Zurück zur Titelseite


Zurück   Puffbohne.de-Forum > Gelesen-Gesehen-Gehört-Gefunden > Gelesen
Login

Gelesen Was Forumbesucher empfehlen: Die Buchtipps.

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
Alt 23.10.2009, 16:40   #1 (permalink)
Forum-Neuling
 
Benutzerbild von Alessia
 
Registriert seit: 19.01.2007
Ort: Elbflorenz Dresden
Beiträge: 55
Alessia eine Nachricht über ICQ schicken
Standard Erbarmen - Jussi Adler Olsen

Klappentext:
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?
Der Alptraum einer Frau
Ein dämonischer Psychothriller
Der erste Fall für carl Morck

Meine Meinung:

Atemloser Spannungsgenuss


„Aber über die Abstände der Gitterstäbe bestimmte sie selbst“, so versuchte sich Merete Lyngaard in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft Trost zuzusprechen.
Verzweifelte Versuche einer Frau nicht dem Wahnsinn zu verfallen um stets ihrem Bewusstsein und ihrem Wahrnehmungsvermögen vertrauen zu können.
Solange sie lebensfähig und sie selbst bleibt, so glaubt sie, hat sie ihr eigenes Nest, ein Nest in das die Entführer nicht vordringen können. Ein Teil ihres eigenen Lebens für sich, für sich ganz alleine.


Fremde Menschen haben ihr von jetzt auf gleich alles genommen.
Die Freude am Leben, ihre Freiheit und was für Merete am schlimmsten ist, sie haben ihrem behinderten Bruder die Schwester, sein einziges Familienmitglied genommen. Stets kreisen ihre Gedanken um Uffe, ihren Bruder, der wie sie, den Autounfall bei dem die Eltern starben, überlebte. Sie opferte sich auf, sie tat es gerne.
Was wird aus ihm während sie in Gefangenschaft irgendwo im nirgendwo dahinvegetieren muss?


>> Dieser Gedanke war bitter und traurig,und als sie sich selbst schluchzen hörte, empfand sie nichts als Einsamkeit. Lange Zeit saß sie da mit der Gewissheit, dass Uffe nun allein in der Welt war. Das war wohl mit das Entsetzlichste, was man ihr antun konnte. <<


Und was wird aus Ihr? Was passiert mit einem Menschen der vollkommen abhängig von Anderen über Jahre in einem stahlcontainerähnlichen Etwas verbringt?
Wie verändern Jahre der Isolationshaft eine menschliche Seele?


Jussi Adler Olsen beweist an seiner Protagonistin Merete ein unglaubliches Gespür für menschliche Gefühle in Extremsituationen.
Gerade noch am Leben gelassen von Dritten.
Irgendwo.
Ohne Hoffnung.
Aber mit lauter lebenswerten Erinnerungen.


Dieser Psychothriller geht unter die Haut. Er lässt den Leser nicht mehr los.
Der Vizepolizeikommissar Morck sowie sein ausländischer Helfer Assad, beide Teil des 2. Handlungsstrangs, werden ebenso wie Merete unbeschreiblich realistische Eigenschaften zugeordnet. Stets bleiben die Charaktere ihrem ganz eignen Stil treu.
Dabei gelingt es Olsen, sich in die unterschiedlichsten Menschentypen vollständig hinein zu versetzen, diese in Gedanken und Handlung wahrhaftig zu skizzieren.
Aber nicht nur das beschriebene Gefühl für menschliche Emotionen sondern auch das passende Taktgefühl für Witz, Ironie aber auch Rückbesinnungen und philosophische Ansätze zeugt von einer enormen schriftstellerischen Leistung.


>> Carl Mork wollte das alles gern rational verarbeiten, aber das war schwer. Vom Tod wusste er nicht viel. Nur, dass er so unvorhersehbar war wie ein Blitzschlag. Und unendlich still wenn er eingetreten war.Aber wie gewalttätig Sterben sein konnte und wie sinnlos, darüber wusste er alles. (…) Fünfundzwanzig Jahre bei der Mordkommission der Kriminalpolizei härteten ab. Hatte er gedacht. Bis zu jenem Tag. Da stand er einem Fall gegenüber, der seinen Panzer durchdrang. <<


Der Autor springt zwischen Merete und den laufenden Ermittlungen des Sonderdezernats Q hin und her.
Es ist kein „nackter“ Thriller, der von Anfang an auf die Lösung aus ist. Olsen schmückt die Situationen im passenden Maße und Länge aus. Gerade dadurch wirken die Personen so real.
Beide Handlungsstränge ergänzen sich zu einer packenden Spannung.


Merete, wie sie immer weiter Kraft abbaut, wie sie versucht sich durch ihren Erinnerungen Kraft zu holen, Stärke um das Unglaubliche und Unverständliche zu überstehen.
Daneben, Carl Morck und Assad, die Spuren finden und sie wieder verlieren. Zusammenhänge entdecken und wieder verwerfen.
Manchmal ist mir jedoch beim Lesen negativ aufgefallen das die Jahre die Merete in Gefangenschaft lebt nicht genug ausgebaut sind. Es verändert sie zu wenig. Das Buch dreht sich zwar um die Suche nach ihr, allerdings liegt der Schwerpunkt zu sehr auf dem Ermittler. Ich hätte mir gewünscht, auch durch die Leseprobe, dass das Opfer mehr in den Vordergrund rückt. Allerdings ist dies auch meine einzige Kritik.


Ganz kurz:
„Erbarmen“ kennt im äußerst positivem Sinne selber kein Erbarmen für den Leser. Das Buch kann man nicht zur Seite legen.
__________________
Ich bin das Töchterchen von Laoghaire!
Alessia ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 23:35 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.5 (Deutsch)
Integrated by BBPixel ©2004-2012,
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.0 PL2