Einzigartiges visuelles Gedächtnis der Stadt bleibt dauerhaft erhalten
Mit Tausenden Aufnahmen dokumentierte Heinz Lutz das Leben der Stadt zwischen Nachkriegszeit und DDR-Zeit und schuf damit eine einzigartige fotografische Chronik.
Heinz Lutz wurde am 29. Mai 1914 in Oberschlesien geboren und erlernte den Beruf des Optikers und Fotografen. Während des Zweiten Weltkriegs war Lutz unter anderem als Fotograf für die Luftwaffe tätig. Von 1945 bis zum Ende seines Arbeitslebens im Jahr 1980 hielt Heinz Lutz, als Bildjournalist das Geschehen mit der Kamera fest.
Lutz arbeitete für zahlreiche Erfurter und Thüringer Tageszeitungen sowie für überregionale Magazine wie die „Berliner Illustrierte“ und „Sport im Bild“. Sein Aufgabenspektrum reichte vom tagesaktuellen Pressefoto über Werbefotografie und dokumentarische Serien bis hin zu Fotobildbänden.
Über Jahrzehnte hielt Lutz das lokale und regionale Tagesgeschehen fest. Dabei standen sowohl große politische Ereignisse als auch das alltägliche Leben im Mittelpunkt seiner Arbeit. Vor seiner Kamera standen Staats- und Parteifunktionäre der DDR ebenso wie internationale Persönlichkeiten. Auch Bundeskanzler Willy Brandt sowie der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin während seiner Fahrt durch Erfurt wurden von ihm fotografiert.
Besonders eindrucksvoll sind die zahlreichen Aufnahmen des Alltagslebens: Händlerinnen auf dem Domplatz, die ersten Trabants und Wartburgs auf den Straßen von Erfurt, große Kundgebungen und Aufmärsche ebenso wie fröhliche Szenen von Stadtfesten – vom Frühlingsfest bis zum Weihnachtsmarkt. Immer wieder zeigen seine Bilder lachende Gesichter und Momentaufnahmen des ganz normalen Lebens in der Stadt.
Einen großen Teil seiner fotografischen Arbeit widmete Lutz zudem der Industrie und dem Gewerbe. Fotorecherchen in Betrieben entwickelten sich häufig zu umfassenden Dokumentationen der jeweiligen Branche. Neben Gesamtansichten von Betriebsanlagen hielt er Arbeitsprozesse, Maschinen und technische Ausrüstungen fest. Ebenso fotografierte er soziale Einrichtungen wie Werkküchen, Pausen- und Umkleideräume sowie Wohnunterkünfte der Arbeiter und dokumentierte damit auch deren Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Insgesamt umfasst die Lutz-Sammlung rund 57.000 Aufnahmen. Erhalten geblieben sind auch originale Fototaschen mit handschriftlichen Notizen des Fotografen. Bereits 1999 erwarb der Förderverein des Stadtmuseums Erfurt die Sammlung, um dieses bedeutende Kulturgut für die Stadt zu sichern.
Nun geht der fotografische Nachlass dauerhaft in das Eigentum des Stadtarchivs über. Der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Steffen Raßloff, betont: „Von Beginn an hat das Stadtarchiv die Fotos vorbildlich betreut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Deshalb übergeben wir sie jetzt per Schenkung in dessen Eigentum.“ Damit sollen auch alle juristischen Fragen rund um die langfristige Sicherung des Bestandes geklärt werden.
Für Dr. Steffen Raßloff und Archivleiterin Dr. Nadine Hofmann ist die Übergabe zugleich ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Stadtarchiv und Stadtmuseum sowie deren Fördervereinen. Das fotografische Werk von Heinz Lutz bleibt damit dauerhaft erhalten – als einzigartiges visuelles Gedächtnis der Stadt Erfurt.

