„Krisen überstehen wir am besten gemeinsam!“



Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung findet jährlich am 5. Mai statt. Der Aktionstag wurde 1992 von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) e. V. ins Leben gerufen und wird jährlich begangen. Er soll die Situation von Menschen mit Behinderungen im besonderen Maße in den Blick der Öffentlichkeit bringen und für die Belange behinderter Menschen sensibilisieren. Auch in Erfurt sind Inklusion und Teilhabe Aufgabe und Herausforderung für alle.

Nach Angabe des Thüringer  Landesamtes für Statistik lebten zum 31. Dezember 2019  in Erfurt  20.921  schwerbehinderte Menschen. Das entspricht einem Anteil von fast 10 % der Erfurter Gesamtbevölkerung und liegt etwas über dem Thüringer Anteil von 9 %. Als schwerbehindert gelten Menschen, die einen anerkannten Grad der Behinderung von 50 bis 100 haben. Hinzu kommen Menschen mit einem niedrigeren Grad der Behinderung und von Behinderung bedrohte Menschen.  

Barrierefreiheit ist eine grundlegende Voraussetzung für die uneingeschränkte Teilhabe aller am gemeinschaftlichen Leben und fördert so das Ziel der inklusiven Gesellschaft. Menschen mit Behinderungen treffen immer noch viel zu oft auf Barrieren – und dies sind nicht unbedingt bauliche Hindernisse. Vielmehr unterscheidet sich die Lebenssituation von behinderten Menschen meist deutlich von der Nichtbehinderter. Das betrifft zum Beispiel die Teilhabe an Arbeit und Gesundheit, aber auch Wohn- und Lebenskonzepte. In Thüringen lag beispielsweise bei  Behinderten der Anteil an  Ledigen im Alter von 25 bis 45 Jahren bei 70 %. Bei den gleichaltrigen Nichtbehinderten fiel der Anteil der Ledigen mit 56 % geringer aus. Zudem lebten behinderte Menschen öfter allein.

Unterschiede zeigen sich auch im Erwerbsleben. In der Altersgruppe der 25-bis 45-Jährigen waren 70 % der behinderten Personen erwerbstätig oder suchten nach einer Tätigkeit. Bei den Nichtbehinderten des gleichen Alters betrug die Erwerbsquote 91 %. Somit konnten in dieser Altersgruppe 84 % der nichtbehinderten Menschen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus der eigenen Erwerbstätigkeit erzielen. Bei den behinderten Menschen lag der Anteil dagegen nur bei 46 %. (Thüringer Landesamt für Statistik, Pressemitteilung 095/2021 vom 4. Mai 2021). Hier zeigen sich das breite Themenspektrum und die Aufgabenstellungen zur stetigen Verbesserung der Lebenssituation und der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Ansprechpartner für die Belange und Probleme der Betroffenen sind die kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen Carola Hettstedt, aber auch der Beirat für Menschen mit Behinderungen und seine AG barrierefreies Erfurt.

Wenngleich pandemiebedingt am 5. Mai keine großen öffentlichen Aktionen stattfinden können, eröffnet die Liga der politischen Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen in Thüringen e.V. im Rahmen eines Online-Aktionstages die Inklusionslandkarte Thüringen. Und auch die Erfurter Gremien haben sich der Entwicklung angepasst. Gestern tagte die AG barrierefreies Erfurt online und befasste sich mit aktuellen Vorhaben. Am 11. Mai wird auch der Kommunale Beirat für Menschen mit Behinderungen in einer Videokonferenz zusammenkommen.



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