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Abschied von Erfurt

3. August 2026
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Seit April entdeckt Lena Schätte, Erfurts diesjährige Stadtschreiberin, die Stadt. Hier im Tagebuch lässt sie alle Interessierten an ihren Eindrücken teilhaben.

Ich ziehe aus. Die Gegenstände haben sich vermehrt, kleine lächelnde Puffbohnen aus Plüsch und allerlei Zeug, das ich gekauft habe. Ich stopfe alles in Kartons und Einkaufsbeutel, ersetze noch die abgebrochene Gardinenstange im Badezimmer. Wäre nicht ich gewesen, wäre nicht irgendwas kaputt gegangen. Auf Wiedersehen.

Kein Tag ist vergangen, an dem ich nicht auf der Straße, in Läden und Cafés mit irgendwem gesprochen hätte. „Sind Sie nicht die Frau, die von der Stadt bezahlt wird, um hier zu schreiben?“ – und ich nicke, und dann plaudern wir eine Weile, setzen uns irgendwann auf die Domstufen. Erfurt hat sich mir gezeigt als eine Stadt, der ihr Miteinander wichtig ist. Die bereit ist, dafür etwas zu tun, gemeinsam zu gestalten, anzupacken und Räume zu schaffen. Von den Fenstern meiner Altstadtwohnung schien es immer irgendwo ein Fest zu geben, eine Veranstaltung, ein Knäuel aus Menschen, die es einem leicht machten, sich einfach dazuzustellen. Manche luden mich ein, erzählten mir ihre Ostbiografien, hatten Geduld mit mir, wenn sie mir Dinge erklären mussten. Nach dem Bachmannpreis sind Menschen von ihren Fahrrädern gesprungen, haben mir die Hand gereicht, mir hinterhergerufen, sich für mich gefreut, dass es mir ganz weich innen drin wurde.

Ich habe auf alten Psychiatriegängen Texte besprochen, in der Bibliothek mit dem Thermomix gekocht, ich habe auf dem Hochschulball getanzt. Gesehen, wie sich eine ganze Stadt gemeinsam engagiert, vom bastelnden Kind bis zum lauten Chor. Ich war in Museen, Kneipen, Schreibgruppen, Hörsälen, hab ins Goldene Buch geschrieben, war da, wo Goethe nie gewesen ist. Hab vom Petersberg aus Kirchtürme gezählt. Ich habe Menschen kennengelernt, die mir ihr Geschriebenes anvertraut haben, von dem ich etwas lernen konnte. Kulturdirektionsmitarbeitende, denen keine Idee je zu groß oder zu aufwendig war und die mir ans Herz gewachsen sind.

Nur den Müllabholungsrhythmus habe ich bis heute nicht verstanden. „Morgen gelb, gell?“, nickt mir mein Nachbar lächelnd zu, treffen wir uns auf dem Bordstein. „Weiß ich doch!“, lüge ich. Erfurt ist eine Stadt, die groß genug für Kultur, doch klein genug für Verbindlichkeit und Zufälle ist. Wo es noch Dinge zu entdecken gibt, doch man nicht so leicht verloren geht.

Jetzt geht es weiter, an neue Orte. Aber irgendwann komme ich wieder. Und dann hast du hoffentlich eine schöne Mietwohnung für mich, Erfurt.

Zur offiziellen Stadt-Webseite Erfurt.de

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Erfurt fotografiert

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