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Radfahren in Erfurt - Das ADFC-Forum Der Kreisverband Erfurt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs - kurz ADFC - lädt zum Mitdiskutieren ein zum Thema Radfahren in Erfurt.

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Alt 13.11.2011, 20:16   #1 (permalink)
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Standard Weiche Birnen sind gut zu manipulieren oder die neue Sau

Die neue Sau:

Ich weiß nicht, ob ich ins Magengeschwür flüchte, mir einen nervösen Tick zulege oder die Krätze kriegen soll, angesichts der neuen Sau, die zur Zeit durch die Thüringer Städte und Dörfer gejagt wird. Das Thema selbst ist nur ein Kleines, ein Politiker-Profilierungsthema. Es wird allerdings so stereotyp wiederholt, wie damals Herr Blüms: „Die Räntän sinn sischer“, oder sonstige denkhemmende Behauptungen, wie z.B: “Die Atomkraft ist umweltfreundlich.“
Nun, widmen wir uns der neuen Sau, die so daherkommt: „Helmpflicht schützt Radfahrer!“
Ja, da iss was dran, denn täglich lesen wir von mehr oder minder tragischen Radfahr-Unfällen, wo verdammt noch mal der beschädigte Radler keinen Helm trug!
Also, so ein Leichtsinn, so eine Frechheit, so eine Freiheit!!!!
Ganz egal, ob eigener Fahrfehler, automobile Vorfahrtsmissachtung, Schlaglöcher oder fiese Gleise, um die Schaltzentrale des Radlers zu schützen, muß die Helmpflicht her, und zwar für alle!
Klingt sehr gut, sehr verantwortungvoll und so beschützend, ja gerade zu behütend, ein gutes Thema für einen guten Menschen.

Aber schalten wir sie doch mal an, die Denkzentrale: Warum eigentlich soll (nur) eine Helmpflicht durchgesetzt werden? Müssen wir nicht auch Knieschoner, Rücken-, Arm- und Schlüsselbeinprotektoren fordern? Tagfahrlicht, Air-Bags? Sauerstoffmaske und Aktivkohlefilter?

Oder können wir lernen, anders zu agieren und zu reagieren?
Ist es eine Utopie, sich zu wünschen, in Städten generell nur 30 km/h zu fahren?

Ist es naiv, sich zu wünschen, dass sich alle Verkehrsteilnehmer mitmenschlicher, kontrollierter und bewusster verhalten?
Dies gilt auch für die lichtlos radelnden Armleuchter und die chronischen Bürgersteig- und Geisterradler.

Ist es zu „grün“, anzunehmen, dass in 10 Jahren der Radverkehrsanteil in Städten wie Erfurt von ca. 9% auf 20% ansteigt?

Meine Ablehnung der Helmpflicht rührt aus einer optimistischen und selbstbestimmten Lebenshaltung: So liegt das Maß der Eigengefährdung weitgehend im Entscheidungsrahmen des Individuums und ist Bestandteil der freiheitlichen Lebensgestaltung. Die Fremdgefährdung ist zu unterlassen und muss im Rahmen der gemeinschaftlichen Aufgabe (soziale Kontrolle) sanktioniert werden.
Und ich wünsche mir, dass sich jeder gegen solche einfachen, dummen und wenig zukunftsorientierten „Lösungen“ wehrt, die Argumente für die Helmpflicht werden allein durch Wiederholungen weder wahrer, noch stichhaltiger und Fakt ist:
Eine Optimierung des tagtäglichen Miteinander-Verkehrens kann die Helmpflicht eh nicht leisten.
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Alt 14.11.2011, 17:18   #2 (permalink)
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Standard

diese polemik erinnert mich an die, welche in presse, funk und fernsehen (internet gab es seinerzeit noch nicht für die welt) herrschte, als böse menschen in ost und west eine gurtpflicht im auto einführen wollten.... freie fahrt für freie bürger....
klar, es sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich die rüber platt fahren lässt oder nicht, aber .....
der mensch ist leider so, dass er meist nur das tut, was gestzlich geregelt ist....
einsichten sind eher die ausnahme.
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Alt 14.11.2011, 21:19   #3 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Wechselbalg Beitrag anzeigen
... Ist es eine Utopie, sich zu wünschen, in Städten generell nur 30 km/h zu fahren?
...
30 km/h sind u. U. tödlich und immer noch zuviel... wenn schon dann Schrittschleichtempo also 7 km/h

Wer lässt sich gern Regeln vorschreiben? Noch dazu Regeln ohne solide wissenschaftlich-technologische Basis? Jeder vernunftbegabte Mensch sagt NEIN! Ist der Radhelm wirkungslos? So deuten die Ergebnisse einiger Untersuchungen darauf hin, daß Radhelme möglicherweise sogar das Unfallrisiko erhöhen können - ein Effekt, der unter dem Namen "Risikokompensation" in dieser Form bereits beim ABS im Auto beobachtet wurde. D. h. psychologisch denkt man "ich bin geschützt, also fahre ich weniger sorgsam". Wie Studien zeigten, werden Helm tragende Radfahrer beispielsweise in geringerem Abstand durch Autofahrer überholt. Nach Einführung der Fahrradhelmpflicht in Australien 1991 gingen die Verletzungszahlen nicht zurück.

