eine Heiligenfigur gestikuliert in freier Natur neben sitzenden Vögeln



Als einen “Meister der Farbe” bezeichnete der Maler Otto Knöpfer seinen Lehrer Franz Markau (Berlin 1881-1968 Weimar) einmal. Die Farbe mit ihren besonderen Wirkungen und Gesetzmäßigkeiten stand im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Markau, der von 1926 bis 1945 als Professor für Wandmalerei an der Kunstgewerbeschule Erfurt lehrte.

Foto: “Der heilige Franziskus predigt den Vögeln”, 1921, Öl auf Leinwand
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Bereits zu seinen Lebzeiten präsentierte das Angermuseum seine Gemälde und Zeichnungen in mehreren Ausstellungen und 50 Jahre nach Markaus Tod wurde dem Thüringer Künstler 2018 hier eine umfangreiche Retrospektive gewidmet.

Das bedeutende frühe Ölgemälde “Der heilige Franziskus predigt den Vögeln” aus dem Jahr 1921 befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in unbekanntem Privatbesitz und konnte daher 2018 nicht in Erfurt ausgestellt werden. Die Forschungen zu Franz Markaus Schaffen im Zusammenhang der Retrospektive bildeten die Grundlage für die Identifikation des Gemäldes, als es im Oktober 2019 überraschend auf einer Auktion ohne namentliche Zuschreibung als Werk eines Expressionisten angeboten wurde. Insbesondere eine bereits 1919 datierte großformatige Tusche-Studie sowie überlieferte Fotos ermöglichten die Identifikation des Gemäldes, das von Markau mit seinem Monogramm, der sogenannten “Fleißigen Hand”, signiert und mit dem Jahr 1921 datiert wurde.

Die Gemälde aus Markaus besonders inspirierter Schaffensphase der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sind äußerst selten und so war es ein Glücksfall, dass das Bild mit großzügiger Unterstützung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Hermann Reemtsma Stiftung, den Förderverein “Freunde des Angermuseums” e. V. und einen privaten Förderer für die Sammlung des Angermuseums erworben werden konnte. Bedingt durch die Corona-Schutzmaßnahmen verschob sich der Termin zur Präsentation der Neuerwerbung vom Frühjahr auf den Sommer.

In Markaus künstlerischem Werk der bewegten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg lassen sich zahlreiche Anregungen und Einflüsse erkennen, vom Expressionismus bis zu Rudolf Steiners anthroposophischer Lehre, mit der Markau ab 1918 in Berlin in Berührung kam. Seine Bildsprache ist in dieser Zeit durch eine expressiv gesteigerte Figurensprache und Farbigkeit geprägt. Im Gemälde “Der heilige Franziskus predigt den Vögeln” gelingt Franz Markau ein ungemein eindringlicher figuraler Ausdruck, der getragen ist von der Spannung der gedrehten Körperhaltung und der damit betonten Hinwendung des Franziskus zu den Vögeln im rechten Vordergrund. Vor dem leuchtenden Blau des Hintergrundes steigert sich das rötliche Ocker der Mönchskutte zu leuchtender Farbigkeit.

Bereits eine Woche nach der ersten öffentlichen Präsentation im Angermuseum ab 11. August wird das bedeutende Gemälde nach Schmalkalden ausgeliehen, wo es bis Anfang Dezember im Rahmen der großen Ausstellung “Überland – 100 Jahre Kunst in Thüringen” als Hauptwerk aus Franz Markaus Schaffen präsentiert wird.



Mehr dazu auf der Quell-Seite: Erfurt.de