“Opfer beim Namen rufen”

Am Mittwoch, dem 18. November 2015, spricht um 19:00 Uhr Dr. Aribert Rothe über die Erfurter DenkNadeln. Der Vortrag findet begleitend zur Ausstellung “Der Gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn” in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge statt.
Man kennt sie aus Krimis: Stecknadeln auf der Landkarte, die Tatorte des Verbrechens und Lebensorte der Opfer angeben. In Erfurt wurde diese Kennzeichnung quasi in die Wirklichkeit gekippt, um an deportierte und ermor- dete Bürger und Bürgerinnen jüdischer Herkunft zu erinnern.
Neun exemplarische DenkNadeln stecken im Boden des Stadtgebietes und stiften so ein aufsehenerregendes Gedächtnis für einzelne Personen. Das DenkNadel-Projekt wurde seit 2007 vom Arbeitskreis “Erfurter GeDenken 1933–1945” entwickelt. Er hatte sich nach einem öffentlichen Wettbewerb für den Entwurf der jungen Künstlerin Sophie Hollmann entschieden. Gelingen konnte das ganze Projekt dank der tatkräftigen Unterstützung der Kommunalpolitik, der städtischen Ämter und Einrichtungen sowie nicht zuletzt dank der jeweiligen Sponsoren. Was beim ersten Blick wie eine “Eistüte” anmuten mag, lässt beim näheren Hinsehen Namen und Daten erkennen. Der Verzicht auf Pathos und bildhafte Eindeutigkeit sticht in die heutige Lebenswelt und regt zu Diskussionen an.
Dr. Aribert Rothe, Theologe und promovierter Erziehungswissenschaftler, stellt das Projekt der Erfurter DenkNadeln vor. Er ist Mitbegründer des Arbeitskreises “Erfurter GeDenken 1933 – 1945”.