Licht aus, Klimaschutz an

Erfurter Umriss

12. Mai 2026
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Seit April entdeckt Lena Schätte, Erfurts diesjährige Stadtschreiberin, die Stadt. Hier im Tagebuch lässt sie alle Interessierten an ihren Eindrücken teilhaben.

Ich bekomme die Schlüssel für meine Stadtschreiberwohnung – eine hübsche Altstadtunterkunft mitten im städtischen Gewusel. Ich verteile meinen reisenden Hausstand in Schubladen und Schränken und bin voller Tatendrang: die Stadt erkunden, herumstreunern, Kaffee trinken, was man so tut. Doch dann kommt alles anders. Irgendjemand muss mich an der Supermarktkasse angehustet haben, denn mich überkommt die Erfurter Frühlingsgrippe, kurzatmig und mit voller Wucht. Wie eine Tuberkulosekranke, aufgebettet auf den Terrassen einer Heilanstalt im 19. Jahrhundert, liege ich tagelang fast bewegungslos im Bett. So habe ich mir das nicht vorgestellt.

Weil draußen schüchtern der Frühling Einzug hält und ich mich einsam fühle, öffne ich die Fenster. Nur ein paar Schritte entfernt: das Treiben des Altstadtfrühlings, Menschen kommen und gehen, dazu das rhythmische Kreischen aus dem Freefalltower

Es wird dunkel, doch ich schließe das Fenster nicht. Ich lausche, springe gelegentlich auf, um hinauszuschauen, um ein Gesicht zu den Stimmen zu haben. Ein Frauenfreundeskreis steht mit Piccoloflaschen unter meinem Fenster, eine spielt Lieder vom Handy, die anderen singen selbstbewusst schief mit. Jemand regt sich über Fahrradwege auf – wir seien doch alle so scheiß sensibel heutzutage, aber wer denke eigentlich an ihn. Jemand sagt nur: „Och, Thomas!“, und selbst Thomas lacht. Gegen Morgen zwei betrunkene Männer, die sich über etwas anbrüllen, das Jahre zurückliegt – irgendwas mit Simone und einem Wohnmobil, das war nicht in Ordnung damals –, bis es still wird und sie sich umarmen, sich dabei so fest auf den Rücken klopfen, dass ich es bis hier oben fühlen kann. Eine junge Frau steht lange vor einer erleuchteten Scheibe und summt für eine Schaufensterpuppe.

Noch ein paar Tage, dann ist die Grippe verflogen. Es wird Zeit, wieder eine Hose ohne Gummibund anzuziehen. Aber ich ahne schon: Erfurt hat mir auf dem Krankenbett die Hand gehalten. Das mit uns kann nur gut werden.

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Erfurt fotografiert

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