Im Einsatz für 100.000 Erfurter Bäume


Um die Erfurter Bäume wird sich liebevoll gekümmert. Zehn Baumkontrolleure gibt es in der Landeshauptstadt – einer von ihnen ist Werner Dargel. Für ihn ist es der absolute Traumjob

In seiner Jugend hat Werner Dargel die meiste Zeit in der Natur verbracht. Viel mehr gab es auch nicht zu tun in Ilmenau, wie er selbst sagt. „Entweder man interessiert sich dort für Wälder oder für Technik“. Ihn zog es nach draußen. „Nach der Schule ging es ab in den Wald.“ Frische Luft, sattes Grün und so viel, was man entdecken konnte. Und für das, was er dort sah, interessierte er sich. So sehr, dass er die Bäume zu seinem Beruf machte.

Werner Dargel, 33 Jahre alt, ist Baumkontrolleur, angestellt beim Garten- und Friedhofsamt der Stadt Erfurt. Er ist einer von zehn Frauen und Männern, die sich um den Zustand der rund 100.000 Erfurter Bäume kümmern. Sind die Bäume gesund, sind sie krank und wenn, woran leiden sie. „Wir entscheiden auch, wie man dem Baum helfen kann“, sagt Dargel. Wassersack, zurückschneiden – oder eben auch fällen, wenn der Baum nicht mehr zu retten ist und eine Gefahr darstellt.

Pilzbefall kann für den Baum sehr gefährlich werden. I Foto: Steve Bauerschmidt

Wie wird man Baumkontrolleur? Dargel: „Nach meinem Realschulabschluss wollte ich in die Blumenstadt, begann beim Garten- und Friedhofsamt eine Ausbildung zum Gärtner.“ Etwas anderes zu lernen kam für ihn überhaupt nicht in Frage. „Die Ausbildung war sehr praktisch und in zwei Teile aufgeteilt: Pflanzen und Garten- und Landschaftsbau. Wie setze ich eine Bank? Wie bepflanze ich einen Park? Wie mache ich es den Anwohnern schön?“

Nachdem seine Noten in der Schulzeit Luft nach oben hatten, war er in der Lehre ein Muster-Azubi. 2010 schloss er seine Ausbildung mit einem sehr guten Abschluss ab und entschied sich gleich darauf für eine Zusatzausbildung zum Baukontrolleur. Im gleichen Jahr baute das Garten- und Friedhofsamt das System der Baumkontrolleure erst auf. Werner war also von Anfang an dabei.

Seitdem kümmert er sich bei Wind und Wetter um die Erfurter Bäume, die meisten davon Eschen, Linden und Ahorn. Leicht haben sie es nicht in Erfurt. „Früher waren heimische Baumarten sehr beliebt“, sagt Werner Dargel. „Aber inzwischen kämpfen diese Bäume sehr. Viele sterben.“ Grund: der Klimawandel. Besonders in der Innenstadt ist es viel zu warm und zu trocken. Ein ausgewachsener und gesunder Baum, groß und mit einer vollen Krone, wie ihn die Kinder malen, trinkt pro Woche 150 bis 200 Liter Wasser. Das ist in etwa eine volle Badewanne. „Bekommt er das nicht, geht es dem Baum genauso schlecht, wie uns Menschen, wenn wir drei Tage lang nichts getrunken haben.“

Hilft bei Wassermangel: Die Baumkontrolleure sorgen dafür, dass Wassersäcke angebracht werden. I Foto: Steve Bauerschmidt

Während es auch den Bäumen in freier Landschaft von Jahr zu Jahr schlechter geht, ist die Lage in der Stadt noch kritischer. Denn hier staut sich die Hitze. Selbst großflächige Grünanlagen wie der Nordpark bieten davor keinen Schutz. „Der Wassermangel, unter dem viele der Erfurter Bäume leiden, führt dann zu einer Schwächung.“ Das macht die hölzernen Riesen anfällig für Pilzbefall. Und für Bäume ist ein Pilz der aggressivste Gegner. Dargel: „Problematisch wird es dann, wenn in einer Straße nur die selbe Baumart gepflanzt ist. Solche Alleen sehen zwar schön aus, können aber für die Bäume das Todesurteil sein“.

Denn in einer Monokultur hat der Pilz leichtes Spiel. So stecken sich nach und nach alle Bäume damit an…

Über teils jahrelange Beobachtung finden Werner Dargel und seine Kollegen heraus, was mit einem Baum los ist. Denn Bäume sind langsam. „Das ist Fluch und Segen zugleich“, wie Dargel sagt. „Bis ein endgültiges Urteil über den Gesundheitszustand eines Baumes getroffen werden kann, müssen jedes Jahr die Rinde, das Blattwerk und Auffälligkeiten, wie Höhlungen, Schädlinge oder Pilzbefall mit den Daten aus den Vorjahren verglichen werden. Nicht selten müssen die kranken Bäume dann beschnitten werden.“

Nicht selten müssen Bäume beschnitten oder gefällt werden. I Foto: Steve Bauerschmidt

Hilft auch das nicht, ist die letzte Maßnahme das Fällen. „Es tut schon weh, die Entscheidung zu treffen, dass ein Baum weg kommt. Und oftmals stoßen wir dabei auch auf viel Unverständnis aus der Bevölkerung. Wir machen das aber nicht aus Spaß, sondern weil ein kranker Baum eine ernsthafte Gefährdung für die Menschen, darunter stehende Autos oder angrenzende Gebäude darstellt.“ sagt Werner Dargel und erklärt, dass von den circa 1000 Bäumen, die pro Jahr in Erfurt gefällt werden müssen, jeder einzelne nachgepflanzt wird. Mit Sorten, die übrigens widerstandsfähiger sind, als ihre Vorgänger. In den letzten drei Jahren stieg die Anzahl an Fällungen noch einmal dramatisch an. „Begründen kann man das mit den Super-Sommern. Seitdem sehen wir einen eindeutigen Trend nach oben“, so Dargel.

Werner, dessen Lieblingsbäume übrigens die Paulownia (ein Blauglockenbaum) und die Platane sind, hat zuhause aber keinen Garten. Darin würde er versinken, wie er lachend sagt. Als kleiner Perfektionist gäbe es für ihn nie ein Ende.



Neugierig geworden? Zum vollständigen Beitrag geht es hier: https://swefuererfurt.de

Vorheriger ArtikelMikroelektronik-Expertenforum tagt in Erfurt
Nächster ArtikelTipps zum Umgang mit Sommerhitze