zwei Giraffen werden von ihrer Pflegerin gefüttert



Wir haben gekämpft, nach Lösungen gesucht, doch unser Entschluss steht gezwungener Maßen fest: Schweren Herzens müssen wir unsere beiden Giraffenkühe Dhakija und Mayla an einen anderen Zoo abgeben.

Foto: Dhakija und Mayla mit ihrer Bereichstierpflegerin Susanne Meyer
Foto: © Thüringer Zoopark Erfurt

Die Zooparkleitung und Mitarbeiter, insbesondere Giraffen-Tierpflegerinnen Susanne Meyer und Antonia Bohn, sind sehr traurig über die Entscheidung – seit den 60ern wurden hier Giraffen gehalten. Aber die Abgabe ist im Sinne der Tiere erforderlich. Für ca. vier Jahre muss die Haltung dieser wunderbaren Tierart eingestellt werden. Über finanzielle Unterstützung, beispielsweise durch Spenden, damit ein Neubau möglichst zügig vorangetrieben werden kann, würde sich das ganze Zoopark-Team sehr freuen.

Wir sind ein EAZA Zoo, das heißt, unsere Tiere werden hier nach europäischen Zoo-Richtlinien gehalten. Es steht für uns außer Frage, dass der natürliche Lebensraum bestmöglich nachempfunden werden soll und dass das Tierwohl an erster Stelle steht. Als Zoo haben wir einen Bildungsauftrag, aber auch Artenschutz ist ein wichtiges Thema. Dazu gehört es auch, durch Zuchtprogramme die Population aufrecht zu erhalten. Mit der Zeit ändern sich auch gesetzlich verankerte Vorschriften und so ist aktuell eine Herdengröße von drei erwachsenen Giraffen nötig, um sich EAZA-Zoo zu nennen. Die Erfurter Giraffenanlage ist jedoch zu klein, um eine weitere Giraffe hier einziehen zu lassen.

Damit die Tierhaltung und Zucht modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen kann, geben wir unsere Giraffen jetzt für einige Jahre ab: „Wir sind uns heute alle einig, dass es für die beiden Giraffen besser ist, schnellstmöglich in eine moderne Haltung mit Zuchtmöglichkeit zu kommen und für Mayla wünschen wir uns, dass sie tragend wird, bevor sie für eine Erstgeburt zu alt wird“, sagt Zoo-Kuratorin Dr. Heike Maisch. Ziel ist es aber, Giraffen in absehbarer Zeit wieder zurück nach Erfurt zu holen. Deshalb müssen wir ein neues Gehege bauen. Fehlende Fördermöglichkeiten und Investitionsgelder zwingen uns zur neuen Prioritätensetzung. Auch die aktuelle, Corona-bedingte Finanzlage der Kommunen macht eine neue Abfolge von Baumaßnahmen im Zoopark erforderlich. Die Giraffen wurden jetzt im Zoopark auf die höchste Priorität gestuft, der Neubau wird das nächste Großprojekt: „Geplant sind eine Laufhalle, Einzelboxen, eine große Außenanlage und Vorgehege am Standort des alten Parkplatzes unterhalb des Affendschungels. Es sollen bis zu vier erwachsene Giraffen plus deren Nachwuchs gehalten werden können“, so Zoodirektorin Dr. Dr. Sabine Merz. Die Grundlagenplanung läuft bereits seit Herbst 2020. Zudem soll in Zukunft die bestehende Afrikasavanne mit der neuen Giraffenanlage verbunden werden, um den Lebensraum von Giraffe, Zebra und Co. natürlich nachzuempfinden. Denn zu einer modernen Giraffenhaltung gehört nicht nur, dass die Tiere in einer größere Gruppe leben, sondern auch eine Koexistenz mit anderen Tierarten.

Unsere derzeitige Giraffenanlage ist veraltet und zu klein. Das hat uns gerade der letzte Winter mit seinen extremen Temperaturen und Schneemengen gezeigt. Die Winterhaltung ist nicht optimal, die Tiere mussten zu lange im Haus bleiben. Zukünftig soll ein überdachtes Vorgehege für schneefreien Winterauslauf sorgen. Alle Überlegungen zum Umbau mussten wir verwerfen. Da für den Neubau mindestens vier Jahre aus finanzieller Sicht nötig sind, werden die Giraffen Dhakija und Mayla baldmöglichst abgegeben, damit sie für Nachwuchs sorgen können, bevor es zu spät ist.

Unsere ältere Giraffe Dhakija lebt seit 2012 bei uns. Sie kam aus einer großen Giraffenanlage zu uns nach Erfurt. Dhakija zeigt uns zunehmend, dass sie gerne viel Laufen möchte, doch dafür ist die aktuelle Anlage zu klein. Trotz der hervorragenden Arbeit und Pflege durch unsere beiden Haupt-Tierpflegerinnen für Giraffen, Frau Meyer und Frau Bohn, trotz der intensiven Fütterung mit viel Laub im Sommer wie Winter, der intensiven Beschäftigung der Tiere und dem medizinischen Tiertraining, reicht das für den Bewegungsdrang von Dhakija nicht aus, um sie zufrieden zu stellen. Es fehlen auch Zuchtmöglichkeiten und somit mehr Sozialpartner. Neben Dhakija lebt in Erfurt nun noch ihre Tochter Mayla, die 2015 hier geboren wurde.

Quelle: Thüringer Zoopark Erfurt



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