Babykatzen aus dem Tierheim – ein Erfahrungsbericht

Babykatzen aus dem Tierheim – ein Erfahrungsbericht

9. Januar 2023
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„Katzen aus dem Tierheim haben doch immer einen Schuss“, meinte mal jemand zu mir. „Entweder die sind da weil sie sich nicht benehmen können oder sie werden durch das Tierheim ganz verstört“.

Vorurteile gegenüber Tierheimen und ihren Bewohnern sind leider keine Seltenheit. Und so werden immer noch viel zu viele Tiere von Züchtern geholt, während in den Tierheimen Hunde, Katzen, Häschen und Co. sehnsüchtig auf ein neues Zuhause warten.

Ich habe mit meinem Freund Max zwei Babykatzen aus dem Erfurter Tierheim adoptiert. Ein ehrlicher Rückblick:

07. Juni 2022: Jede Woche fahre ich ins Tierheim um neue Bewohner für Social Media zu fotografieren. Ich arbeite seit zwei Jahren in der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke und zu meinen Aufgaben gehört die Betreuung des Tierheims in der Öffentlichkeitsarbeit. Seit dem Tod unserer alten Katze Shila ein paar Monate zuvor wissen mein Freund und ich: ein neuer tierischer Begleiter muss her! Egal ob Hund oder Katze, egal ob jung oder alt. Es muss einfach passen. Und als mich an diesem Tag zwei winzige Augen aus einer kleinen Hand voll Fell anschauen, passt es. Maja ist keine sieben Wochen alt und wurde gemeinsam mit ihren Geschwistern vor dem Tierheim ausgesetzt. Viel zu früh von ihrer Mama getrennt ist sie bei meinem Besuch im Tierheim unglaublich anhänglich, klettert auf meine Schulter und drückt ihr Köpfchen an mich. Ich bin ihr komplett verfallen.

Als ich nach meinem Termin zuhause bin und meinem Freund von Maja erzähle dauert es keine zwei Minuten bis ich ihn überredet habe, sie gemeinsam noch einmal zu besuchen. Gesagt, getan: Wir fahren noch am gleichen Tag zurück ins Tierheim. Da Katzen eigentlich keine Einzelgänger sind, sondern viel lieber mit einem Gleichgesinnten zusammenleben, brauchen wir für Maja einen Gefährten. Diesmal ist mein Freund Max mit aussuchen dran: ein kleiner schwarzer Kater, ganz schüchtern und zurückhaltend, hat es ihm angetan. Er ist kaum älter als Maja und auch wenn die beiden keine Geschwister sind, teilen sie das gleiche Schicksal. Wir nennen ihn Finou und eine Woche später holen wir unsere zwei neuen Familienmitglieder ab. Und die haben unser Leben komplett auf den Kopf gestellt…

20. Juni 2022: Erfahrung mit Katzen hatten wir beide schon. Zwei kleine Babys, beide zu früh von ihrer Mutter getrennt und noch nicht stubenrein, sind jedoch eine ganz neue Herausforderung. Ich würde lügen, wenn ich sage, die erste Woche war schön. In der ersten Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Als ich am nächsten Tag übermüdet im Homeoffice sitze, hängt eine Katze im Vorhang, die zweite versucht, die Couch zu verspeisen. Meine  Arbeit verrichten und gleichzeitig zwei Katzen erziehen ist hart. Vor lauter Überforderung fließt die ein oder andere Träne. In der nächsten Nacht machen wir es besser: Die Schlafzimmertür bleibt zu, immerhin kennen die beiden das „alleine schlafen“ aus dem Tierheim schon. Und es funktioniert – keine angeknabberten Möbel, kein Mauzen oder Kratzen an der Tür. Die nächsten Tage sage ich immer weniger zu Max, dass ich Maja und Finou am Liebsten zurück bringen würde. Nach einer Woche sage ich es gar nicht mehr. So langsam gewöhne ich mich an ihre Anwesenheit. Und auch damit, dass unsere Wohnung nicht mehr immer pikobello sauber sein kann, finde ich mich langsam ab.

