In der gegenwärtigen Debatte um Rollen und Aufgaben in der Kirche melden sich Theologen und Praktiker zu Wort. Gerade ist die Publikation „Die Kirche und ihr Personal. Auf der Suche nach zukunftsfähigen Profilen und Identitäten seelsorglicher Berufe“ erschienen, in der sich Fachleute aus Erfurt und dem gesamten Bundesgebiet zu diesem sehr spannungsreichen Themenfeld äußern. Aus der Perspektive unterschiedlicher theologischer Disziplinen werden darin die seelsorglichen Berufe von Frauen und Männern in der Kirche diskutiert. Zur Sprache kommen historische, systematische, pastoralpraktische und liturgietheologische Erwägungen.

Damit begeben sich die Beiträge in mehrere hochaktuelle Themenkomplexe, die auch der „Synodale Weg“ – ein kirchlicher Reformprozess von Deutscher Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken – derzeit bearbeitet. Zwar ist die Kooperation von Klerikern und haupt- wie ehrenamtlich aktiven Laien, Frauen und Männern, in den Gemeinden vor Ort mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es brechen jedoch immer wieder Fragen und Konflikte auf, die im kirchlichen Alltag wie in der theologischen Reflexion zu sehr grundsätzlichen Fragen werden können. Sie betreffen zum Beispiel berufsspezifische Profile und Identitäten von geweihten Priestern und nichtgeweihten Hauptamtlichen, Zugangsbedingungen zu einzelnen Ämtern und die Zuordnung jeweiliger Rollen und Befugnisse in den verschiedenen kirchlichen Berufsfeldern.

Das Buch zeigt: Herausforderungen des kirchlichen Lebens ließen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Berufe von „Laien“ neben den Klerikern entstehen. Sie wurden kreativ, pragmatisch, unkonventionell und oft unter fragwürdigen Rahmenbedingungen geschaffen. Die inhaltliche Bandbreite dieser alten und neuen Berufe ist groß – größer, als traditionelle Vorstellungen darüber, wer in der Kirche Verantwortung übernehmen kann, dies bisweilen erscheinen lassen. Die Autoren fragen nach der jeweiligen Zuordnung und faktischen Passung von Amt, Person und Aufgabe, wie sie in Vergangenheit und Gegenwart ausgebildet und ausgeübt werden, insbesondere von den früher sogenannten ‚Seelsorgehelferinnen‘ und den heute tätigen Gemeinde- und Pastoralreferent*innen. Dabei werden Zukunftsvisionen entwickelt, die künftige Diskussionen in Theologie und Kirche anregen werden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Situation der Kirche in der ostdeutschen Diaspora.

Der vorliegende Tagungsband basiert auf der von den Promovend*innen des Theologischen Forschungskollegs der Universität Erfurt vorbereiteten gleichnamigen Tagung am 26./27. Oktober 2018 in Erfurt.

Samuel-Kim Schwope, Julia Knop, Benedikt Kranemann (Hrsg.)
Die Kirche und ihr Personal. Auf der Suche nach zukunftsfähigen Profilen und Identitäten seelsorglicher Berufe.
(Reihe: Erfurter theologische Schriften, 52)
Würzburg: Echter 2020
ISBN 978-3-429-05513-4
16 EUR

Der Beitrag Die Kirche und ihr Personal: Theologen diskutieren über zukunftsfähige Profile und Identitäten seelsorglicher Berufe erschien zuerst auf WortMelder.

Quelle: https://aktuell.uni-erfurt.de/2020/02/28/die-kirche-und-ihr-personal-theologen-diskutieren-ueber-zukunftsfaehige-profile-und-identitaeten-seelsorglicher-berufe/