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland nimmt ständig ab:
Statistisches Bundesamt Deutschland - Verkehrsunfälle

Zitat:
In den Industrienationen sind die Opferzahlen seit Jahren rückläufig. In Europa spielen Verkehrsunfälle als Todesursache nur noch eine untergeordnete Rolle, deutlich hinter legalen Drogen oder Suizid. So sind in Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder der Schweiz in den letzten 25 Jahren die Opferzahlen auf ein Drittel gefallen. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist dagegen kaum rückläufig.
Statistisches Bundesamt Deutschland - Polizeilich erfasste Unfälle

Zwei radikale Lösungsvorschläge:

1. Alle, die am Verkehrsgeschehen teilnehmen, müssen ein Testament schreiben. So wird jedem bewusst, wie zerbrechlich und schwach der Körper ist, dass eine (leichtsinnige) Straßenquerung die Letzte sein kann. Es geht hier um Psychologie und Hemmschranken, Vernunft und Einsicht. d. h. Das Universum ist extrem feindselig und dieses Wissen rettet Leben! Das richtige Denken minimiert Risiken.

2. Entschleunigung: sich mehr Zeit nehmen, mehr Rücksicht und mehr Vernunft. Kürzere Wege zur Arbeit, Pendeln nur noch als Ausnahme, mehr Schlaf, Arbeitszeit passend zur inneren Uhr (Lerche, Eule), 0,0% Promille für alle, Fahrtauglichkeitstest ab 50 Jahre, Verkehrsberuhigung in urbanen Bereichen, etc.
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Demokratien werden weder von extremistischen Parteien noch von Terroristen zu Fall gebracht, sondern durch das Versagen ihres gewählten Führungspersonals
Karl Georg Zinn


Es wird niemals funktionieren, Menschenrechte durchzusetzen, indem man anfängt, Menschenrechte zu brechen.
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Alt 15.11.2011, 19:21   #4 (permalink)
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Standard Helmpflicht, Verhalten im Straßenverkehr

Danke für den Kommentar, jedoch glaube ich, daß Schrittgeschwindigkeit , die 7 km/h, selbst jedem sehbehinderten Hochbetagten zu langsam wäre im Straßenverkehr. Enorm, diese Link-Ansammlung, ich denke jedoch, daß jeden, den das Thema Helmpflicht interessiert, schon überfüttert ist mit Argumenten und Informationen. To be precise, es geht mir um zwei Fragen: 1. Können es sich Politiker leisten, so blöde (oder plump) zu manipulieren? Das ist nicht nur Herr Karies (Thüringer Verkehrsminister) sondern auch die bundesweite Rahm-Sau(er), (kleines Wortspielchen).
2. Ich gehe davon aus, daß ich die unmittelbare Zukunft durchaus mitgestalten kann, indem ichs Maul aufmache, und Wege aufzeichne, wie Teile unserer Gesellschaft aussehen könnten.

Zum Schluss: Ich glaube nicht, daß das Universum "feindlich" ist, denn zum Universum gehören wir alle.
Die zwei radikalen Lösungsvorschläge find ich gut bis erheiternd, übrigens: Alles ist Psychologie!
Was mir in Deinem Beitrag allerdingens nicht klar geworden ist: Welcher Meinung bist Du?
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Alt 15.11.2011, 22:14   #5 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Wechselbalg Beitrag anzeigen
Was mir in Deinem Beitrag allerdingens nicht klar geworden ist: Welcher Meinung bist Du?
Ich bin gegen den "von oben verordneten" Helm. Jeder muss selbst entscheiden, ob sie oder er einen Helm tragen muss.
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Alt 16.11.2011, 08:53   #6 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Robi_san Beitrag anzeigen
Zwei radikale Lösungsvorschläge:

1. Alle, die am Verkehrsgeschehen teilnehmen, müssen ein Testament schreiben. So wird jedem bewusst, wie zerbrechlich und schwach der Körper ist, dass eine (leichtsinnige) Straßenquerung die Letzte sein kann. Es geht hier um Psychologie und Hemmschranken, Vernunft und Einsicht. d. h. Das Universum ist extrem feindselig und dieses Wissen rettet Leben! Das richtige Denken minimiert Risiken.
.... oder der zwangsweise Abschluss einer "HelmlosPflichtKasko", die die finanziellen Folgen für die Gesellschaft abmindert, wenn der Betroffene jahrelang komatös ist.

