Jetzt Kristiansand – der Lernprozess geht weiter


Der Lernprozess geht weiter, am Wochenende in Norwegen. Der Thüringer HC hat am Mittwoch einen hart erkämpften Arbeitssieg bei den HSG Bad Wildungen Vipers eingefahren. Bei der andauernden Verletzungsmisere waren nur noch acht Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen dabei.

Zum Glück ist Spielregisseurin Iveta Luzumova wieder am Ball, und das mit eindrucksvollem Comeback. Gleich mit zehn Toren war sie am Sieg überdeutlich beteiligt. Dem dezimierten Kader bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Schon Freitag früh um 5 Uhr geht es mit dem Bus nach Berlin, von dort im Flieger nach Oslo. In Kristiansand trifft die Mannschaft im zweiten Hauptrundenspiel, am Samstag 02.02.2019 um 18:15 Uhr, auf den norwegischen Meister Vipers Kristiansand. Der hat sich mit seinem Auftaktsieg in Ljubljana bei Krim Mercator, an CSM Bukarest vorbei, auf Platz zwei in der Gruppe vorgeschoben.

Rückblick: 
Nach der EHF Champions League mit einem sehr guten Spiel der THC-Mannschaft gegen Budapest, mit einer knappen Niederlage, die sich für Herbert Müller „wie ein Sieg anfühlt“, musste am gestrigen Mittwoch die Mannschaft in Bad Wildungen im letzten Vorrundenspiel der Bundesliga ran. Dort hatte man im Vorjahr überraschend verloren, entsprechend vorgewarnt war das Team. In der Bundesliga darf man sich nach dem Punktverlust in Bietigheim, im Kampf um die deutsche Meisterschaft keinen weiteren Ausrutscher leisten. Dennoch ist Herbert Müller mit der Hinrunde insgesamt zufrieden. „Ein Sieg vor dem Optimum, in Bietigheim kann man verlieren, muss man aber nicht. Bei ein wenig mehr Konzentration war sogar eine Null-Niederlagen-Runde drin. Einziger Wermutstropfen ist die lange Verletztenliste.“ Für Herbert Müller geht der Dreikampf an der Spitze indes weiter, „bis zum Saisonende, entschieden ist gar nichts“.

Eigentlich kam der THC gut ins Spiel, ließ aber eigene Chancen aus und bekam keinen Zugriff in der Abwehr. Eine Frage der Kraft? Klar, auch, nach dem Sonntagspiel gegen Budapest. Nun war auch noch Kerstin Wohlbold erkrankt und konnte nicht mitreisen. Zum Glück war Iveta Luzumova wieder dabei und zeigte ein überragendes Comeback. Jeder konnte sehen, wie wertvoll sie für den Thüringer HC ist. Auf der anderen Seite steigerte sich mal wieder Bad Wildungen und Romy Morf-Bachmann machte mit zehn Treffern, das Spiel ihres Lebens. Die hatte wohl niemand auf dem Schirm? Trotzdem schien das Spiel beim 19:25 aus Vipers-Sicht eigentlich für den THC zu laufen. Für Herbert Müller zieht sich derzeit „wie ein roter Faden durch das THC-Spiel, dass ein einmal herausgespielter Tore-Vorsprung wieder hergegeben wird, durch eigene Fehler – verworfene Siebenmeter, unkonzentrierte Würfe, Würfe neben das leere Tor beim sieben gegen sechs. Da setzte Routinier Jana Krause zum Glück rechtzeitig ein Zeichen, hielt stark, entschärfte freie Würfe, parierte einen Strafwurf, traf selbst ins verwaiste Vipers-Tor. Bad Wildungen kämpfte sich bis auf ein Tor heran, bevor diesmal der THC in den Schlussminuten die Nerven behielt. Da ragte Linksaußen Jovana Sazdovska nochmal aus dem Team heraus, machte selbst wichtige Tore und fing zwei Würfe der Vipers ab. Ihr Trainer bedachte sie ob ihres bisher besten Spieles beim THC mit einem extra Lob. „Am Ende war es ein Arbeitssieg und das Wichtigste daran sind die Punkte, die gewonnen wurden“, sagt abschließend der Trainer.


Norwegen-Erfahrung: In der Saison 2014/15 stand der THC gegen Larvik HK im Viertelfinale der CL. (Foto: THC-Archiv)

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Auch noch dabei: Zwei dänische und ein norwegisches Team – der THC als letztverbliebener deutscher Verein.

Zum Spiel:

So ernst wie in der Bundesliga um jeden Punkt gekämpft werden muss, so mit Freude und ohne Druck soll nach Herbert Müller die Mannschaft in der Champions League auftreten. In der Bundesliga ist der THC verdammt und verpflichtet zu gewinnen, den Druck baut Herbert Müller in der Champions League erst gar nicht auf. Dort soll der Lernprozess auf höchstem Niveau weitergehen. „Dort liegt der Schwerpunkt auf dem “sich Messen mit den Besten der Welt. Mit Spaß am Handball, mit einem Lächeln im Gesicht gegen große Gegner antreten“, sagt Herbert Müller immer mal wieder, weiß er doch zu gut, dass ein deutsches Team die Champions League nicht gewinnen kann. Aber um so stolzer macht es ihn, dass der THC das einzige deutsche Team ist, dass auf diesem Weltniveau vertreten ist, und das nun schon zum sechsten Mal in Folge in der Hauptrunde. Auch nach Norwegen geht es mit nur einer Wechselspielerin auf der Bank. Bei diesem Kräfteverschleiß gibt es nicht einmal ein Training sechs gegen sechs. Und dort trifft die Mannschaft auf die halbe norwegische Nationalmannschaft und mit Katrine Lunde auf eine der besten Torhüterinnen der Welt. Die hat allein in der norwegischen Auswahl, in Györ oder Rostow am Don so alles gewonnen, was es im Frauenhandball zu gewinnen gibt. Herbert Müller mag die Art, wie die Norwegerinnen Handball spielen, auch wenn der THC da noch nicht viel geholt, aber schon gegen Larvik HK oder Glassverket Elite Drammen gewonnen hat.

Zum Kader:
Iveta Luzumova ist jetzt wieder voll dabei, Kerstin Wohlbold, die als junge Mutti noch stillt, fährt nicht mit. Alle anderen Verletzten sind auch nocht nicht wieder fit. Bei Alicia gibt es erste Fortschritte, aber auf den Hallenboden kehrt sie frühestens in zwei Wochen zum Training zurück. Erst nach dem Heimspiel gegen Bukarest. Sie wird intern in aller Ruhe wieder aufgebaut, kann so am Nationalmannschaftslehrgang, wozu insgesamt acht THC-Spielerinnen eingeladen sind, auch noch nicht teilnehmen.

Bericht:  HaJo Steinbach / THC


In den Medien:
TV: Das Spiel wird bei EHFtv live übertragen
Den Liveticker von MDR und THC gibt es im Internet und im MDR-Videotext S. 264

 



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