Von Heinz Zufall

Erfurt. Zur Grundausstattung eines Soldaten gehört Schanzwerkzeug. Bei der NVA war es ein Klappspaten, den jeder Soldat am Gürtel bei sich trug, wenn er die Felddienstuniform anlegen musste. Kaum einer, der dieses Gerät mochte, denn wenn sein Einsatz befohlen wurde, musste der Soldat sich tatsächlich verschanzen, also in den Boden eingraben und aus dem Aushub einen Wall um sich herum errichten.

Auszug aus dem amtlichen Stadtplan der Stadt Erfurt

Das Wort „Schanze“ leitet sich ursprünglich von Reisigbündel her, da im späten Mittelalter bei Belagerungen häufig provisorische Befestigungsanlagen aus Schanzkörben errichtet worden sind. Später wurden solche Schanzen sehr häufig aus Erdwällen errichtet. Daher wurde im 16. Jahrhundert das Wort „schanzen“ ganz allgemein auf Erdarbeiten jeder Art übertragen. Der militärische Sprachgebrauch benutzt auch heute noch „schanzen“ für kleinere Erdarbeiten, vor allem für die Anlegung von Schützengräben.

Aus diesem bereits übertragenen Sprachgebrauch stammt schließlich auch der Ausdruck im erweiterten Sinne: z.B. „sich hinter einem Vorwand verschanzen“.

Nach der Inbesitznahme Erfurts durch Preußen wurde 1835 die Auenschanze angelegt, die 1866 mit Ausbruch des Deutsch-Österreichischen Krieges erheblich erweitert wurde. Sie diente dem preußischen Pioniereinheiten als Übungsplatz.

Nach der Entfestigung der Stadt siedelte sich hier 1878 die Auenkeller-Brauerei an, die damals zu den größten Brauereien der Stadt gehörte, nahm sie doch das gesamte Quartier zwischen den Straßen „An der Auenschanze“, „Nordhäuser Straße“, „Treppenstraße“ und „Baumerstraße“ ein. Die Anschrift lautete Andreasflur 5a. Eigentümer war die Brauerei „Krause & Saal.

Die Brauerei war mit einem beliebten Ausflugslokal, dem „Auenkeller“ verbunden. Später fanden hier auch Theater- und Kinovorführungen statt. Das Lokal hatte auch noch Bestand, als es die Brauerei längst nicht mehr gab.

Der einst beliebte Saal des „Auenkellers“ diente später noch als Lagerraum. Hier lagerte die GHG Schuhe und Lederwaren z.b. in den 1960er und 1970er Jahren u.a. Gummistiefel ein. Inzwischen ist dieser Saal Parkplätzen gewichen.

Ausschnitt aus einem Plan von 1869 mit eingezeichneter Lage der Auenschanze

1908 wurde die Straße „An der Auenschanze“ angelegt und mit zahlreichen Wohnhäusern bebaut.

Im August 1940 erreichte hier die Erfurter Bevölkerung erstmals direkt der II. Weltkrieg, denn in der Nacht vom 16. auf den 17. August fielen die ersten Sprengbomben auf die Stadt. Häuser auf der Ostseite der Baumerstraße und der Auenschanze erlitten erhebliche Beschädigungen. Glücklicherweise waren hier noch keine Tote zu beklagen, es gab aber einige Verletzte.

 

Blick von der Nordhäuser Straße in die Baumerstraße/An der Auenschanze im August 1940. Noch ist es ein Ereignis, welches Schaulustige auf den Plan ruft. Bald werden Luftangriffe etwas Alltägliches ….
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