Das sogenannte Mural Art, also die großflächige Bemalung von Hauswänden, neben dem künstlerischen auch den gesellschaftlichen Raum einer Stadt beleben kann, wurde weltweit in zahlreichen Projekten bewiesen. Häufig werden vor allem brache Flächen in den Mittelpunkt gestellt, bzw. der Fokus auf einen ganzen Stadtteil gerichtet, wie z.B. bei CityBilder in Dresden / Friedrichstadt oder der Freiraumgalerie in Halle/ Freiimfelde. Nun bewegt sich eine solche Initiative auch in Erfurt.

Wand Michael Ritzmann_Weimarische Straße_Fotografin Karina Halbauer

Bei dem Wandmalereiprojekt OQ-PAINT [əʊkjupeɪnt] soll in der Landeshauptstadt Thüringens über die nächsten Jahre eine Openair-Galerie entstehen, die die künstlerische Vielfalt der Wandmalerei in Erfurt stärker in das öffentliche Interesse rücken und die Stadt, auch in ihrer Außenwahrnehmung bereichern soll.

Nachdem im letzten Herbst bereits schon zwei Brandwände, also Gebäudeabschlusswände ohne Fenster, im Bahnhofsquartier gestaltet wurden, folgt nun eine weitere Wand im Dalbergsweg 9. Gestaltet wird sie im Laufe der Woche von zwei Mitgliedern der Erfurter Künstlergruppe Members. Diese beziehen die Bürger – für die die Wand auch gestaltet wird – auf ihre ganz eigene Art und Weise in ihr künstlerisches Konzept mit ein. So haben sie Passanten gebeten ihnen spontan Substantive zu nennen, die ihnen einfallen und nun interpretiert jeder der beiden Künstler diese Worte künstlerisch auf der Wand. Es entsteht also eine Art offen gelegtes Memory, bei dem der Betrachter aufgefordert ist, das richtige Paar zu finden.

Case Maclaim_Güterbahnhof_fotograf Björn Schorr

In der ersten Phase des Projektes OQ-PAINT sind vor allem Thüringer Künstler beteiligt, die sich aber durchaus schon weltweit einen Namen gemacht haben. So gestaltete die erste Wand in der Weimarischen Straße der Erfurter Künstler Michael Ritzmann. Dieser hat seinen ganz persönlichen Bezug zu seiner Heimatstadt im Bild verarbeitet und ein Foto seiner Familie großflächig mit Farbe und Sprühdosen an die Wand gebracht und auch diesem in der vergangenen Woche nochmal den letzten Schliff gegeben. Die zweite Wand am Güterbahnhof 10 wurde von Andreas von Chrzanowski alias Case der Künstlergruppe Maclaim gestaltet. Der Schmalkaldener hat sich vor allem der fotorealistischen Kunst verschrieben und bemalt mittlerweile Fassaden von New York bis Moskau.

Doch die Gestaltung der Wände soll nur der Anfang der Galerie sein. Immer getrieben von der Überzeugung, dass die Thüringer Kunstszene ein hohes Maß an Qualität aufweist, soll die großflächige Galerie in den nächsten Jahren noch weiter anwachsen.
Das gesamte Projekt OQ-PAINT sieht sich als ein internationaler Austausch von Ideen und kunstkulturellen Konzepten im öffentlichen Raum, um die Bürger und Gäste Erfurts und Thüringens für die Kunst der Wandmalerei in der Landeshauptstadt begeistern.

Initiiert wurde das Projekt von Akteuren der freien Produzentengalerie 7A/B und Plattform e.V., einem Träger der sich schon durch eine Vielzahl von raumaneignungs – und soziokulturellen Projekten, wie dem Stadtentwicklungsprojekt LADEBALKEN oder dem Künstlerhaus SALINE34 in Erfurt einen Namen gemacht hat.

OQ-PAINT wird von der Kulturstiftung des Landes Thüringen und der Sparkassenstiftung Erfurt gefördert.