In den vergangenen Jahren wurden in einigen Bundesländern flächendeckende Sprachstandserhebungen bei Vorschulkindern durchgeführt. In diesen Erhebungen wurde in der Regel eine Aufgabe eingesetzt, in der Sätze unterschiedlicher Schwierigkeit gehört und wörtlich nachgesprochen werden mussten. Eines der zentralen Ergebnisse dieser Tests war das schlechte Abschneiden von Kindern mit Migrationshintergrund. „Die Schlussfolgerung, dass dies ausschließlich an den Deutsch-Kenntnissen der Kinder liegt, ist allerdings problematisch“, sagen Prof. Dr. Ralf Rummer und Dr. Judith Schweppe von der Universität Erfurt. „Aus unserer Sicht ist  –  trotz vieler sonstiger Vorteile – das Nachsprechen von Sätzen ungeeignet, um Mutter- und Zweitsprachler direkt miteinander zu vergleichen.

Wenn Nicht-Muttersprachler Sprache verstehen oder produzieren, wird – das zeigen kognitionspsychologische und psycholinguistische Experimente – das Arbeitsgedächtnis stärker belastet als in der Muttersprache. Entsprechend sollten bei Nicht-Muttersprachlern häufig Verarbeitungsengpässe auftreten, wenn es darum geht, den Wortlaut und nicht nur den Inhalt von Sätzen exakt wiederzugeben. Solche Engpässe sollten jedoch nicht bei ‚normaler‘ Sprachverarbeitung, also beim Verstehen und Produzieren von Sätzen auftreten.“ In dem nun von der DFG geförderten Projekt wollen die Erfurter Wissenschaftler zum einen die Annahme empirisch prüfen, dass Zweitsprachler durch die Aufgabe „Sätze Nachsprechen“ systematisch benachteiligt werden, und zum anderen alternative Verfahren der Sprachstandsmessung entwickeln und erproben.

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