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| Forum-König | Als Fan von Ben Becker, nahm ich dieses Teil auf. Es kam unter der Woche und schien mir zu schwer für zwischendrin. Inzwischen ist es schon über ein Jahr her, wie ich dem Datum der herausgerissenen Programmzeitschrift entnehmen musste. Entdecken durfte ich auch, dass der Regisseur Oliver Hirschbiegel ist, von ihm stammt der Untergang. Ich machte es mir gemütlich, öffnete eine Flasche Wein und schaute mir den Film an. Wie ein Sturm, fegte mich die Präsenz dieses Mannes, seiner Stimme und der Inhalt seiner Worte in eine andre Welt. Eine Welt die einem doch eigentlich so augenscheinlich bekannt sein musste und doch so fremd ist. An die wir oft und belehrend herangeführt wurden, aus Schuld und im Sinne der Wiedergutmachung, der Aufklärung, Verarbeitung - und das solch Verbrechen an der Menschheit nie wieder vorkommen sollen. Aber eben genau das ist das Problem. Anfänglich wird ihm ein Schreiben eines Lehrers aushändigt, der bittet, dass ein Mitglied der jüdischen Gemeinde in seinen Unterricht kommt. Eine kurze Sequenz, dann gibt es nur noch Ben Becker als den Journalisten Emanuel Goldfarb in seiner Wohnung. Er versucht einen Brief an den Lehrer zu schreiben um seine Absage zu begründen, steigt um auf sein Diktiergerät und der Monolog gerät zu einer Generalabrechnung mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit und natürlich auch seiner eigenen. Die starke Präsenz dieses Mannes, die schauspielerische Umsetzung, die Wahl der Worte und der Schnitte – dieser Monolog war ein Ereignis, dass eigentlich auf die Bühne gehört, und nicht in einen Fernseher, vor dem man auf seinem Sessel lümmelt. „Wir schleppen soviel Vergangenheit mit uns rum, dass wir mit dem Wegräumen nicht nachkommen“.“viel zu viel Geschichte für so wenig Leute“....“unsre Toten sind andre Tote“..hierbei holt er alte Familienbilder aus einem Kasten und breitet sie aus „ mein Leben, wie ein Kartenspiel, Bube Dame König Ass“....bei den Deutschen heißt es : Tante Berta, die bei der Kahnfahrt ins Wasser fiel,,,Onkel Alfed der Bäcker“....bei uns heißt es, wobei er auf die Gesichter mit dem Finger tippt: Theresienstadt, Ausschwitz, Ausgewandert nach Caracas, Verschollen....Bube Dame König Ass.“ Nach dem Krieg und den Geschehnissen, kann ein Jude in Deutschland kein gewöhnlicher Jude mehr sein, „weil die Erinnerungen wiedergekäut werden wie die Werbespots für Slipeinlagen“..... „der Antisemit würgt“ und der „Philosemit umarmt“ – beide nehmen mir die Luft!, sinniert er wütend, teilweise aufgebracht, in seiner Wohnung auf und abgehend. Er holt aus einen Kasten, das jüdische Gebetstuch, hält es in der Hand, spielt an den Fransen, dabei sieht man nur seine Hände, Knie und Füße, eine geniale Kameraeinstellung. Etwas später dann, setzt er es auf, dass Käppchen, legt sich das Tuch um die Schultern und bindet sich bei Reden das Lederband nach jüdischem Glauben um seinen linken Arm, Hand und Finger. Er hadert mit sich selber, weil sein Sohn ihm unbeschnitten unrein erschien, er hier nicht über seinen Schatten springen konnte und darüber seine Familie verlor. Warum habe ich einen Sohn bekommen ??? Engel sind geschlechtslos...da gibt es nichts zu beschneiden..... Er hält einen Bilderahmen mit vier Bildern darin in der Hand: Freud, Einstein, Christus und Marx....alle waren Juden und fingen bei Null an die Welt zu verbessern..... Am Ende sitzt er vor der Klasse, lächelt unbeholfen, plötzlich ist auch Musik da und ich denke, wirklich nur am Schluss, oder ich war so fasziniert, weggerissen in eine Gedankenwelt mit der ich nicht gerechnet habe, die sich sicher niemand vorstellen kann, dass ich sie nicht gehört habe, aber es ich denke es gab keine, nur Emanuel Goldfarb. Den ganz gewöhnlichen Juden, der eindrucksvoll und mit mir gänzlich unbekannten Denkanstössen, Zusammenhängen und Sichtweisen erklärt, warum er dies nie sein kann. Einfach genial, aufrüttelnd und nachdenklich machend, erklärend und versöhnend. Eine schauspielerische Meisterleistung, äußerst sehenswert. Ben Becker ? Wikipedia Oliver Hirschbiegel ? Wikipedia
__________________ Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicher sehr ungeeignet, die Gesellschaft dort aber wäre von Interesse. (Oscar Wilde) |
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