Stark vergrößerte Viren



+++ Inzidenz in Erfurt mit Höchstwert +++ Medizinische Versorgung kommt an Limit +++ Ärzte empfehlen dritte Impfung +++ OB kritisiert Land und Bund +++

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Inzidenz in Erfurt mit Höchstwert

In den vergangenen sieben Tagen haben sich in Erfurt 1081 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert – so viele wie noch nie binnen einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist dementsprechend mit 505,9 auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. Aktuell treten in acht Kitas, fünf Pflegeheimen, verschiedenen Schulen und Tagespflegeeinrichtungen Infektionsherde auf. Fünf Menschen sind in der vergangenen Woche an oder mit einer Covid-Erkrankung gestorben.

Medizinische Versorgung kommt an Limit

Wegen der steigenden Infektionszahlen zeichnen Ärzteschaft und Gesundheitsamt zum Teil ein dramatisches Bild von den Zuständen in Praxen und Krankenhäusern. „In Kinderarztpraxen ist total Land unter“, sagte die Erfurter Amtsärztin Winnie Melzer. Laut dem Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT), Dr. Michael Sakriß, steigen auch in den Hausarztpraxen die Zahlen der Covid-Patienten „dramatisch“. Im Helios-Klinikum hat sich nach Aussagen des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Thomas Steiner die Lage in den vergangenen sieben Tagen „deutlich verschärft“. Von 26 zur Verfügung stehenden Intensivbetten seien 23 belegt. „Die Reserven sind nicht mehr groß“, sagte Steiner. Auch im Katholischen Krankenhaus sieht es laut Erfurter Gesundheitsamt nicht besser aus. Für zwei neue Covid-Stationen mussten zwei Normal-Stationen bereits geschlossen werden. „Personell steht das KKH mit dem Rücken zur Wand“, sagte Amtsärztin Melzer. In den nächsten Tagen seien an allen Thüringer Kliniken Einschränkungen in der Regelversorgung zu erwarten, meint Prof. Steiner vom Helios. Seine Klinikkollegin Dr. Claudia Höppner drückt es drastischer aus: „Ich rechne mit einer Überlastungssituation, in der wir uns definitiv von der Regelversorgung verabschieden müssen.“

Ärzte empfehlen dritte Impfung

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein fordert die noch ungeimpften Erfurter und Erfurterinnen auf, sich schnellstmöglich impfen zu lassen. „Es ist die einzige Chance, heil durch die nächsten Monate zu kommen“, sagte er. Diese Einschätzung bestätigt auch der Ärztliche Direktor des Helios-Klinikums. Symptomatische Patienten in seinem Haus seien überwiegend ungeimpft, so Prof. Steiner. Hauptsächlich Ungeimpfte hätten so schwere Covid-Verläufe, dass sie an die Beatmungsgeräte angeschlossen werden müssten. 

KVT-Vertreter Dr. Michael Sakriß, der selbst eine Hausarztpraxis in Erfurt betreibt, plädiert außerdem für eine möglichst schnelle dritte Impfung. „Und da ist es völlig egal, ob die zweite Impfung fünf oder sechs Monate her ist. Hauptsache die Booster-Impfung kommt schnell“, sagte er. Laut Sakriß hat die so genannte Auffrischungsimpfung eine große Wirksamkeit. Als Beispiel nannte er ein Alten- und Pflegeheim im Erfurter Norden, das er als Hausarzt betreut. Dessen 80 Bewohner seien dieser Tage alle positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Da aber alle bereits eine dritte Impfung gehabt hätten, seien die Covid-Symptome milde verlaufen. Nur ein Bewohner hätte einen schweren Krankheitsverlauf gehabt. Deshalb würde seine Praxis nun „impfen, was das Zeug hält“. Ähnlich gute Erfahrungen mit der Auffrischungsimpfung hat auch das Klinikum gemacht. „Das große Sterben der hochbetagten Patienten bleibt mit der dritten Impfung aus“, sagte Dr. Claudia Höppner.

OB kritisiert Land und Bund

Oberbürgermeister Andreas Bausewein kritisiert Land und Bund für ihre zögerliche Corona-Politik. So hätte das Land deutlich schneller die 2G-Regel einführen müssen, nicht erst Ende November, sagte er. Und beim Bund sieht der Erfurter OB „erhebliche Versäumnisse“ beim Schaffen rechtlicher Regelungen. Bereits im Sommer hätte gesetzlich geregelt werden müssen, dass Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeitenden erfragen können, meint er. „Ohne das ist 3G am Arbeitsplatz ein zahnloser Tiger“, so Bausewein.     



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