Wie Hannes den Biber in Erfurt jagte


Gibt es wirklich einen Biber in Erfurt? Ja, ohne jeden Zweifel. Ich bin sozusagen Augenzeuge, habe den geheimen Ort gefunden, wo sich Reiher und Biber in Erfurt gute Nacht sagen. Hier erzähle ich, wie es dazu kam…

Erfurt. 20:30 Uhr. Ich saß am Ufer der Gera, irgendwo zwischen der NQV und der Energiebrücke. Die Abendsonne schien mir ins Gesicht, Blätter rauschten leise im Wind. Wieder einmal lag ich auf der Lauer, suchte nach dem Erfurter Biber. Aber gibt es den Biber in Erfurt wirklich? Irgendwie glaubte ich nach vielen biberlosen Stunden an der Geraaue nicht mehr dran. Bis zu diesem einen Tag…

Es war schon recht spät, die Sonne ging bald unter. Ich hatte aber nochmal Lust, mich aufs Fahrrad zu setzen und eine Runde zu drehen. Im Rucksack: Pulli, Trinkflasche und meine Fujifilm-Kamera, die ich bei meinen Streifzügen – egal, ob in der Stadt oder der Natur – eigentlich immer dabei habe. Dieses Mal fuhr ich nicht soweit wie sonst. Ein paar Fahrradminuten hinter dem Nordpark setzte ich mich auf ein paar Steine am Ufer. Ich hatte noch nicht einmal den Rucksack richtig abgenommen, da hielt ich plötzlich den Atem an.

>>Ähm, Hannes<<, dachte ich, >>Hannes, was ist das da?!<< Ein großer, brauner Biber schwamm Flussaufwärts, genau auf mich zu. Auf diesen Moment habe ich gewartet. Wahnsinn. Tagelang nicht zu sehen und auf einmal schwimmt das Vieh (sorry für den Ausdruck, ist positiv gemeint) nur zwei, drei Meter vor mir. Glücksgefühle machten sich breit, die dann vom Drang nach einem ordentlichen Foto abgelöst wurden. Alles lief unheimlich schnell ab.

Der Biber sah mich scheinbar nicht, weil er mit seinen riesigen Zähnen (eigentlich ein Fall für den Zahnarzt – ganz schön braune Beißer…) einen dicken Ast durchs Wasser zog. Dazu kommt: Biber können nicht wirklich gut sehen, nehmen wohl nur leichte Grauschattierungen war. Sie hören und riechen dafür umso besser. Es dauerte noch ein wenig bis er mich wahrnahm, mir direkt in die Augen sah. Er war nicht wirklich erschrocken, schlug aber mit seinem Schwanz – der sogenannten Biberkeller – volle Wucht aufs Wasser (typische Biber-Drohgebärde) und tauchte ab. Das war ziemlich aufregend. Ihr hättet mein Grinsen sehen müssen. Nach so langer Jagd, endlich erfolgreich zu sein – geil 🤩

Die Schwiegermuttertheorie

Warum sah ich genau an diesem Tag den Biber, das größte Nagetier Deutschlands? Lag es an der Uhrzeit, kurz vor Sonnenuntergang unterwegs zu sein? Lag es am Ort? Oder sogar an meiner Schwiegermutter?! Die fragte nämlich genau an diesem Abend – mit einem Augenzwinkern – bei meiner besseren Hälfte an, ob ich wirklich beim Biber bin… Zum Glück konnte ich erstmals Beweise liefern. Ein paar Fotos sind mir gelungen und sogar ein kurzes Video vom Erfurter Biber. Die schaffen es sicher nicht zu National Geographic, aber reichen für den SWE Blog allemal (meint mein Chef). Was meint ihr?

Ich gebe zu, die Schwiegermuttertheorie ist nicht hieb- und stichfest. Ich habe den Biber nämlich auch die darauffolgenden Tage entdecken können. Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, insgesamt vier- oder fünfmal. Biber sind vor allem nachts und in der Dämmerung aktiv, streifen dann durch ihr Revier entlang des Wassers. Es war jedes Mal aufs Neue toll, das Wildtier aus der Nähe zu sehen. Und nachdem wir dann schon ein bisschen vertrauter waren, erschien plötzlich Biber Nr. 2 – vermutlich ein Baby-Biber. Das sagte kurz brav „Guten Tag“ zu Biber-Papa und schwamm dann gemächlich weiter. Natur pur!

Biber-Nachwuchs in Erfurt

Eisvogel und Ausreißer-Enten

Alles Biber oder was? Nee! Eigentlich hatte ich immer, wenn ich abends am Ufer herumstreifte, einen Aha-Effekt. Manchmal auch einen Haha-Effekt. Gleich am ersten Tag, als ich den Biber suchte und voller Vorfreude mein neues Objektiv ausprobieren wollte, da sah ich merkwürdige Enten auf der Gera schwimmen. Sie waren ziemlich groß, schwarz und weiß gefiedert. Ich war gleich Feuer und Flamme, weil sie nicht nach 0815-Stockente aussahen (nichts gegen Stockenten). Ich hielt drauf, fotografierte und verfolgte sie.

Nach kurzer Zeit bemerkte ich dann ein älteres Ehepaar am Ufer. Sie riefen nach den Enten, warfen ihnen Brot hin. Ich fragte, was es damit auf sich hat und ob sie wissen, was das für seltene Tiere sind. „Das sind einfache Hausenten. Gerd und Gerda. Die sind uns vor ein paar Wochen abgehauen. Mein Mann versucht sie wieder einzufangen“, sagte die sichtlich genervte Frau. Göttlich. Vor allem auch, weil der Enterich sich das gesamte Brot holte, sobald sein altes Herrchen verschwunden war. Die Enten sah ich noch häufiger. Die haben es sich dort richtig gemütlich gemacht.

Ich wurde in Zeit am Ufer auch ein kleiner Vogelexperte. Kein Scherz: mittlerweile kann ich Spechte und Eisvögel an den Lauten erkennen. Beispiel gefällig:

Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep-Fiep – aufgeregter Eisvogel sucht Fisch zum Essen. Oder:

Fi-Fi-Fi-Fiep Fi-Fi-Fi-Fiep Fi-Fi-Fi-Fieb – Specht bringt Futter zur Spechthöle.

Das war es irgendwie auch, was mich auch reizte. Die Ruhe, die Natur. Hier konnte ich nach einem stressigen Büro- oder HomeOffice-Tag (ja, das geht…) gut runterfahren. Verurteilt mich bitte nicht. Natur ist cool. Probiert es einfach mal aus. Ich bin jedenfalls jetzt öfters im Grünen unterwegs, suche aber nicht mehr so nach dem Biber in Erfurt. Im Gegenteil, ich lasse ihn in Ruhe. Was mir nämlich wichtig ist: haltet euch am besten Fern vom Biber. Er ist immer noch ein Wildtier, sollte am besten in Ruhe gelassen werden. Wir können froh sein, dass es nach so langer Zeit wieder Biber in Erfurt gibt. Ich war so oder so erschrocken, wie verdreckt es teilweile am Ufer war. Plastiktüten, Masken, Flaschen…einfach hingeworfen. Wird schon verrotten Nee! Wird es nicht. Nehmt den Müll einfach mit. Biber, Reiher & Co. werden es euch danken.



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