Vielleicht habe ich nicht richtig aufgepasst, aber ich hab ne aktuelle Diskussion gar nicht wahrgenommen, nicht mal im Sommerloch.
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siehst du den horizont, direkt über`m boden fängt der himmel an. und wär ich dort, dann würd ich wetten, dass ich ihn erreichen kann.
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Alt 16.11.2011, 22:25   #7 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Nightswimmer Beitrag anzeigen
Vielleicht habe ich nicht richtig aufgepasst, aber ich hab ne aktuelle Diskussion gar nicht wahrgenommen, nicht mal im Sommerloch.
Sie ist erst jetze losgetreten worden als Ablenkung von der Finanz/Schulden/Eurokrise... hier der Verkehrsminister Baden-Württembergs Winfried Hermann (Grüne):
Sicherheit auf dem Fahrrad: Grüner Verkehrsminister fordert Helmpflicht für alle - WELT ONLINE

... und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer:
Verkehrssicherheit: Ramsauer liebäugelt mit Helmpflicht für Radfahrer - SPIEGEL ONLINE

Abgelenkt wird auch von der ANDEREN radfahrerrettenden wichtigeren Tatsache:
Zitat:
Gerade in Sachen Radwegenetz herrscht in vielen deutschen Städten Nachholbedarf – zumal viele Großstädte sich vorgenommen haben, den Fahrradverkehr in den nächsten Jahren deutlich zu steigern.
Wenn ich von Niedernissa mit dem Fahrrad nach Erfurt fahre, meide ich die Haarbergstraße, da ist Radfahren tödlich, mit oder ohne Helm. Die Radwege-Infrastruktur im Südosten ist Stückwerk. Ein sehr gut ausgebauter Radweg bis Urbich, dann nix bzw. zwangsweise Gehwegbenutzung bis Dittelstedt. Dort geht es mit Gefälle an der neu sanierten radwegmarkierten Straße zum TEC, wobei schon nach der Dorfkirche wieder der Radweg endet. Dieses Flickwerk erstreckt sich über ganz Erfurt.

Hier noch der Senf vom ADFC:
„Der ADFC geht gegen jegliche Bemühungen vor, eine Helmpflicht herbeizuführen. Speziell spürbaren Tendenzen, das Fahrradfahren ohne Helm als unverantwortbar gefährlich darzustellen und so eine mögliche Helmpflicht heraufzubeschwören, wird der ADFC künftig mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln aktiv entgegentreten, um ernsthafte Forderungen nach einer Helmpflicht gar nicht aufkommen zu lassen."

9% der hiesiegen Radfahrer tragen freiwillig einen Helm. Die Risikogruppe sind meist Kinder und ältere Bürger. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der getöteten Senioren auf Fahrrädern gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent gestiegen.

ps.
Helm rettet Leben? - mein Senf - Andreas Edler
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Robi_san ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.11.2011, 20:42   #8 (permalink)
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Standard zur weichen, manipulierten Birne

Zitat:
Zitat von Riese vom Herrenberg Beitrag anzeigen
...
klar, es sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich die rüber platt fahren lässt oder nicht, aber .....
der mensch ist leider so, dass er meist nur das tut, was gestzlich geregelt ist....
einsichten sind eher die ausnahme.
Demzufolge, so schlussfolgere ich, überlassen wir alle Problemlösungen unseren Politikern und Gesetzgebern, weil der Mensch an sich eh zu blöde ist, sich vernunftbegabt oder gar sozial zu verhalten?
Wechselbalg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.11.2011, 12:47   #9 (permalink)
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nicht alle, dazu ist die politik zu unfähig, aber offenbar ist es mit der vernunft des mündigen bürgers in manchen fragen nicht weit her und ohne regeln zum selbstschutz und der solidarischen gemeinschaftskasse geht es offenbar oft nicht. ohne regeln heißt anarchie und die ist tötlich für die menschheit...
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Riese vom Herrenberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.11.2011, 14:44   #10 (permalink)
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Standard Weiche Birne

Zitat:
Zitat von Riese vom Herrenberg Beitrag anzeigen
Ohne Regeln zum selbstschutz und der solidarischen gemeinschaftskasse geht es offenbar oft nicht. ohne regeln heißt anarchie und die ist tötlich für die menschheit...
Jau, Regeln sind völlig in Ordnung. Fragt sich nur, ob nur der Radfahrer reglementiert werden soll, oder ob wir an der automobilen Umwelt vielleicht die eine oder andere Verbesserung in Betracht ziehen sollten, (siehe Fragen zu meinem ersten Statement.) Oder ist alles was mit Autofahren zu tun hat, heilig wie die hinduistischen Kühe?

Übrigens sind die Links von Robi-san zu dem Thema sehr vielseitig und erhellend.
Wechselbalg
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helmpflicht, miteinander verkehren, radverkehr

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