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| Forum-König | NICHTS WAS IM LEBEN WICHTIG IST JANNE TELLER "Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.“ Mit diesen Worten verlässt Pierre eines Tages den Unterricht. Seine Mitschüler beschließen daraufhin, ihren nihilistischen Klassenkameraden das Gegenteil zu beweisen: In einem alten Sägewerk sammeln sie alles, was Bedeutung hat. Doch außer alten Fotos, einer kopflosen Puppe und einem Gesangbuch kommt nicht zusammen. Daher fordern die Schüler, dass jeder etwas Bestimmtes, ihm ganz besonders wichtiges abgeben muss: Ole die Boxhandschuhs, Hans sein neues Rennrad, Hussein den Gebetsteppich, Frederik die dänische Flagge. Je größer das Opfer, je größer die Bedeutung. Was harmlos beginnt, droht bald zu eskalieren: Marie-Ursula muss sich von ihren Zöpfen und Gerda von ihrem Hamster trennen. Beide rächen sich mit noch grausameren Forderungen: Lis Adoptionsurkunde, der Sarg des kleinen Emil, ein Hundekadaver und eine Jesusstatue landen auf dem Berg der Bedeutung. Das Projekt gerät völlig außer Kontrolle, als Sofie ihre Unschuld und der Gitarre spielende Johann seinen Zeigefinger opfern soll. Dann schreiten Eltern und Polizei ein. Nur Pierre bleibt unbeeindruckt. Er lacht über die Schüler, die solche Opfer bringen, um Bedeutung zu finden. In der Nacht rächen sie sich auf brutale Weise für seine Ignoranz. Eine erschütternde Parabel über die Suche nach dem Sinn des Lebens ...... Das steht im Innenteil des Covers - aber ist noch lange nicht alles. Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman bereits vor einiger Zeit, er wurde bei den Vorlesern vorgestellt. ““ Mit gleichmütiger Miene nickte er uns zum Abschied zu und ging hinaus, ohne die Tür hinter sich zu schließen. Die Tür lächelte. Es war das erste Mal, dass ich sie das tun sah. Mir kam die angelehnte Tür wie ein breit grinsendes Maul vor, dass mich verschlingen würde, wenn ich mich dazu verlocken ließ, Pierre Anthon nach draußen zu folgen......und die Stille sagte mir, dass die anderen es auch bemerkt hatten. Aus uns sollte etwas werden.“““““ “““Es hatte übrigens bisher nichts darauf hingedeutet, dass Pierre Anthon der Klügste von uns war, aber plötzlich wussten wir es alle.“““ Pierre Anthon klettert auf einen Pflaumenbaum um von dort mit Pflaumen auf die Schüler, die auf dem Weg zur Schule dort vorbeikommen, zu werfen und um ihnen seine „Parolen“ entgegen zu schreien. “““ „Alles ist egal“, schrie er eines Tages. „Denn alles fängt nur an, um aufzuhören. In demselben Moment, in dem ihr geboren werdet, fangt ihr an zu sterben........““ Das kleine unscheinbare Buch liest sich erschreckend leicht und angenehm – dieses Gefühl steht allerdings im krassen Gegensatz zum Geschehen, man windet sich beim Lesen und an der ein oder andren Stelle sieht man sich plötzlich selber...........zumindest ist es mir so gegangen. Ich bin sicher, dass jeder Leser für sich aus diesem dünnen Büchlein etwas anderes mitnimmt, erfährt und oder das Lesen bei ihm unterschiedlicher Erinnerungen hervorruft. So haben meine Erinnerung an einigen Stellen das Geschehen im Buch mit den entsprechenden Bildern verdrängt und ich musste noch mal zurück blättern, um dann wieder in den Sog der unvermeidlichen und grausamen Handlung zu kommen.- das hatte ein Buch vorher bei mir noch nie erreichen können. Das Gefühl losgelassen von den Eltern zu sein und noch keinen Halt in sich selber zu haben, noch keinen Plan und kein wirkliches Ziel zu haben, nach verlässlichen Orientierungen suchend, die man sich erst setzen muss – dieses Gefühl war manchmal so stark wieder da beim Lesen, dass ich mich mit Pflaumen beworfen fühlte..... und wie damals so eckig in einer runden Welt . Die Parabel ist in Ich-Form,aus der Sicht eines beteiligten Mädchens geschrieben, vielleicht ist zumindest bei mir, dadurch die Identifikation beim Lesen „so stark“ gewesen, obwohl ich grundsätzlich die Ich-Form nicht so mag und ausserdem sind diese Gefühlswelten ja schon ein wenig her .Mich hat das Lesen in Bezug auf mich selber sehr aufgewühlt – hinsichtlich des Lösungsprozesses meiner Tochter sehr nachdenklich gemacht. Loslassen und dennoch spüren wann die Ableger doch Hilfe brauchen – eine nicht immer leichte Gradwanderung. Loslassen aber sie nicht sich selber überlassen... Ein sehr starkes, nachwirkendes Buch – ich kann es nur empfehlen!
__________________ Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicher sehr ungeeignet, die Gesellschaft dort aber wäre von Interesse. (Oscar Wilde) |
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