Die neue Straßenbahnlinie in Erfurt

Die neue Straßenbahnlinie in Erfurt

22. März 2024
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In Erfurt soll bis 2030 eine neue Straßenbahnlinie zwischen Hauptbahnhof, Thälmannstraße, Steinplatz,
Friedrich-Engels-Straße und Grubenstraße verkehren. Für den Baudezernenten, Matthias Bärwolff, und den Betriebsleiter der Erfurter Verkehrsbetriebe, Michael Nitschke, ist dies genau die Form von
Elektromobilität, die die Landeshauptstadt brauche.

Der Brunnen ist schon lange undicht. Die Grünanlage sah schon mal besser aus. Die Wurzeln der Bäume haben die Gehwegplatten an vielen Stellen angehoben. Es herrscht ein beständiger Lärm. Der triangelförmige Leipziger Platz wird von allen drei Seiten von Verkehrslärm umtost. Überhaupt lässt der Verkehrsknotenpunkt am westlichen Rand der Erfurter Innenstadt all das vermissen, was Stadtplaner gerne als Aufenthaltsqualität bezeichnen. „Wir wollen hier nicht einfach nur eine Straßenbahnlinie neu bauen“, sagt Stadtbaudezernent Matthias Bärwolff. „Wir möchten das Projekt auch dafür nutzen, entlang der Strecke einmal gründlich aufzuräumen.“ Konkret bedeutet das auf einer Länge von etwa vier Kilometern nicht nur die Neuverlegung von Gleisen, sondern auch die Sanierung der Straßen, die Anlage von Radwegen und Grünflächen. „Während der vergangenen Jahrzehnte haben wir als Stadt vor allem in die Ortsteile investiert. Die Linie 9 ist für die kommenden Jahre unser wichtigstes Projekt im innerstädtischen Bereich“, sagt Bärwolff. Und es ist ein Projekt, das die Erfurter Verkehrsbetriebe
(EVAG) sich schon seit Jahren wünschen.

Im Bild: Baudezernenten Matthias Bärwolff und Michael Nitschke, Betriebsleiter der EVAG. Foto: Steve Bauerschmidt

Seit mehr als zehn Jahren wird in der Stadtpolitik über den Bau dieser Trasse debattiert. Immer wieder ist etwas dazwischengekommen. „Aktuell fahren wir die Strecke im 7,5-Minuten-Takt mit der Buslinie 9“, sagt Betriebsleiter Michael Nitschke. Die Busse seien meist voll bis übervoll. Und mit dem geplanten Wohngebiet in der ICE-City dürften die Passagierzahlen noch einmal in die Höhe schnellen. Eine Bahnlinie hier mache Sinn – und das auch noch aus einem weiteren Grund. „Fünf der sechs Stadtbahnlinien fahren derzeit durch den Tunnel unter dem Hauptbahnhof“, erläutert Nitschke. „Immer, wenn da etwas passiert, haben wir massive Störungen auf allen Linien.“

Die Linie 9 sei daher auch eine wichtige Ausweichstrecke für das Gesamtnetz. Mit dem Beschluss des Stadtrats im März sind nun die Weichen für das Großprojekt gestellt. „Endlich“, sagt Bärwolff. Jetzt würden zunächst Planungen für die Trasse beginnen. Erst nach deren Abschluss stehe fest, wo genau in den Straßen die Gleise verlegt, Bäume gepflanzt oder Wege für Fußgänger und Radfahrer hinkommen werden. Auch die exakten Kosten stehen erst dann fest. Nitschke und Bärwolff rechnen mit rund 120 Millionen Euro. Der finanzielle Aufwand wird nicht zuletzt auch davon abhängen, was sich im Untergrund der heutigen Straßen so alles findet. Baumwurzeln könnten beispielsweise dort verlegte Leitungen beschädigt haben. Und selbst die Möglichkeit, auf alte Straßenbahnschienen zu treffen, bestehe durchaus, sagte Betriebsleiter Nitschke. Zwischen 1912 und 1973 verkehrte schon einmal eine Tram zumindest bis zum Steinplatz. „Unsere Altvorderen haben bei der Planung des Streckennetzes nicht so weit daneben gelegen…“

So könnte sie aussehen, die Linie 9 in der Thälmannstraße. Die Verkehrsführung muss geändert und angepasst werden – eine planerische Herausforderung.

Mit in den Kosten enthalten seien zudem ein oder zwei Tiefgaragen unter Plätzen entlang der Trasse, sagt Bärwolff. Weniger Parkmöglichkeiten entlang der Strecke solle es nicht geben, auch wenn vermutlich an einigen Straßenabschnitten die bisherigen Parkplätze wegfallen könnten. Denn eine Bahntrasse brauche Platz. Und EVAG-Betriebsleiter Nitschke hofft auf möglichst große Abschnitte mit eigenem Gleisbett. „Die sind störungsfreier und sicherer.“


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