Was noch nicht so richtig klappt: Das Auf´s-Klo-Gehen. Normalerweise schauen sich kleine Katzen von ihrer Mutter ab, wie man das Katzenklo benutzt. Das hat bei unseren beiden durch ihr junges Alter bei der Trennung nicht so gut geklappt. Am Liebsten wird auf Vorhänge, die bis auf den Boden hängen, gemacht. Ab und zu auch mal auf ein T-Shirt oder den kleinen Teppich im Büro. Bis sie komplett sauber wurden, dauerte es mehrere Wochen.

Januar 2023: Inzwischen sind Maja und Finou Teenager. Seit sieben Monaten leben sie jetzt bei uns und in dieser Zeit hat sich viel verändert. Nicht nur, dass Finou nun der verschmustere von beiden ist. Wir haben eine Routine gefunden, uns an die neue Situation gewöhnt und sind als Team zusammen gewachsen. Ich bin ehrlich: Als die Tierheimmitarbeiterin mich im Juni gefragt hatte, ob ich mir das Ganze wirklich gut überlegt habe  und ich „Ja“ sagte, hatte ich keine Ahnung, was wirklich auf uns zukommt.

Trotzdem: Die Freude und Liebe, die diese kleinen Lebewesen in unser Leben gebracht haben, war es zu einhundert Prozent wert! Und auch wenn ich das durch die Arbeit mit dem Erfurter Tierheim vorher schon wusste: Nein, eine Tierheim-Katze hat keinen Schaden. Maja und Finou sind ganz normale Katzen und unterscheiden sich charakterlich nicht von denen vom Züchter.

Für alle, die überlegen, sich ebenfalls eine (Baby-)Katze zu holen, hab ich zusammen getragen, worauf ihr euch einstellen müsst.

  1. Katzenklo: Je mehr Katzen, desto mehr Klos braucht ihr. Wir haben zwei. Und ja, die müssen jeden Tag sauber gemacht werden. Nicht nur die Wohnung fängt sonst an zu riechen. Auch die Katzen fühlen sich unwohl und fangen womöglich wieder an, sich eine andere Stelle für ihr Geschäft zu suchen.
  2. Urlaubsbetreuung: Wer nicht geklärt hat, wer sich während des Urlaubs um die Vierbeiner kümmert, sollte sich keine Katze holen! Und euer Katzenpfleger sollte sich neben dem füttern natürlich Zeit zum Spielen und Kuscheln nehmen.
  3. Futter: Informiert euch über gute Futtermarken und lasst euch im Tierhandel beraten. Gutes Futter kostet leider etwas mehr  Geld. Die Gesundheit eurer Vierbeiner wird es euch aber danken.
  4. Finanzen: Ein Tier sollte sich nur holen, wer sich ein Tier auch leisten kann! Rechnet vorher durch, was eure Katze euch monatlich kosten würde und schaut dann, ob ihr bereit seid, das auf Dauer zu zahlen. Auch die Anschaffungskosten können unterschätzt werden. Kratzbaum, Katzenklo, Spielzeug, Fressnapf… alles kostet Geld. Tierarztkosten können von heute auf morgen auf euch zukommen und sehr hoch werden. Auch für die Kastration muss Geld eingeplant werden. Wer nicht viel auf der hohen Kante hat, sollte eine Krankenversicherung für sein Tier abschließen, um die Behandlungskosten decken zu können.
  5. Zeit: Tiere brauchen Aufmerksamkeit, vor allem, wenn sie in der Wohnung leben. Lust, sein Tier zu beschäftigen, sollte man haben. Egal ob die Gassi-Runde mit dem Hund oder das Spielen mit der Katze. Wenn wir merken, dass unsere Vierbeiner anfangen, Unsinn zu machen, wird der Tennisball rausgeholt und die beiden durch die Wohnung gejagt bis sie müde werden. Dann wird auch nicht mehr am Sofa geknabbert. Denn solche Verhaltensweisen sind meistens ein Zeichen von Langeweile.

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