Mit einem Forschungsstipendium über zunächst 30.000 Euro fördert die Gerda-Henkel-Stiftung ab Juni 2019 ein neues Forschungsprojekt an der Professur für Religionswissenschaft (Orthodoxes Christentum) der Universität Erfurt. Es wird von Dr. Stefano Saracino bearbeitet und steht unter dem Titel: „Almosenfahrer zwischen Caritas, Kommerz und Konfessionalisierung: Ein von Griechisch-Orthodoxen aus dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich geschaffenes Migrationsregime (ca. 1580-1780).“

Konkret geht es um die Einwanderung von griechisch-orthodoxen Almosensammlern aus dem Osmanischen Reich ins Alte Reich in der Zeit von ca. 1580 bis 1780. In diesem Rahmen werden miteinander verstrickte migrations-, wissens- und konfessionsgeschichtliche Fragestellungen beschrieben, zu deren Klärung Archivbestände verschiedener Reichsterritorien sowie Erkenntnisse zur Geschichte anderer Migrantentypen (griechisch-orthodoxe Händler und Studenten), aber auch anderer auf demselben Feld (etwa der Sklaven- und Gefangenenranzion) aktiver karitativer Gruppen herangezogen werden. Die Eigenschaft der zu untersuchenden Einwanderer als kulturell-konfessionelle Grenzgänger fokussierend sollen Auseinandersetzungen mit den normativen Ordnungen und Erwartungshorizonten der Konfessionskulturen und Gelehrtenmilieus behandelt werden, mit denen diese wandernden Griechisch-Orthodoxen in Berührung kamen. Gerade weil Gelehrte und Almosensammler heteronome Beziehungen eingingen, die sich an der Grenze zwischen Caritas, Kommerz, Konfessionspolitik und Gelehrtenkultur bewegten, verspricht das zu untersuchende Phänomen, die sozialen Prämissen ideengeschichtlicher Transferprozesse offenzulegen. Das Projekt soll dabei Beiträge zu einer immer noch zu schreibenden Geschichte der mobilen Präsenz der Griechisch-Orthodoxen im Alten Reich liefern.

Über das neue Forschungsprojekt freut sich besonders Prof. Dr. Vasilios N. Makrides, Religionswissenschaftler an der Philosophischen Fakultät mit Schwerpunkt Orthodoxes Christentum: „Das Phänomen dieser Migrationskultur von Griechisch-Orthodoxen ist zwar längst bekannt, jedoch sind zahlreiche Aspekte dieser multidimensionalen Begegnung und teilweise Auseinandersetzung zwischen Ost und West in der Frühen Neuzeit noch völlig unbekannt. Insbesondere betrifft dies Mitteldeutschland, denn Städte wie Jena, Gotha, Halle oder Leipzig waren Orte dieser systematischen und Jahrhunderte alten Berührung. Das Projekt ist Teil einer Reihe weiterer Aktivitäten, internationaler Kooperationen und Forschungsanträge der Professur für Orthodoxes Christentum, die sich aktuell noch in der Begutachtungsphase befinden. Dadurch erhoffen wir uns, in den nächsten Jahren das gesamte Thema in seinen vielen Ebenen, Ausprägungen, Verbindungenund Kontexten systematisch zu erforschen und eine erhebliche Forschungslücke schließen zu können.“    

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Quelle: https://aktuell.uni-erfurt.de/2018/12/13/neues-forschungsprojekt-zu-griechisch-orthodoxen-migranten-im-deutschen-raum/