Stark vergrößerte Viren



Auch in Erfurt steigen die Coronazahlen weiter an. In den vergangenen sieben Tagen wurden für die Landeshauptstadt 1.660 Neuinfektionen gemeldet. Daraus ergibt sich eine 7-Tage-Inzidenz von 776,8. Die Hospitalisierungsrate liegt aktuell bei 30,4. Die Intensivauslastung für Thüringen geht ebenfalls weiter nach oben und erreicht einen Stand von 33,8.

Foto: © Kateryna Kon/123rf

Das Ausbruchsgeschehen zeigt sich vermehrt in Alten- und Pflegeheimen, in denen sowohl Bewohner als auch Personal betroffen sind. Zudem ist im Kita- und Schulbereich ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu verzeichnen. Stand heute sind 15 Kindertageseinrichtungen und acht Schulen betroffen.

Lage in den Krankenhäusern spitzt sich zu

Im Helios Klinikum befinden sich aktuell 112 Covid-Patienten – das bedeutet Höchststand seit Ausbruch der Pandemie. 57 werden auf der Normalstation betreut, davon sind 41 aus Erfurt. Um einen weiteren Covid-Bereich eröffnen zu können, werden andere Patienten innerhalb des Hauses verlegt.

25 Personen werden intensivmedizinisch betreut, 16 von ihnen kommen aus Erfurt. Deutlich zeige sich hier, so der ärztliche Direktor Prof. Dr. Thomas Steiner, dass sich die Notwendigkeit der Intensivmaßnahmen in Richtung der Ungeimpften verschiebt. Derzeit liegt sie bei 80 Prozent.

Große Probleme bereite der zunehmende Ausfall des medizinischen Personals. Grund seien sowohl Covid als auch normale Erkrankungen. Dies führe zu Zusammenlegungen von weiteren Stationen. Zudem müsse vermehrt darüber entschieden werden, welche Behandlungen noch angeboten werden können und welche nicht. Der verstärkte Personalmangel schränke auch die Möglichkeiten im intensivmedizinischen Bereich ein. Noch musste kein Patient nach dem Kleeblatt-Prinzip in ein angrenzendes Bundesland ausgeflogen werden, aber nach oben sei nicht mehr viel Luft.

„Bei uns ist es 12 Uhr“, erklärt Dr. Jörg Pertschy, ärztlicher Direktor des Katholischen Krankenhauses die Situation. Seit zehn Tagen sei der Betrieb des Hauses bereits eingeschränkt. Auch hier bereite der Personalmangel sowohl im Pflege- als auch im Ärztebereich große Probleme. Er verwies auf erkrankte Mitarbeiter, aber auch auf asymptomatische, die bei den Coronatests auffallen.

Stand heute werden im KKH 25 Patienten stationär betreut, drei liegen auf der neu geschaffenen Intensivstation, sie alle sind nicht geimpft.

Personalnot im ambulanten Bereich

Auch die niedergelassenen Ärzte haben mit Personalnot zu kämpfen. Praxen müssen zum Teil geschlossen und die Patienten auf andere verteilt werden. Eine Erweiterung des Bereitschaftsdienstes sei in Vorbereitung, so Dr. Michael Sackriß von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens.

In vielen Praxen werde massiv geimpft. Bei einer Impfaktion am Samstag hätten sich 180 Personen einen Pieks setzen lassen, 160 davon waren Boosterimpfungen, nur acht Erst- und zwei Zweitimpfungen. „Wir sehen daran, es kommen noch zu wenig zu den Erstimpfungen“, so Sackriß.

Erfurt Spitzenreiter bei der Impfquote

Stand heute verfügen 73,5 Prozent der Erfurterinnen und Erfurter über einen vollständigen Impfschutz. „Damit sind wir in Thüringen Spitzenreiter“, so Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Noch über dieser Quote läge der Impfstatus der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Mit über 80 Prozent sind wir Vorreiter.“ Das Top-Amt käme immerhin auf eine Impfquote von 99 Prozent.

Derweil sei die Verwaltung dabei, auch die Zahl der Genesenen zu erheben.

Testzentren werden erweitert

Um dem gestiegenen Bedarf Rechnung zu tragen, werden die Teststellen erweitert. In dieser Woche sind mit denen auf dem Bahnhofsvorplatz, am Zoopark, in der Kranichfelder Straße und im Thüringer Einkaufscenter (TEC) vier neue Einrichtungen hinzugekommen. „Kapazitäten sind vorhanden, aber in Spitzenzeiten reichten sie nicht aus. Daher haben wir noch einmal nachgelegt“, so Erfurts Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke.

Viele, die sich testen lassen wollen, gingen in den Abendstunden, da die Testbescheinigung dann 24 Stunden Gültigkeit habe und so auch zur Vorlage beim Arbeitgeber gelte. Die Stadt sei daher am Verhandeln, dass die Dienstleiter ihre Testzeiten anpassen.



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