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Alt 19.03.2007, 20:25   #1 (permalink)
Forum-Neuling
 
Registriert seit: 03.12.2005
Beiträge: 82
Standard Die heldenhafte kleine Puffbohne

Die heldenhafte kleine Puffbohne.

Diese Episode fand im April 1945, also vor nahezu 62 Jahren, statt.
Der Frühling war ins Land gezogen.Die Erfurter konnten wieder friedlich schlafen, oder so schien es, denn seit die Amerikaner Erfurt erobert hatten, gab es keine Bombenangriffe mehr.
Nur wenige Wochen zuvor hatten die Amis an einem Nachmittag noch einen Bombenangriff auf den Erfurter Güterbahnhof verübt, so verkündete die BBC, Deutscher Radio Dienst, am Abend.
Leider hatten die Luftterroristen kein Zielwasser getrunken, denn sie hatten ihre Bomben einige Km zu kurz vorm Bahnhof los gelassen.In Melchendorf war u.a.Teil des katholischen Schwesternhauses / Altersheims und der Turm der katholischen Kirche zum Opfer gefallen.Opas Haus auf der Trift haben sie um ca 100m gemisst, als die Bombe hinten ins Feld einschlug.
Die Bewohner der Gemeinde in Dittelstedt hatten weniger Glück.Denn sie haben die Hauptlast der Bomben abbekommen und viele Menschen haben ihr Leben verloren.

Meine Mutter und ich wohnten Parterre auf der Haarberg Str.52 in Melchendorf.Im ersten Stock wohnten Frau Römke und ihre Tochter, die Hausbesitzerin.Diese Frau hatte noch in der Stadt eine Wohnung, blieb aber öfters bei ihrer älterten Mutter in Melchendorf.
Mein Vater war seit November 1944 samt seiner Einheit an der Ostfront vermisst.
Das Haus war ein typisches Siedlungs Haus gebaut Mitte der 1930er Jahre mit einem Anbau an der Seite als Eingang.
Vorn zur Strasse war die Haustür und an der Seite war ein Fenster.
Weil mein Vater ja nicht da war, habe ich neben meiner Mutter im Ehebett geschlafen.
So war es auch in dieser Nacht Ende April, 1945.Ich habe schon feste geschlafen und Mutter wollte gerade ins Bett, als jemand laut an die Haustür klopfte.
Frau Torward kam von oben die Treppe runter um zu sehen, wer da war.Sie öffnete das Fenster am Anbau und rief:"Wer issen da........och ein Schwarzer", konnte sie noch schreien.
Dann schlug sie das Fenster zu und, ohne es zu verriegeln, rannte sie wieder nach oben.

Das konnte diesen < 2m "Othello in Heat" nicht abhalten, uns mit seinem unerwünschten Besuch zu "erfreuen".Er hat mit seiner Knarre das Fenster aufgeschlagen und sich dann rein geschwungen.
Am Ende des Korridors war die Tür zu unserem Schlafzimmer.Das Licht im Raum war an, das wollte er nach Betreten des Zimmers nach Andeutung zu meiner Mutter sofort aus haben.
Als meine Mutter das nicht machte, drehte er sein Gewehr um und schlug die Lampe von der Decke!

Jetzt startete meine heroische Tat.

Mit meinem Schreien habe ich ihn in die Fucht geschlagen und er wollte nun sein Schäfchen oben im ersten Stock ins Trockene bringen.
Die zwei Damen hatten sich eingeschlossen und als er die Tür aufbrechen wollte haben auch sie laut um Hilfe geschrien und sind in ihrer Angst vom Fenster in den Vorgarten gesprungen.
Durch diesen Lärm sind auch die Nachbarn aufmerksam geworden, wollten wissen und haben:
"Was issen los", oder so ähnliches in die Nacht gebrüllt.
Da hat unser Besucher dann doch ein wenig Angst um seinen schwarzen Ar$$$ bekommen.
Nachdem er noch zwei Schüsse im Hof abgefeuert hat, (die Hülsen habe ich am nächsten Tag gefunden), hat er sich aus dem Staub gemacht.
Zwei Häuser runter, auf der Strasse, wohnte eine Evakuierte aus der Tschechei, die Englisch sprach.Die ist am nächsten Tag auf die Statthalterei zur Kommandantur und hat das Ereignis gemeldet.Was daraus wurde, haben wir nie erfahren.

Ein oder zwei Tage später ist dann ein Jeep mit Schwarzen die Haarbergstrasse langsam hoch und wieder runter gefahren. Ich habe sie gesehen, als ich gegenüber vom Haus spielte.
Als sie bei uns vorbeifuhren, haben sie gelacht und er hat auf das Haus gezeigt.
Wenn er gewusst hätte was seine Escapade der alten Frau Römke eingebracht hat, wäre ihm vielleicht das Lachen vergangen.Sie hatte sich beim Sprung aus dem Fenster das Rückrat verstaucht und war seitdem ans Bett gebunden.
Eine kurze Zeit später hat sie sich dann aus ihrer Misere mit einer Überdosis von Schlaftabletten befreit.

Zum Ende kommt mir noch die Frage auf:
Was wäre wohl passiert, wenn ich nicht gebrüllt hätte?
Vielleicht hätte ich ein kleines schwarzes Brüderchen oder Schwesterchen bekommen?
Und Frau Römke hätte länger gelebt?.........

Mannie
mannie_f ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 06:51   #2 (permalink)
Forum-Guru
 
Benutzerbild von hockschter
 
Registriert seit: 18.01.2006
Ort: Am Rande
Beiträge: 1.582
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Mannie, der kleine Held!:thumbsup:

Prima Geschichte!
__________________
Lewwer ERFURTSCH als ANGELSÄCHS'CH!
Das sagt und MEINT der hockschter aus der Nr. 43, dort, wo das Waidmuseum steht!
hockschter ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 17:11   #3 (permalink)
Forum-Meister
 
Benutzerbild von mama06
 
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Ort: wo Erfurt am schönsten ist
Beiträge: 584
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Zitat:
Zitat von mannie_f Beitrag anzeigen
Was wäre wohl passiert, wenn ich nicht gebrüllt hätte?
Vielleicht hätte ich ein kleines schwarzes Brüderchen oder Schwesterchen bekommen?
Und Frau Römke hätte länger gelebt?.........

Mannie
das sind die bitteren beigeschichten zum kriegsende, die mir auch mein großvater erzählt hat. glück für deine mutter, das wäre sicher nicht sehr zimperlich zugegangen. tragisch für frau römke.
__________________
mama06 -die königIN unter den königen

:binkybaby:
mama06 ist offline   Mit Zitat antworten
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