Mit Stichtag 30. November 2025 lag der Kulturdirektion mit 153 Anträgen eine Rekordzahl für die jährliche Projektförderung vor – 28 mehr als im Vorjahr.
Die Landeshauptstadt Erfurt fördert auch im Jahr 2026 eine Vielzahl kultureller Projekte, die die kreative Vielfalt der Stadt widerspiegeln und kulturelle Teilhabe in unterschiedlichen Lebensbereichen ermöglichen. Die ausgewählten Vorhaben zeigen eindrucksvoll, wie breit die freie Kulturszene aufgestellt ist – von Musik und Literatur über Bildende Kunst bis hin zu interdisziplinären und partizipativen Formaten.
Zahlreiche Projekte schaffen niedrigschwellige Zugänge zu Kunst und Kultur und laden Menschen aller Altersgruppen zur aktiven Mitwirkung ein. So ermöglicht das Kinder- und Familienfestival „kocolores“ im Brühler Garten ein vielfältiges Programm für die ganze Familie, während die „Geschichtenwerkstatt Erfurt“ und das Ferien-Band-Projekt der Franz Mehlhose kreative Ausdrucksformen fördern und insbesondere Kinder und Jugendliche zum Mitmachen einladen. Offene Formate wie die „Zeichenrunde Erfurt“ oder die Etage-20-DJ-Nachwuchsförderung bieten zudem Raum für Austausch, künstlerische Entwicklung und Vernetzung innerhalb der lokalen Szene.
Mehrere Vorhaben bringen Kunst gezielt in den öffentlichen Raum und in unterschiedliche Stadtteile. Projekte wie die „StadtRaumBoxen“ am Kulturquartier Schauspielhaus, das Skulpturensymposium „proForma 2026“ oder die „Endhaltestelle Wiesenhügel – das kulturelle Wohnzimmer des Südostens“ machen Kunst und Kultur im Alltag niedrigschwellig erlebbar. Auch kleinere Veranstaltungsreihen, Lesungen und Konzerte in Nachbarschaften und alternativen Kulturorten tragen dazu bei, kulturelle Angebote über etablierte Spielstätten hinaus sichtbar zu machen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Förderung liegt auf inklusiven und barrierearmen Kulturangeboten. So schaffen das Projekt „Bilinguale Kulturangebote in Deutscher Lautsprache und Gebärdensprache“ des Biling e. V. oder die Gebärdenvorstellung „Sherlock Holmes“ der Sommerkomödie Erfurt gezielt Zugänge für hörende und gehörbeeinträchtigte Menschen zu Kulturveranstaltungen und stärkt die gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben. Gemeinschaftsorientierte Formate wie die „Silent Disco – Ein Gemeinschaftserlebnis“ ermöglichen Begegnung und kulturelle Beteiligung in offener und niedrigschwelliger Atmosphäre.
Auch musikalisch und kulturell zeigt sich die große Bandbreite der Erfurter Szene. Projekte zur Pflege des musikalischen Erbes wie „Die Erfurter Familie von Johann Sebastian Bach hörbar machen“ stehen neben zeitgenössischen Formaten wie „HipHop in time ’26“, dem „Erfurter Schülerband-Song-Contest“, lokalen Konzertreihen oder genreübergreifenden Festivals, die insbesondere jungen Musikerinnen und Musikern Auftrittsmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig fördern interkulturelle Projekte wie das Deutsch-Ukrainische Kulturfestival „Miteinander Erleben“ oder das Open-Air-Fest „La Verbena“ den Austausch zwischen verschiedenen kulturellen Perspektiven und stärken das internationale Profil der Stadt. Ergänzt wird das Programm durch Literatur- und Lesungsformate, Comic- und Kunstfestivals sowie Empowerment- und Graffiti-Projekte, die aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen und neue künstlerische Impulse setzen.
Antragslage spiegelt vielfältige Kulturszene wider
Die hohe Zahl der Anträge und die thematische Bandbreite spiegeln die Dynamik der freien Kulturszene in Erfurt wider und verdeutlichen zugleich den gestiegenen Finanzbedarf der lokalen Kulturszene. Neben allgemeinen Preissteigerungen bei Material, Technik, Miete, Energie und Personal wächst der Anspruch, Projekte nachhaltig, inklusiv und unter fairen Honorarbedingungen umzusetzen. Barrierearme Veranstaltungsformate oder zusätzliche Zugänglichkeitsmaßnahmen erfordern ebenso zusätzliche Ressourcen wie eine angemessene Vergütung künstlerischer und technischer Leistungen. Öffentliche Förderung bleibt daher essenziell, um Vielfalt und Qualität auch unter herausfordernden Bedingungen zu sichern.
Erfreulich ist zudem die große Zahl an Erstantragstellenden von insbesondere jungen Erwachsenen, die über Beratungsangebote und digitale Kanäle auf die kommunalen Fördermöglichkeiten aufmerksam geworden sind.
Die eingereichten Anträge wurden in einem mehrstufigen Verfahren geprüft und bewertet. Maßgeblich waren die inhaltliche Qualität und Schlüssigkeit der Projektbeschreibung sowie ein nachvollziehbarer Kosten- und Finanzierungsplan. Durch eine konsequente Fokussierung auf förderfähige und -würdige Vorhaben konnte ein pauschaler Kürzungsschlüssel vermieden werden, um möglichst vielen qualitätsvollen Projekten eine Realisierung zu ermöglichen.
Das beantragte Fördervolumen von über einer Million Euro überstieg jedoch die verfügbaren Mittel deutlich. 94 Projekte wurden für eine Förderung vorgeschlagen. Ein Teil der eingereichten Anträge konnte im Rahmen der regulären Projektförderung nicht berücksichtigt werden. In einzelnen Fällen wurden Vorhaben im Verfahren zurückgezogen oder auch in das kulturelle Jahresthema überführt. Kleinere Förderanliegen bis maximal 500 Euro liegen zudem im direkten Entscheidungsbereich der Kulturdirektion, hier lagen allein elf Anträge vor.
Mit der jährlichen kulturellen Projektförderung stärkt die Stadt nicht nur etablierte Akteurinnen und Akteure, sondern eröffnet auch neuen Initiativen Räume zur Entfaltung. Die ausgewählten Projekte machen deutlich: Erfurts Kulturlandschaft ist vielfältig, engagiert und fest im städtischen Leben verankert.
Neben der kulturellen Projektförderung gibt es in diesem Jahr zudem die Förderung im Rahmen des kulturellen Jahresthemas „KulturOrtsWechsel“ mit 200.000 Euro Fördervolumen. Hier endete die Antragsfrist am 15. Januar 2026. Insgesamt sind 67 Anträge mit einem Fördervolumen von über 500.000 Euro fristgerecht eingegangen, die derzeit geprüft und erfasst werden. Eine Entscheidung über die Förderung ist für die Sitzung des zuständigen Ausschusses am 20. April 2026 vorgesehen.
