Von Heinz Zufall

Erfurt. Eine weitere Straße im Musikerviertel ist heute Gegenstand unserer Betrachtung. Sie führte einst direkt ins Paradies. Dach dazu später.

Die Straße trägt einen Straßennamen, der keinen direkten Bezug zur Stadt, ihrer Geschichte und ihren Bewohnern hat. Namensgeber ist der russische Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893). Diese Bezeichnung trägt die Straße jedoch erst seit 1956.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurden viele seiner Werke international bekannt. Heute zählen sie zu den bedeutendsten der Romantik. In Russland gilt er als bedeutendster Komponist des 19. Jahrhunderts. Zu Tschaikowskis bekanntesten Kompositionen zählen seine drei letzten Sinfonien, das Violinkonzert, sein erstes Klavierkonzert (1875, in B-Moll), die Ouvertüre 1812 und seine Oper Eugen Onegin. Mit „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“ verfasste er zudem drei der berühmtesten Ballette der Musikgeschichte.

Ursprünglich war die Straße ein Teil der Melchendorfer Straße, die etwa ab 1889 bebaut wurde. 1939 trennte man die Straße vo

n der Melchendorfer Straße ab und benannte den verbliebenen Teil als Ludendorffstraße.  Ludendorff (1865-1937) war ein preußischer General im I. Weltkrieg, erklärter Antisemit und erzreaktionär. Im Zuge der Beseitigung aller militaristischen Straßenbenennungen nach dem II. Weltkrieg war es daher nur zu verständlich, auch diesen Namen zu entfernen. Unmittelbar nach dem Krieg erfolgte zunächst die Rückbenennung in Melchendorfer Straße. Die Straßennamen in diesem Viertel erhielten einige Jahre später die Namen von nationalen und internationalen Größen der Musik und das Musikerviertel entstand, dessen nördliche Grenze die Tschaikowskistraße bildet. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Beethoven-, Johann-Sebastian-Bach- und die Häßlerstraße. Auch die Mozartalle ist nur unweit entfernt.

Insbesondere bei jüngeren Menschen erzeugt eine Inschrift am Eckgebäude zum Am Stadtpark. Diese Inschrift aber ist ein Hinweis darauf, dass sich hier von 1871 bis 1978 ein Friedhof in unmittelbarer Nähe befand. Der umfasste immerhin 13 Hektar und reichte von der Tschaikowski- bzw. Johann-Sebastian-Bach-Straße bis zur heutigen Werner-Seelenbinder-Straße. Der Südpark nimmt heute den größten Teil dieser Fläche ein.

Nach der Wende war in der Tschaikowskistraße ein Geschäft beliebte Anlaufstätte der Erfurter, denn an der Ecke Bodelschwinghstraße eröffnete VOBIS sein erstes Geschäft in Erfurt. Auch mein erster PC wurde dort erworben.

Wie war das nun mit dem Paradies? Nun, es war leicht, dahin zu geraten, denn im Gebäude Tschaikowskistraße 11 an der Ecke zur Semmelweisstraße befand sich einst das Restaurant „Paradies“ …..

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