Preußen. Im Königreich der Hohenzollern stieg Erfurt ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur modernen Industriegroßstadt und Hochburg der Sozialdemokratie auf, die im Erfurter Programm von 1891 den Namen SPD festschrieb.

„Nur in Erfurt ist gut wohnen, aber wisst Ihr auch warum? Rings um Erfurt blüh’n Puffbohnen, unser Stolz und Gaudium“, heißt es im Erfurter Gärtnerlied von Wilhelm Schütz. Der Lehrer der Erfurter Kaufmänner-Regel-Schule schrieb das Lied 1873. Die nahrhafte Puffbohne, die auch Ackerbohne, Saubohne oder Dicke Bohne genannt wird, gedieh schon im Mittelalter gut auf den Erfurter Böden und brachte den Bewohnern der Stadt schließlich ihren Spitznamen ein. Doch nur, wer in Erfurt geboren wird, ist eine echte Puffbohne. Mädchen erhalten zur Geburt eine rosa Plüschbohne, Jungen eine hellblaue. Das kleine kuschelige Stadtmaskottchen in lindgrün ist zu einem beliebten Mitbringsel geworden.

Erfurt wartet mit einigen Superlativen auf: Die berühmte Krämerbrücke ist die längste bebaute Brücke nördlich der Alpen. Jedes Jahr wird das Krämerbrückenfest gefeiert, das seit 1975 zum größten Altstadtfest Thüringens geworden ist. Den Schwerpunkt bildet ein Mittelaltermarkt mit buntem Treiben von Gauklern, Rittern, Händlern und Schaustellern bis weit in die Altstadt hinein.

Auch als Garten- und Blumenstadt hat sich Erfurt einen Namen gemacht. Hier wirkte Christian Reichart, der in Erfurt den gewerbsmäßigen Gartenbau begründete. Der Gärtner beschäftigte sich mit dem Anbau von Brunnenkresse, die noch heute im Kressepark in den so genannten Klingen angebaut wird. Seit 1867 zählt die Samen- und Pflanzenzucht  N. L. Chrestensen zu den traditionsreichen Gartenbaufirmen der Stadt mit einem weltweiten Vertrieb. Mit Kakteen Haage befindet sich seit 1685 die älteste Kakteenzucht der Welt in Erfurt. Der Egapark ist einer der größten Garten- und Freizeitparks in Deutschland. Die einzelnen Gärten, wie der Rosengarten oder der Japanische Garten, laden zum Lustwandeln ein. Das 6000 Quadratmeter große Blumenbeet ist das größte ornamental bepflanzte Blumenbeet Europas. Erfurt hat sich für die BUGA 2021 beworben.

Im Erfurter Dom hängt die größte freischwingende mittalalterliche Glocke der Welt. Die Gloriosa goss Gerhard van Wou 1497, fünf Jahre, nachdem Kolumbus Amerika entdeckt hatte. Ihr besonders schöner und tiefer Klang ist weithin hörbar. Das Ensemble von Dom und der Severi Kirche bildet das ganze Jahr über die Kulisse für Fest- und Konzertveranstaltungen auf dem Domplatz. Für den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt ist sie wie gemacht. Eine schöne Aussicht auf Dom und Severi bietet der benachbarte Petersberg mit der Stadtfestung. Das weitläufige Gelände der Zitadelle Petersberg bietet viele Erkundungsmöglichkeiten und eröffnet besonders schöne Aussichten auf die Stadt.

Die Altstadt von Erfurt ist geprägt von einer geschlossenen mittelalterlichen und frühzeitlichen Bebauung. Allein am Fischmarkt mit dem Rathaus stehen mehrere eindrucksvolle Häuser. Dazu gehört vor allem das 1584 entstandene Haus zum Breiten Herd mit seiner reich geschmückten Renaissancefassade und dem Fries, das die fünf Sinne darstellt. Daneben schließt sich das Gildehaus an. Dem Rathaus gegenüber steht das Haus zum roten Ochsen, das 1562 entstand und in dem sich die Kunsthalle befindet.

