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Gelesen Was Forumbesucher empfehlen: Die Buchtipps.

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Alt 26.02.2012, 20:06   #1 (permalink)
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Pfeil Marie-Sabine Roger -> Der Poet der kleinen Dinge

Kurzbeschreibung:
Alex ist mal wieder im Nirgendwo angekommen: in einer trostlosen (und namenslosen) Stadt jobbt sie in einer Hühnerfabrik und muss sich abends auch noch das Gejammere ihrer Vermieterin anhören. Alex wäre wohl schon längst weitergezogen, wäre da nicht der geistig und körperlich behinderte Gérard, der Bruder des Vermieters. Obwohl er sich nicht klar ausdrücken kann, erkennt Alex seine gute Seele und freundet sich mit ihm an. Bei einem gemeinsamen Spaziergang lernen sie zwei andere Außenseiter kennen: den arbeitslosen Cedric und seinen dauerbiertrinkenden Kumpel, den Zackenbarsch.

Meinung:

Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit ausgelesen und bin glücklich damit.
Das Buch gefällt mir persönlich nicht so gut wie "das Labyrinth der Wörter", ist aber dennoch ein Buch das mir sehr viel Freude beim Lesen bereitet hat.
Das Thema ist schwierig und auch deswegen nicht mit dem ersten Buch der Autorin zu vergleichen.
Es geht in dem Fall nicht um die Leidenschaft des Lesens oder um die Magie der Bücher.
Es geht viel mehr um die Leidenschaft der Seele, die Interessen und Gedanken die ohne Sprache nicht zustande kommen würden.
Bücher bestehen aus Wörtern, aus Grammatik und sollten ein Mindestmaß an Inhalt und Sinn enthalten.
Doch wie ist das mit Menschen denen das Verständnis für Sprache aberkannt wird?
Nur weil "Normallos" glauben, geistig Behinderte würden das Leben und dessen Aussagen nicht verstehen, muss das noch lange nicht so sein.
Schon als kleines Kind war ich davon überzeugt das ein Großteil der behinderten Menschen in ihrem Leben glücklicher sind als die "verständig" erscheinenden Menschen. Und heute, als angehende Psychologin bin ich mir dessen sogar sicher.

Geistige Behinderung hat 2 Seiten. Eine Seite der Dunkelheit und der Abgeschiedenheit, aber auch eine Seite des Glücks und der Auserwähltheit.
Sie verstehen vieles nicht, aber muss man das?
Es reicht zu erkennen und zu spüren was Leben ist, was Freundschaft ist und in diesem Sinne, was "Gut" ist.
In diesem Buch geht es um einen behinderten Jungen. Er wird von seiner Schwägerin gehasst, als Trottel und Dummerchen bezeichnet und bei jeder Gelegenheit angeschrieben - er merkts doch eh nicht.

Im Gegenteil.
Bewusstsein zeichnet sich nicht dadurch aus, das man schlaue Wörter von sich gibt. Bewusstsein lebt im Inneren, Beusstsein ist der kleine Funken Lebensglück und Gefühl der in jedem Lebenden wohnt. Doch er braucht die Chance beachtet und herausgelassen zu werden.
Der junge Mann in diesem Buch bekommt diese Chance. Er findet eine Freundin, jemanden der ihm zuhört und dem er seine Gedichte erzählen kann.
Gedichte die Sinn ergeben, wenn man sich traut ihn zu suchen und ihn geistig behinderten Menschen zugesteht.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Der Poet.jpg (13,4 KB, 1x aufgerufen)
__________________
Ich bin das Töchterchen von Laoghaire!
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Alt 28.02.2012, 23:13   #2 (permalink)
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Ich habe Der Poet der kleinen Dinge auch gelesen, nachdem ich von Rogers Das Labyrinth der Wörter so begeistert war. Der Gérard ist nicht der Hauptprotagonist des Buches, gleichwohl ist er der Poet der kleinen Dinge. Gérard ist geistig und körperlich stark eingeschränkt. Äußerlich ist er so grotesk entstellt, dass Alex ihn Roswell nennt nach den Außerirdischen der Roswell-Affäre. Wenn er seine Gedichte mühsam und kaum verständlich aufsagt, wird er fast weise. Alex erkennt das in ihm, erkennt unter dieser entstellten Fratze und dem tolpatschigen und anstrengenden Verhalten von Gérard seine Fähigkeiten. Sie beginnt, sich um ihn zu kümmern.

Erzählt wird einmal aus der Sicht der jungen Frau Alex und einmal aus der Sicht von Cédric. So werden die Begebenheiten aus zwei persönlichen Perspektiven dargestellt. Bevor Alex mit Roswell auf Cédric und dessen Kumpel Zackenbarsch, stößt, erfährt der Leser aus Alex Sicht deren Wahrnehmung aus der Ferne auf Cédric und seinen Freund. Cédric wiederum erzählt von seiner Warte aus seine (Lebens)Geschichte und seine Sicht auf Alex, die er von der anderen Seite des Flussufers aus mit Roswell sieht. Der Leser wird Zeuge der Gedanken von Alex und Cédric, weiß vor den beiden, was der eine über den anderen denkt. In einer Kneipe treffen sie das erste Mal zusammen, etwas später am Flussufer, wo Cédric und der Zackenbarsch Alex und Roswell aus einer unangenehmen Situation helfen. Sie sprechen das erste Mal miteinander. Und der Zackenbarsch, der eigentlich Olivier heißt, findet Gefallen daran, Roswell das Bierdosen-Weitwerfen beizubringen.

Die Hauptfrage, die Marie-Sabine Rogers Buch aufwirft, ist die nach dem Sinn des Lebens, dem Zweck des persönlichen Daseins. Alle Beteiligten leben in tristen Verhältnissen, die die trostlose Umgebung wiederspiegelt. Cédric findet sich nicht in der Arbeitswelt zurecht, weiß nicht, was ihm liegt. Er trauert seiner Freundin nach, fühlt sich allein und sieht seine Situation als auswegslos. Des Zackenbarschs Sinn des Lebens scheint es zu sein, Bierdosen im Fluss zu versenken. Alex ist auf Wanderschaft. Nie hält es sie irgendwo lange, weder bei einer Arbeit noch bei einem Partner. Sie ist recht burschikos und verhält sich cool. Sie arbeitet in der Hühnerfabrik des Ortes und wohnt bei Marlène und deren wortkargen Mann, der der Bruder von Roswell ist. Marlène ist Roswell gegenüber ablehnend und unfreundlich, möchte ihn gar aussetzen, damit sie mit ihrem Mann endlich einmal eine Reise unternehmen kann. Einst war sie eine Schönheitskönigin, und für ihre Begabung als Malerin findet sie in dem durch die benachbarte Hühnerfabrik geprägten Ort keine andere Entfaltungsmöglichkeit, als die Bilder im Schlafzimmer aufzuhängen, wo sie keiner sehen kann.

Dann ergibt es sich, dass Alex für einige Tage auf Roswell aufpassen will, damit Marlène mit ihrem Mann eine Reise antreten kann. Ohne ihr Wissen, fährt Alex mit Roswell, Cédric und dem Zackenbarsch ebenfalls los und besucht eine Freundin. Diese Reise wird bedeutende Veränderungen in ihrem Leben nach sich ziehen. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet Marie-Sabine Roger so: Manchmal sind es die kleinen Dinge, die dem Menschen einen Sinn im Leben geben können, einen Menschen lebendig werden, aufleben lassen können. Roger beweist, wie schon in Das Labyrinth der Wörter, ein psychologisches Gespür für ihre Figuren: ein Buch mit Psycho-Logik.
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