Von Heinz Zufall

Erfurt. Lauentor ist eine von zahlreichen Straßenbezeichnungen, die einen engen Bezug zur Stadtgeschichte aufweisen.

Auszug aus dem amtlichen Stadtplan der Stadt Erfurt

Der Lau, Laue oder Lauwe ist die Bezeichnung für den Löwen. Der Löwe zierte einst das Wappen der Grafen von Gleichen, die im Mittelalter als Vögte über die Stadt Erfurt die wichtigsten Vertreter des Mainzer Erzstifts in Mittelthüringen sowie die vorherrschenden Mainzer Lehnsträger im Eichsfeld waren. Als solche waren sie auch Schutzvögte für das Peterskloster.

So sollte der Bastionskronenpfad eigentlich realisiert werden (Netzfund), wodurch der Verlauf der Festungsmauern der Martinsbastion wieder erkenn- und erlebbar geworden wären.

Der Sitz der Grafen, die sich bis dahin als Grafen von Tonna bezeichneten, war seit 1162 die Burg Gleichen bei Wandersleben, mit der sie vom Mainzer Erzbischof belehnt worden waren. Um nun auf kürzestem Weg und vermutlich auch, um möglichst ungesehen in die Stadt und ins Peterskloster zu gelangen, wurde extra für sie ein Stadttor geschaffen. Die Grafen hatten das Recht, in die Stadt bei Tag und Nacht durch dieses Tor einreiten zu dürfen. Das Tor war daher auch mit einem eigenen Wächter besetzt. Alle anderen Stadttore blieben nachts generell verschlossen, wer zu spät kam, den bestrafte auch damals schon das Leben, denn man musste dann vor den Stadtmauern übernachten und auf die Öffnung am nächsten Morgen warten.

Der Löwe im Wappen der Grafen von Gleichen (Wikipedia)

Ein am Tor angebrachtes Wappen informierte über die Besitzverhältnisse und erklärt zugleich dessen Namen. Das Relief befindet sich heute über dem Torbogen des Aussichtsturmes der Bastion Martin.

Das Lauentor war das einzige Stadttor, das stets Außentor war und kein inneres Pendant hatte. Sein Standort befand sich zwischen dem heutigen Theaterplatz und der Straße Lauentor, etwa 40 Meter vom Fuß des Petersberges entfernt. Es lag in dem Bereich, wo es wegen der hier vorhandenen Topografie keinen zweiten, äußeren Mauerring gab. Es stellte daher auch einen kritischen Punkt in der Befestigung dar. Kein Wunder, dass die Stadt die Gunst der Stunde nutzte, um in den Besitz des Tores zu gelangen. Als die Macht des Grafengeschlechts im 13. Jahrhundert sank, kaufte die Stadt das Tor 1235 und die damit zusammenhängenden Rechte von dem in ständiger Geldnot befindlichen Grafen ab und vermauerte es schließlich im Jahre 1303.

Einsatz eines dampfgetriebenen Lorenzuges bei der Herstellung des Durchbruchs durch die Martinsbastion zu beginn der 1920er Jahre.

Das Gelände am Stadttor wurde 1293 als platea leonum bezeichnet. Hinter dem Tor lag die Lowengasse, die bereits um 1493 mit ansehnlichen Häusern bestanden war. 1667 wurden Tor und Häuser abgerissen, das Terrain kam zur Zitadelle Petersberg.

Viele halten das für das vermauerte Lauentor, das aber stand am Fuße des Petersberges (am heutigen Theaterplatz).

Zur Verbindung zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz (Domplatz) und Rudolfstraße wurde zu Beginn der 1920er eine Straße über den Petersberg gelegt, die zunächst den Namen Lauentorstraße erhielt, was später zu Lauentor verkürzt wurde.  Die Bezeichnung „Lauentorstraße“ erscheint erst 1928 erstmalig im Adressbuch der Stadt.

Bei der Anlegung der Straße wurden massive Eingriffe in die Zitadelle vorgenommen. Die Festungsmauern der Bastion Martin wurden durchbrochen – unvorstellbar, dass eine solche Maßnahme heute noch Zustimmung finden würde.

Der gesicherte Löwe vom originalen Lauentor.

Im Zusammenhang mit der BUGA 2021 sollte dieser Frevel optisch und praktisch durch die Anlegung des Bastionskronenpfades gemildert werden, denn die Brückenkonstruktion sollte den Verlauf der ehemaligen Festungsmauern nachzeichnen. Leider hat der Übereifer einiger Mitmenschen diese vermutlich einmalige Chance in der geplanten Form verhindert. Das Projekt musste so verändert werden, dass nur an einer Stelle der ehemalige Verlauf der Festungsmauer nachgezeichnet wird. Zugleich musste eine völlige Umplanung erfolgen, weil sich die Statik massiv änderte. Das und ein dazu geführter Rechtsstreit darum, hat zur Folge, dass die Maßnahme nicht wie geplant zur Eröffnung der BUGA fertig wird. Die Kosten werden übrigens zu 90 Prozent aus Fördermitteln getragen.

 

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