Von einem, der viel kann – Der Arbeitswagen 4 der EVAG


Mit der Erfurter Straßenbahn könnte man – rein theoretisch – bis vor die Tore von Gotha fahren.
Genauso lang – exakt 45,2 km – ist die Streckenlänge der Erfurter Straßenbahn, und das doppelgleisig. Nimmt man noch die Betriebsgleise hinzu, sind das immerhin 100 km Gleislänge. Und dafür braucht man nicht nur einen Winterdienst. Da fällt Herbstlaub, das die Schienenköpfe schmierig macht. Es fällt
Bremssand, der aus den Rillenschienen wieder entfernt werden muss, um Entgleisungen zu vermeiden und der, da er ein Isolator ist, auch Störungen in der Stromversorgung der Bahnen hervorrufen kann. Dazu kommt, dass im Bahnbetrieb immer mal Riffel auf den Schienenköpfen entstehen, die zusätzlichen Verschleiß an Gleisen und Fahrzeugen erzeugen und die Lärm machen – ja, das kann man hören! – und die deswegen beseitigt werden müssen.

Und dann besteht bei feuchten Winterwetterlagen auch die Gefahr von Vereisungen der Fahrleitungen. Dem beugt die EVAG mit Auftragen von Glyzerin vor, aber bei der genannten Netzgröße reicht ein vorhandener Arbeitswagen nicht aus, so dass auch der „Neue“ über diese Technik verfügt. Am Anfang stand die Überlegung, dass man das alles „elektromobil“ erledigen müsste. Mit einem nicht mehr benötigten Tatra zum Beispiel. Denn es gibt für solche Aufgaben keine Serienfahrzeuge und ein Spezialbau ist sehr, sehr teuer. Also begann man bei der EVAG das Tüfteln.

Viele Kollegen brachten sich mit ihrem Fachwissen ein, manche Lösung erwies sich als Irrweg oder nicht praktikabel, anderes musste erst ausprobiert werden. „Wir haben uns auf dem Markt umgesehen, welche Technik wir von Zulieferern beziehen könnten und dann haben wir mit den Fremdfirmen geguckt, wie wir das alles in das Fahrzeug reinkriegen“, erzählt Dirk Groß, Stabgruppenleiter im Werkstattbereich. „Reinkriegen bedeutet auch, eine gleichmäßige Gewichtsverteilung zu erzielen“, ergänzt er. Da das Fahrzeug ja mal ein ganz normaler Linienwagen war, musste für die schweren Einbauten die Statik neu berechnet werden. „Wir haben uns vergleichbare Arbeitsfahrzeuge bei den Kollegen in Plauen, Gera und Zwickau angeguckt“, ergänzt Mario Linßer, Meister der Hauptwerkstatt 1, in der die wesentlichen Umbauarbeiten erfolgten, „und konnten ihre Erfahrungen nutzen. Aber natürlich muss ein solches Fahrzeug immer an die Einsatzbedingungen angepasst werden und die sind in jedem Streckennetz anders.“ So musste der Fahrerstand neu gestaltet werden, denn von hier werden die Funktionen gesteuert. Bis auf das Schneeschieben kann das ein Mitarbeiter allein. Der braucht dafür allerdings eine Spezialausbildung.
Nun ist er fertig, der Neue. Er hört auf die Nummer „4“, also Arbeitswagen 4. Knapp 30 Tonnen wiegt der umgebaute Tatra, im Gegensatz zum Ausgangsfahrzeug mit 19 Tonnen.

Zum Schleifen der Schienen wurde ein Schleifdrehgestell montiert, das die Kollegen der Verkehrsbetriebe Gera gebaut haben. Zwischen den Rädern sind Schleifsteine eingebaut, die die Schienen glatt schleifen. Würde das nicht regelmäßig gemacht, würde es laut dröhnen auf Erfurts Gleisen. Beim Schleifen kommt Wasser dazu und die abgeschliffenen Metallspäne werden gleich von einem Magneten aufgesammelt. Einmal pro Woche wird das Schleiffahrzeug durch Erfurt fahren.
Im hinteren Fahrzeugteil wurde ein XXL-Staubsauger eingebaut. Beim Anfahren und Bremsen setzen die Straßenbahnen Sand ein, und diese kleinen „Haufen“ werden weggesaugt. „Unser Staubsauger hat mächtigen Bums drauf“, lacht Linßer. „Nix für Zuhause, da ist der Teppich weg.“
Ein Hydraulikaggregat treibt mit einer Ölpumpe den Staubsauger an. „Als Verkehrsbetriebe fahren wir mit Strom und treiben die Motoren nicht mit Diesel an. Deshalb haben wir einen 90kW-Motor eingebaut“, erklärt Linßer. „So ein Fahrzeug gibt es derzeit deutschlandweit nicht noch mal.“



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