Wissenschaft begegnet Kunst – Bildhauer-Symposium zu Meister Eckhart

Zehn internationale Künstler haben jetzt ihre Werke der Öffentlichkeit übergeben, die sie vom 1. bis 6. September bei einem Bildhauer-Symposium im Schlosspark Behringen geschaffen hatten. Das Besondere an diesem Symposium, das seit Jahren unter der Leitung der Europäischen Kommunikations-Akademie e. V. (Behringen) veranstaltet wird, war dabei nicht nur die Tatsache, dass sich zehn internationale Kunstschaffende auf den Weg gemacht hatten, um im Thüringer Hainich zu arbeiten, sondern das Thema, das ihnen gestellt wurde. Denn in Zusammenarbeit mit der Meister Eckhart-Forschungsstelle am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Agence Nationale de la Recherche (Frankreich) und vielen engagierten Institutionen, die Meister Eckhart auch in seiner Heimat bekannter machen wollen, war „Meister Eckhart‚ Lassen und Wirken‘“ als Motto für die Bildhauerarbeiten gestellt worden.

Die zehn Kunstschaffenden waren aus einer großen Anzahl von mehr als 80 Bewerbungen durch eine Jury, der u. a. Mitglieder der Meister Eckhart-Forschungsstelle angehörten, eingeladen worden, dieses Thema in Sandstein, Beton oder Marmorblöcken umzusetzen. Dabei sind erstaunliche Werke entstanden, die etwa in einem „Thron der Weisen“ überdimensionale Bücher wirken lassen (Petra Lange, Deutschland) oder in einer Stele einen Durchgang schaffen, um die Aufforderung Meister Eckharts „Geh in deinen inneren Grund“ zu verdeutlichen (Gisela Eichardt, Deutschland). Manche Werke wie das „Erinnerungskästchen“ (Nagi Farid, Ägypten) oder „Tanzende Würfel und Volumen“ (Rafail Georgiev, Bulgarien) laden eher zum Betrachten ein, während andere den Betrachter selbst ansehen bzw. spiegeln wie „Das Auge als verbindender Akt“ (Carola Rump, Niederlande) oder „Seelengrund“ (Helga Palasser, Österreich, siehe Foto). Dass das Lassen aber kein rein passiver Akt ist, sondern Auseinandersetzung bedeutet, zeigen das monumentale Werk „Leben und Lassen“ von Victors Suskevics (Lettland), in dem ein Mensch sich aus dem Stein kämpft oder „Gefangen“ von Laura Marcos (Argentinien), deren Fische, mit denen Meister Eckhart die Liebe vergleicht, mit einem starken Band im Stein gefangen sind. Das Lassen in der Begegnung mit der Natur wird in den beiden letzten Werken besonders deutlich: „Lassen“ (Krysztof Krysztof, Polen) verdeutlicht, wie aus Interventionen zwischen Mensch und Stein Leben wächst und „TAO“ (Hardy Raub, Deutschland) verbindet organisches Material eines von innen nach außen gekehrten Baumes mit Beton und Licht, das durch eine Öffnung fließt und so auf mehreren Ebenen den Weg zeigt.

Mit der Übergabe der Kunstwerke endet dieses Projekt jedoch nicht: Neben einem Flyer, der im Schlosshotel am Hainich (Behringen) erhältlich ist, wo die Skulpturen im Park aufgestellt sind, werden die Kunstwerke nun zu einer weiteren kunsthistorischen Reflexion auf Meister Eckhart Anlass geben. Diese Reflexion wird von Dr. Dr. Jutta Vinzent in einem Buchprojekt erarbeitet. Außerdem sollen die verschiedenen Werke entlang des entstehenden Eckhart-Radweges aufgestellt werden. Das gesamte Vorhaben ist ein schönes Beispiel, wie Wissenschaft und Kunst wechselseitig voneinander profitieren und zu spannenden Auseinandersetzungen mit einem immer noch aktuellen Theologen und Philosophen des 13. Jahrhunderts einladen.

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Quelle: https://aktuell.uni-erfurt.de/2019/09/13/wissenschaft-begegnet-kunst-bildhauer-symposium-zu-meister-eckhart/