Schwarz-Weiß Erfurt gewinnt das Heimspiel gegen seinen Tabellennachbarn, VC Wiesbaden, mit 3:1 (20, 23, -21, 16) und fährt drei wichtige Punkte ein.

Das mit Spannung erwartete Spiel des Vorletzten gegen den Drittletzten war seit gut zwei Stunden beendet, das Spielfeld abgebaut und die fleißige Abbau-Mannschaft genehmigte sich ihr wohlverdientes Tagesabschlussgetränk auf der Tribüne. Auch die Erfurter Spielerinnen hatten die Riethsporthalle längst Richtung ihrer Wohnungen verlassen. Nur das Trainergespann Florian Völker/Rebekka Schneider saß noch nebeneinander, entspannt an der Stirnseite der ansonsten menschenleeren Sporthalle an die Prellwand gelehnt. Beide mit dem Handy in der Hand, nebenbei ein paar Worte wechselnd, genossen sie sichtlich die eingegangenen Glückwunschnachrichten aus allen Teilen der Republik – ohne Euphorie, aber erkennbar mit Freude.

Nach zwei gemeinsamen, äußerst erfolgreichen Jahren in Offenburg, hat das Gespann in Thüringen Neuland betreten. Dass die 1.Bundesliga eine ganz andere sportliche Nummer ist, haben sie bereits erkannt. Und die Häufigkeit der Niederlagen, ist auch eine der neuen Erfahrungen. Sich entmutigen lassen, verzweifeln, das gibt es nicht im sportlichen Alltag der Beiden. Stattdessen gab es in der Trainingswoche vor dem Spiel nur ein Ziel: Ein Sieg gegen Wiesbaden. So stand es tagtäglich an der Trainingstafel, so wurde es immer wieder im Training kommuniziert und die eigene Mannschaft darauf fokussiert.

Und so fokussiert wie die Trainer ihre Mannschaft auf das Spiel am Samstagabend vorbereiteten, so absolvierte diese das Spiel gegen den Tabellennachbarn. Selbst einige schwierige Phasen brachten die Erfurter Mannschaft nicht aus dem Konzept, sie fand stets zurück zu einer insgesamt starken Heimvorstellung. Klebte den Thüringer Landeshauptstädterinnen in den zurückliegenden Jahren stets der Makel am Trikot, Big-Point-Spiele nicht gewinnen zu können, so widerlegte es dieses Team an diesem Abend.

Doch bevor sich die SWE-Damen nach 111 Spielminuten und vier gespielten Sätzen zum Jubelkreis zusammenfinden konnten, bedurfte es einer nervenstarken und –aufreibenden Auseinandersetzung mit dem VCW, dem sie im Hinspiel noch unnötig den Sieg überließen. Im ersten Satz konnte sich bis zur zweiten technischen Auszeit (16:15) kein Team absetzen. Erst beim 21:17 gelang das den Gastgebern erstmals und Cassidy Pickrell war es schließlich vorbehalten, mit einem satten Hieb zum 25:20 den ersten Durchgang zu beenden. Im zweiten Satz führten die Gäste mit 12:8, doch zur zweiten technischen Auszeit stand erneut ein 16:15 für die Gastgeber auf der Anzeigetafel. Im umkämpften Hin und Her war Wiesbaden beim 20:22 dem Satzausgleich nahe. Beide Trainer nahmen im Finish ihre verfügbaren Auszeiten, Schwarz-Weiß jedoch mit mehr Erfolg. Der zweite Satzball war dann erneut ein Fall für „Cassi“ Pickrell, diesmal ein gut getimter, gelegter Ball. Mit 25:23 ging auch dieser Satz an die Erfurterinnen.

 

Dass Erfurt mit einer 2:0-Führung in die Zehn-Minuten-Pause gehen konnte, hatte genauso Seltenheitswert, wie sie verdient war. Wiesbadens Tanja Großer wurde im Angriff nahezu neutralisiert. Lena Vedder, nach starker Anfangsphase, immer besser per Block und Feldverteidigung ausgebremst. Nur Frauke Neuhaus war ein harter Kanten, an dem sich Erfurts Verteidigung die Zähne über die gesamte Partie oft vergeblich ausbiss. Zwar führte Schwarz-Weiß nach dem Kabinengang mit 10:8, jedoch brachte eine kurze Phase von Wacklern in der Erfurter Annahme die Gäste in Vorhand. Die 18:14-Führung brachten die Hessinnen dann auch durch, schafften mit 25:21 den Anschluss.

Erfurts Trainer, der vor der Partie lange überlegte, wem er das Vertrauen für diese Partie schenken soll und sich dann für die „galligsten“ Spielerinnen entschied, hatte seine Mannschaft für den vierten Satz gut eingestellt. Mit einer 6:1-Führung gelang ein perfekter Start, den Wiesbaden beim 10:9 fast egalisierte. Doch an diesem Abend waren die Erfurterinnen die Stabileren. Diszipliniert verfolgten sie den ausgegebenen Matchplan. Von einer bärenstarken, in der Annahme sicheren und in der Feldverteidigung omnipräsenten und somit immer wieder ihre Mitspielerinnen inspirierenden Libera Michelle Petter angeführt, setzte sich das SWE-Volleyteam erneut mit 16:11 ab. Neben der Abwehrspezialistin war es Cassidy Pickrell, die sich aus dem Schatten der von Wiesbaden hart bearbeiteten Erfurter Top-Angreiferin, Danielle Brisebois, zur zweiten Matchwinnerin aufschwang. Unbeirrt zogen die Thüringerinnen nun ihre Kreise. Nach einer zu lang geratenen Gästeannahme nach Dapic-Aufschlag, war es letztendlich die Kapitänin, Jennifer Pettke, die den letzten Ball in die VCW-Spielhälfte drückte.

Ein klares 25:16 im letzten Satz, ließ die gut 600 Erfurter Zuschauer glückselig jubeln. Sie hatten sich dieses Erfolgserlebnis genauso verdient wie das Erfurter Trainerduo, das sich nach erfolgreich getaner Arbeit, gecheckter Whats-App-Glückwünsche aufmachte, um sich mit einem Eis in einem Schnellrestaurant den Sieg gegen Mitternacht zu versüßen. (StS, Fotos: Sebastian Schmidt)



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