Dieser eine verdammte Punkt | Schwarz-Weiß-Erfurt


Nach hart umkämpften 140 Spielminuten ging Schwarz-Weiß Erfurt am Sonntagabend mit einer 2:3-Niederlage beim VC Wiesbaden vom Spielfeld. Was da passiert war, wussten am Ende wohl beide Kontrahenten nicht so recht.

Der 140-Minuten-Spielfilm könnte kurzgefasst aus Erfurter Sicht so aussehen. Im 1. Satz 16:10, 22:17 geführt und trotzdem 27:29 verloren. Ähnlich der 2. Satz: 16:9, 22:17 geführt, diesmal aber mit 30:28 knapp gewonnen. Nach der 10-Minuten-Pause 2:7 im Rückstand, beim 21:21 ausgeglichen, dennoch 22:25 verloren. Im 4. Satz zurückgekommen und souverän mit 25:16 den Satzausgleich hergestellt. Den Tiebreak dominiert bis zum 14:10 und damit Matchball. Doch der letzte Punkt auf Erfurter Seite kam nicht mehr – 14:16 und damit 2:3 verloren.

Nicht nur die mitgereisten Erfurter Fans fragten sich: Was für Chancen wollt ihr denn noch? Selbst der VC Wiesbaden und seine 1600 Zuschauer konnten ihr Glück wohl nicht fassen, dass sie noch als Sieger aus dem Spiel gingen. Das über weite Strecken bessere Team hatte den Sieg noch aus der Hand gegeben.

Dabei zeigten sich die Erfurterinnen gegenüber dem Mittwochspiel deutlich verbessert. Die Annahme war so sicher wie noch in keinem Spiel in dieser Saison. Paula Reinisch und Danielle Briseboir (spätere MVP bei den Gästen) machten nicht nur in der Defensive einen richtig guten Job, auch am Netz griffen beide mutig an und erzielten auch aus schwierigen Situationen Punkte. Dank der stabilen Annahme, in der Michelle Petter mit gutem Beispiel voranging, fanden auch Jennifer Pettke und Halli Amaro immer wieder eine Lücke im gegnerischen Block. In der Verteidigung rackerte das gesamte Team. Lediglich auf der Diagonalposition hinkt die Qualität weiter dem normalen Anspruch hinterher. Ein Fakt, warum dem Erfurter Team der eine oder andere Punkt zum Erfolg fehlt. Sei es am Satz- oder am Spielende. Dass das angekratzte Nervenkostüm der SWE-Damen da nicht besser wird, ist ein weiteres Problem, welches das Trainerteam mit der Mannschaft nun lösen muss.

Nach der sechsten Niederlage im sechsten Spiel war die Stimmung, gerade wegen der Art und Weise der Pleite im Hessischen, vollkommen im Keller. Nicht nur Florian Völker, der nach Spielschluss minutenlang alleine auf seinem Stuhl saß und mit leerem Blick und an der Wasserflasche nuckelnd aufs Spielfeld starrte, wähnte sich irgendwie im falschen Film. Man hatte nicht einen Punkt gewonnen, sondern mindestens einen, wenn nicht gar zwei Punkte verloren. Hoffentlich ärgern sich Mannschaft und Trainer nicht noch ein zweites Mal darüber – nämlich am Saisonende.

Die Schwarz-Weiß-Damen sollten es dennoch mit dem unter den 1600 Zuschauern weilenden und für seinen Satz berühmten Frankfurter Kult-Trainer Dragoslav Stepanovic´ halten: „Lebbe geht weida.“ Und die Saison übrigens auch, mindestens noch 14 Spiele. (StS)



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