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Alt 09.08.2006, 09:39   #1 (permalink)
Forum-Guru
 
Benutzerbild von hockschter
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: Am Rande
Beiträge: 1.582
Standard Erfurt ist Erfurt weil ...

... es diese "Dinger" hier gab!



Nichts anderes verhalf der Stadt zu Reichtum, Größe und zu einer der angesehensten Universitäten Europas.
Ich bin mir sicher, dass die wenigsten (heute lebenden) Erfurter, dieses "Erfurter Gold" jemals gesehen haben. Damit man sich ein Bild davon machen kann, hier ein Bild.

Achso: Es handelt sich um frisch geformte Waidballen

Nochwas: Diese Ballen wurden auch aus dem jetzigen 43. Stadtteil nach Erfurt geliefert ... und so mehrten sie das Vermögen der Stadt und trugen zum Wohlstand bei ...

Und: Ähnlichkeiten mit meinem Bild links sind vollkommen beabsichtigt.
__________________
Lewwer ERFURTSCH als ANGELSÄCHS'CH!
Das sagt und MEINT der hockschter aus der Nr. 43, dort, wo das Waidmuseum steht!
hockschter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.2006, 11:41   #2 (permalink)
Forum-Legende
 
Benutzerbild von Robi_san
 
Registriert seit: 21.05.2006
Ort: Puffbohnau
Beiträge: 8.607
Beitrag Thüringer "blaues Gold"

Die angewelkten Waidblätter wurden auf Waidmühlen, die meist Eigentum der Gemeinden waren, zu einer breiartigen Masse zerquetscht und zerrieben. Eine Waidmühle bestand zu diesem Zweck aus einem aufrecht laufenden Mühlstein von 1,65 m Durchmesser und 0,48 m Dicke mit gezähnter Lauffläche, der auf einer kreisförmigen, aus Steinplatten gebildeten Tenne (3,60 m im Durchmesser) lief. Der Antrieb des Mühlsteins erfolgte göpelartig durch Pferde.



Aus der zerquetschten Blattmasse formten Frauen von Hand ungefähr faustgroße Waidballen (-bälle), die nach ihrer Trocknung auf Waidhorden als so genannter Ballenwaid von den Bauern auf den Markt in der Stadt gebracht wurden. Der Ballenwaid stellte ein Halberzeugnis dar, das durch die Bauern entsprechend dem allgemein geltenden Gebot, Gewerke und Gewerbe nur in den Städten zu betreiben, nicht weiter aufbereitet werden durfte.

Der von Waidhändlern aufgekaufte Ballenwaid wurde in ihren Waidhäusern (Waidspeichern) eingelagert, um hier in den Herbst- und Wintermonaten zum Fertigerzeugnis, dem Waid-Farbpulver, aufbereitet zu werden.

Der blühende Waidanbau und -handel und die steuerlichen Einnahmen daraus versetzten die Stadt Erfurt in die Lage, ihren Landbesitz durch Erwerb von Dörfern beträchtlich zu erweitern. Vermutlich trug der Waid dazu bei, dass die Erfurter Bürger im Jahre 1392 auf eigene Kosten die Universität gründen konnten.

mehr unter:
http://www.erfurt.de/ef/de/entdecken/tradition/waid/
http://de.wikipedia.org/wiki/Färberwaid
Robi_san ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.2006, 15:14   #3 (permalink)
Forum-König
 
Benutzerbild von Laoghaire
 
Registriert seit: 04.12.2005
Ort: In Erfurt :)
Beiträge: 1.099
Laoghaire eine Nachricht über Skype™ schicken
Standard Danke für diesen schönen Thread....

und deshalb gehören die alten Waidspeicher-Häuser auch zum zwingenden Pflichtrepertoire der privaten Stadtführungen einer Nichterfurterin die sich immer wieder selber begeistert von dieser schönen Stadt

Laoghaire
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Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicher sehr ungeeignet,
die Gesellschaft dort aber wäre von Interesse.
(Oscar Wilde)
Laoghaire ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.08.2006, 07:52   #4 (permalink)
Forum-Guru
 
Benutzerbild von hockschter
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: Am Rande
Beiträge: 1.582
Standard Waid macht(e) Reich!

... auch an Erfahrungen.

Zitat:
Zitat von Robi_san
Die angewelkten Waidblätter wurden...zu einer breiartigen Masse zerquetscht...
Ich bin skeptisch, ob die Blätter tatsächlich angewelkt wurden. Im frischen Zustand sind sie knackig und die Blattstiele brechen leicht beim Quetschen. Durch das Anwelken werden die Blätter dagegen ledrig-zäh.

Zitat:
Zitat von Robi_san
...Eine Waidmühle bestand zu diesem Zweck aus einem aufrecht laufenden Mühlstein von 1,65 m Durchmesser und 0,48 m Dicke mit gezähnter Lauffläche...
Auch hier gab es Unterschiede. Das Foto dürfte die Waidmühle an der Cyriaksburg zeigen, deren eigentlicher Standort Pferdingsleben war.
Ich habe im vergangenen Jahr mit einer Fotosammlung von Waidsteinen und Waidmühlen-Nachbildungen begonnen, die Unterschiede im Durchmesser und in der Stärke erkennen lassen. Eine DIN-Norm gab es nicht. Hier mal einige Beispiele aus dem Erfurter Gebiet:


Bindersleben


vor dem Volkskundemuseum


Hayn bei Erfurt


Kleinmölsen bei Erfurt

Übrigens bin ich noch auf der Suche nach weiteren Waidmühlsteinen und Waidmühlen zum fotografieren. Wer mir Hinweise geben kann, bitte ich um eine kurze PN - würde mich freuen.
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hockschter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.07.2009, 21:40   #5 (permalink)
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Benutzerbild von Principe-Encantador
 
Registriert seit: 14.08.2003
Ort: * Erfurt *
Beiträge: 625
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Ich kenn jemanden, der baut die Mühlräder en miniature für den heimischen Vorgarten.
Principe-Encantador ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.07.2009, 22:32   #6 (permalink)
Forum-Bewohner
 
Benutzerbild von schwager
 
Registriert seit: 13.03.2007
Ort: Mittelbohne
Beiträge: 4.460
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Ach...
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Alt 09.07.2009, 06:52   #7 (permalink)
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Benutzerbild von hockschter
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: Am Rande
Beiträge: 1.582
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Zitat:
Zitat von Principe-Encantador Beitrag anzeigen
Ich kenn jemanden, der baut die Mühlräder en miniature für den heimischen Vorgarten.
Ja, PE, kenne ich auch. Keine Ahnung, ob das der ist, den du auch kennst.

Wir haben jedenfalls im letzten Jahr ein Rad-Modell von der Rohrborner Dorfgemeinschaft e.V. geschenkt bekommen und haben daraus ein Prinzip-Mühlenmodell für unser Museum gebaut.

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hockschter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.07.2009, 22:29   #8 (permalink)
Forum-Meister
 
Benutzerbild von Principe-Encantador
 
Registriert seit: 14.08.2003
Ort: * Erfurt *
Beiträge: 625
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Bingo, das sieht nach dem selbiger Mühlradbauer aus. Nun gut, dann habt ihr ja schon ein Modell. In euerm Museum war ich noch nicht. Wird wohl mal Zeit für einen Besuch.
Principe-Encantador ist offline   Mit Zitat antworten
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