Die dichte und gut erhaltene historische Bebauung der Stadtmitte legt in Erfurt auch ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens im Mittelalter ab. Die Alte Synagoge ist mit ihren ältesten Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge in Mitteleuropa. Dort kann der 1998 bei Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe geborgene Gold- und Silberschatz besichtigt werden, der in seinem Umfang und der Zusammensetzung als einzigartig gilt. Das Prunktstück des 28 Kilogramm schweren Schatzes bildet neben über 3000 Silbermünzen, 14 Silberbarren und 600 Schmuckstücken ein aufwändig gearbeiteter goldener Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert. Der obere Teil des Ringes stellt einen gotisch gearbeiteten Miniaturtempel dar, der von zwei geflügelten Drachen getragen wird. Der Ring ziert eine 90-Cent-Briefmarke. Im Jahr 2007 wurde neben der Krämerbrücke, unweit der Alten Synagoge, eine Mikwe entdeckt. Das jüdische Ritualbad, das ebenfalls besichtigt werden kann, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Erfurt bemüht sich mit diesen Zeugnissen für jüdisches Leben um die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

In Erfurt sind einige prominente Puffbohnen zur Welt gekommen. Dazu gehören die Schauspielerin und Sängerin Yvonne Catterfeld, der Musiker Clueso, die Moderatoren Marco Schreyl und Christine Westermann.

Der Reformator Martin Luther nahm 1501 das Studium an der Erfurter Universität auf, bevor er 1505 in das Erfurter Augustinerkloster eintrat, um Mönch zu werden. Noch heute kann eine Zelle, wie sie Luther bewohnte, im Kloster besichtigt werden. Zu einem weiteren geschichtsträchtigen Ereignis kam es am 19. März 1970 als der damalige Bundeskanzler Willy Brandt den damaligen Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, im Erfurter Hof traf. Das Erfurter Gipfeltreffen markierte den Beginn der deutsch-deutschen Annäherung im Rahmen der neuen Ostpolitik. Das Ereignis erregte vor allem durch die Zurufe der Erfurter, die immer wieder „Willy Brandt ans Fenster“ riefen, Aufsehen. Als sich Brandt am Fenster des Erfurter Hofes zeigte, jubelten ihm die Menschen zu. Am Morgen des 4. Dezember 1989 wurde die Bezirksstelle des MfS in Erfurt als erste Stasizentrale von Bürgern besetzt, die kurz nach dem Fall der Mauer der Vernichtung von Stasiakten entgegenwirkten. Ein dunkles Kapitel der Geschichte bildet die ehemalige Erfurter Firma Topf & Söhne, die Krematorien für die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Buchenwald herstellte.

Erfurt hat einen Flughafen, eine Universität und Fachhochschule, Theater und Museen. Die Erfurter Messe ist nach Leipzig die zweitgrößte Messe in den neuen Bundesländern. Der Kinderkanal Ki.Ka hat seinen Sitz in Erfurt. Einige Figuren aus dem Kinderprogramm, die Maus und der Elefant oder Bernd das Brot, sind in der Innenstadt aufgestellt und zu beliebten Fotomotiven geworden. Kinder freuen sich auch über einen Besuch im Zoo, der flächenmäßig zu den größten in Deutschland gehört.

Erfurt ist ein Dienstleistungszentrum, hat sich aber ebenso als Produktionsstätte für Hochtechnologie etabliert. Bosch produziert hier Wafer- und Solarzellen, die Chipfabrik X-Fab hat sich auf analoge und gemischt analog-digitale Halbleiteranwendungen spezialisiert. Die Firma Born ist seit 1820 in Erfurt ansässig und hier sehr bekannt, denn sie produziert den Senf, der unbedingt zur original Thüringer Rostbratwurst gehört. Diese ist an den Grillrosten in der Stadt zum Taschengeldpreis erhältlich, wird stilecht im Brötchen gereicht und ist die beste Stärkung für den Stadtrundgang.

 

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