Kinderschutzbund macht auf ungleiche Bildungschancen aufmerksam

Zum diesjährigen Weltkindertag am 20. September 2018 macht der Deutsche Kinderschutzbund bundesweit mit der Aktion „Mogelpackung Bildungs- und Teilhabepaket – Halbvoll ist halbleer, wenn es um Bildung geht“ auf die ungleichen Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufmerksam.

Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hängt immer noch zu stark von der sozialen Herkunft ab. Gegenwärtige Förderinstrumente wie das Bildungs- und Teilhabepaket können die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen, die in Armut aufwachsen, nicht ausgleichen. Im Paket enthalten ist ein Schulbedarf von 100 Euro. Der wirkliche Bedarf ist aber oft mehr als doppelt so hoch. Folglich können Kinder aus einkommensschwachen Familien nicht an allen Bereichen der Bildung teilhaben. Das unterstreicht eine aktuelle Expertise der Paritätischen Forschungsstelle, nach der weniger als 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren im Hartz-IV-Bezug von den „soziokulturellen Teilhabeleistungen“ profitieren. Die Leistungsart sieht eine monatliche Förderung von zehn Euro pro Kind für beispielsweise Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen oder Musikunterreicht vor. Familien in höheren Einkommensgruppen wiederum investieren bis zu drei Mal so viel in die Bildung ihrer Kinder.

In Thüringen sieht der Entwurf zur Änderung des Thüringer Schulgesetzes vor, die Kosten im Zuge der Digitalisierung auf die Eltern zu übertragen. Das sehen wir als Verstoß gegen die Lernmittelfreiheit sowie das Recht auf Bildung. Keine Frage: Bildung muss sich der Digitalisierung stellen, doch die Entwicklung der damit verbundenen Kosten betrachtet der Deutsche Kinderschutzbund Thüringen mit Sorge. Der Geldbeutel benachteiligter Familien wird damit enorm belastet und die Kinder ins Abseits gestellt.

„Bildung ist ein wichtiges Kinderrecht und sollte allen Kindern gleichermaßen zugutekommen. Hierfür müssen grundlegende Schulmaterialien Kindern und Jugendlichen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hundert Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket reichen nicht aus“, führt Christiane Götze, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Thüringen, aus.

Das Bildungs- und Teilhabepaket  – wie aktuell gestaltet – ist demnach kein Instrument, um tatsächliche Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Grundlegende Maßnahmen und ein verändertes Bewusstsein sind notwendig, um allen Kindern gleiche Bildungschancen zu bieten. Der Deutsche Kindeschutzbund fordert, das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket abzuschaffen und durch eine Kindergrundsicherung zu ersetzen. Bedarfe müssen neu berechnet und in den Regelsatz integriert werden, nur so können tatsächliche und steigende Bildungskosten abgebildet werden. Alle Basis-Lernmaterialien müssen an allen Schulformen kostenfrei zur Verfügung stehen. Und dies in ganz Deutschland.

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