Zurück zur Titelseite |
| | Login | ||||||
| Registrieren | Hilfe | Benutzerliste | Interessengemeinschaften | Kalender | Suchen | Heutige Beiträge | Alle Foren als gelesen markieren |
| Gelesen Was Forumbesucher empfehlen: Die Buchtipps. |
| | LinkBack | Themen-Optionen | Ansicht |
| | #1 (permalink) |
| Forum-Neuling | Kurzbeschreibung -->Siehe Amazon (Beitrag zu lang^^) Meinung Es handelt sich hierbei um einen durchweg spannenden und zugegebenermaßen auch eigenartigen psychologischen Krimi. Die Hauptgeschichte ist recht bekannt und basiert auf einer im Prinzip normalen Mordgeschichte. Doch schon hierbei stößt das Buch fast unmerklich an gesellschaftliche Grenzen. Ein Junge ist verschwunden. Ein Schüler aus dem besten und intellektuell gehobenem Schulinternat. Die Schulleitung hält sich mit Informationen die dem gestochen scharfen Schulprofil widersprechen könnten auffallend zurück, doch auch in der Nachbarschaft sind Spuren verbreitet. Dort tauchen sie einmal erkannt, plötzlich nicht mehr auf oder finden sich einen Tag später an bereits untersuchter Stelle. Das kriminologische Geflecht weitet sich stetig weiter aus, Spuren werden verworfen und lange Zeit tappt die Reichskriminalpolizei erneut im Dunkeln bis sich erneut Pfade auftun die systematisch abgeklopft werden. Gleichzeit ist dieses Buch nicht einfach nur ein Krimi, der gelöst werden muss, sondern ein Abriss gesellschaftlicher Schichten und das Zusammenstoßen von Charakteren, die schon lange nicht mehr oder noch nie zusammengepasst haben. Teilweise entstehen fast groteske Spiegelbilder sozialer Netzwerke. Als Fan der Kriminalpsychologie finde ich vor allem das hohe Maß an Variabilität hinsichtlich des Zusammenhangs von handelnden Charakteren und ihrem Umgang mit Spuren und Zeugen sehr faszinierend. Das Buch lebt. Es lebt mit Hilfe der Fülle an Persönlichkeiten die in wechselseitigem Zusammenhang ihre Umwelt formen, gegen sich aufbringen oder sich von dieser großen Plattform des Lebens herunter stoßen lassen. Am Anfang des Buches erschien mir eine andere Person als handlungstragend als als die sich tatsächlich zur Hautperson heraus kristallisierende Charakterpersönlichkeit des Sebastian Bergmann. Dieser ist ein sehr eigenartiger Mann. Als Kriminalpsychologe erwartet man einen charakterstarken und verträglichen sowie empathiefähigen Menschen. Charakterstark ist er, dem ist definitiv nicht zu widersprechen. Jedoch ist Sebastian ein gebrochener Mann der diesen inneren Zustand beinahe perfekt leugnet und auf seine Umwelt attribuiert. Eine wahre Glanzleistung eines renommierten Psychologen, in diesem Berufsspektrum aber als normal anzusehen. Der beste Psychologe versagt bekanntlich bei sich selbst. Hierbei zeigt sich perfekt diese Kluft der seelischen Abwege. Dennoch ist er meines Erachtens ein relativ sympathischer Mensch, da es einen klar definierten Grund für seinen Zustand gibt. Der Verlust seiner kleinen Tochter und daraufhin die Trennung von seiner Frau, reißt ihn aus seinem sicheren Verhaltenscluster. Nach diesem Verlust plant er die Rückkehr ins Berufsleben, in dem Fall jedoch mehr in Richtung Anerkennung, Macht und Frauen. Er scheut vor ernstzunehmender Nähe und reizt daher seine One-Night-Stand-Beziehungen bis zur Obergrenze aus. Glücklich, nein, glücklich wird er dadurch nicht, deshalb der vor allem für seine Kollegen mehr als unpassende und ungeeignete Neustart und die Einmischung in den laufenden Fall. Sobald er sich in die Kriminalarbeit herein gedrängt hat, lebt das Buch auf. Es ist ab dem Moment nicht mehr „nur“ spannend sondern erheiternd, abstoßend und fesselnd zugleich. Kaltschnäuzig wie der Hauptprotagonist sein mag, kann sich der Leser immer auf Überraschungen und in einem gewissen Grad doch nett gemeinte Schnitzer gegenüber seinen Kollegen und Verdächtigen freuen. Und auch die Herausarbeitung der Mitarbeiter von Sebastian sind in ihrer charakteristischen Schlagfertigkeit kaum zu übertreffen. Schon zu Beginn des Buches und damit vor der genötigten Anteilnahme von Sebastian erstrahlt die Geschichte an den verbalen Geselligkeit des Stamm-Kerns der Kriminalisten. Ein aufwendig gestaltetes, spannendes und eigenartig-einzigartiges Buch. Vor allem hinsichtlich der Debüt-Tatsache eine beachtliche Lektüre.
__________________ Ich bin das Töchterchen von Laoghaire! |
| | |
| | #3 (permalink) |
| Forum-König | Und das Anstellen hat sich gelohnt – ich habe einen ganzen Sonntagnachmittag und Abend gelesen, weil ich nicht aufhören konnte. Es ist nicht nur die Geschichte des Mordes die fesselt, es sind die unbeschreiblich gut beschriebenen Charaktere der einzelnen Protagonisten. Auf der einen Seite ein eingefahrenes Ermittlerteam, mit starken Persönlichkeiten, die es gewohnt sind sich aufeinander verlassen zu können und sich auch ohne Worte verstehen auf der andren Seite Bergmann, der absolut Ungepasste aber herausragende Polizeipsychologe. Auf dem Cover steht…“sie werden es lieben ihn zu hassen“…. ja, denn nur wenn Charaktere sich reiben, aufeinanderprallen in ihrer Unterschiedlichkeit, laufen alle zu Höchstformen auf, fühlen sich herausgefordert, angespornt. Dies zu beschreiben und auch zu empfinden ist den Autoren wunderbar gelungen. Gebannt folgt der Leser der Art und Weise der Ermittlungen, empfindet kurzfristige Triumphe und herbe Rückschläge …. Die Kapitel in den der Leser erwartet etwas über den Mörder zu erfahren, sind wenige und beginnen immer mit den Worten: “Der Mann der kein Mörder war…..“ Aus dem Mord und den Auswirkungen der Ermittlungen auf die kleine Gemeinde konstruieren die Autoren eine gute, fesselnde und auch vorstellbare Story und ich erwischte mich manchmal beim Lesen, dass mich der Mörder gar nicht interessierte sondern das was sich im Umfeld und innerhalb des Teams mit und zwischen den Menschen abspielte, viel interessanter war. Nicht nur für die Ermittler enden die Geschehnisse überraschend, auch für Bergmann enden sie in ihrer Gesamtheit mit einem persönlichen Knalleffekt. Und ich hoffe auf weitere Fälle des Sebastian Bergmann, auch um zu erfahren wie es mit ihm weitergeht. Für die beiden Autoren ist es ein Debüt, Hjorth, der Drehbuchschreiber der Wallander-Krimis und Rosenfeldt , Dramatiker und Schauspieler – für den Leser ein psychologischer Hochgenuss
__________________ Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicher sehr ungeeignet, die Gesellschaft dort aber wäre von Interesse. (Oscar Wilde) |
| | |
| Lesezeichen |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
| |