Internationale Studierende

Eine positive Haltung zu Interkulturalität, zu Zuwanderung und Völkerverständigung kommt nicht von ungefähr. Es braucht zunächst eine Menge Offenheit und Wissen über „die anderen“. Dies zu leisten, hat sich der an der Uni Erfurt ansässige Verein „Springboard to Learning“ auf die Fahnen geschrieben. Und sorgt seit inzwischen 20 Jahren dafür, dass Schulkinder in und um Erfurt einen besseren Zugang zu ihnen fremden Ländern, Sprachen und Kulturen bekommen. Mit Erfolg, wie rund 200 jährlich angefragte Unterrichtsstunden, Referenten aus 61 Ländern, der Benefizlauf „Erfurt rennt“, bei dem bis 2017 jedes Jahr zahlreiche Erfurter für den guten Zweck an den Start gingen, und nicht zuletzt verschiedene Auszeichnungen zeigen.

Das Jubiläum
soll natürlich gefeiert werden – im Rahmen der interkulturellen Woche, am
Montag, 23. September, ab 18 Uhr im Café Duckdich in der Engelsburg. Der Abend
soll Gelegenheit bieten, auf das Erreichte zurückzublicken, miteinander ins
Gespräch zu kommen und auch über neue Ideen zu sprechen. Dazu gibts Live-Musik
und Geschichten aus einer neuen Broschüre, die der Verein „Springboard to
Learning“ anlässlich seines Jubiläums herausgegeben hat. Sie enthält 20 Sagen
aus verschiedenen Ländern der Erde und dazu wunderbare Illustrationen, die
Studierende der Uni Erfurt im Sommersemester 2019 im Studium-Fundamentale-Seminar
„Von Dürer bis Janosch“ unter der Leitung von Dr. Ulrike Wollenhaupt-Schmidt
erstellt haben. Das Heft soll neugierig machen auf fremde Kulturen, Länder,
ihre Geschichten und Menschen und ist ab sofort beim Verein erhältlich.

„Wir werfen
einen Stein ins Wasser und werden sehen, ob er Kreise zieht“ – mit dieser Idee
hatten Elisabeth Geffers-Strübel und Karin Esch den „Springboard to Learning“
e.V. im Sommer 1999 gegründet. Konkret hieß das: ausländische Mitbürger – seien
es Studierende, in Erfurt arbeitende Migranten oder Asylbewerber – an Erfurter
Schulen zu schicken, die dort von ihrem Heimatland berichten, mit den Schülern
kochen, musizieren oder tanzen. Ziel war und ist es bis heute, Kindern fremde
Kulturen näherzubringen, ihre Neugier zu wecken und gleichzeitig ein Zeichen
gegen Intoleranz und für interkulturelle Offenheit zu setzen. Interessierte
Lehrer können darüber hinaus über den Verein Referenten finden und ansprechen
oder sich bei der Planung von Projekttagen oder des Ethik-, Geografie- oder
Sprachunterrichts beraten lassen.

„Wir möchten
Menschen aus allen Ländern der Welt miteinander in Kontakt bringen und damit
fremdenfeindlichen Gedanken vorbeugen, dabei helfen, Vorurteile abzubauen, eine
Offenheit und Neugier ‚Fremden‘ gegenüber zu entwickeln. Eben das Fremde mit
den eigenen und das Eigene mit fremden Augen sehen zu lernen“, sagt Dr. Ulrike
Wollenhaupt-Schmidt, langjähriges Mitglied im Verein „Springboard to Learning“.
„Unsere ‚Lehrer‘ sind Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, viele
von ihnen Hochschullehrer, (Austausch-)Studierende oder Künstler. Das bringt
die unterschiedlichsten Blickwinkel in das Projekt und macht es zugleich so
spannend.“

Als
„Springboard to Learning“ 1999 ins Leben gerufen wurde, steckte das Thema
Interkulturalität in Erfurt noch „in den Kinderschuhen“. Migranten waren im
Stadtbild eher eine Ausnahme. Die Neugier war groß. 20 Jahre später sind die
Anfragen von Schulen insgesamt weniger geworden, die Suche nach geeigneten
„Lehrern“ ist schwieriger. Internationalität und Interkulturalität sind
selbstverständlicher, nicht zuletzt durch den gestiegenen Anteil an Migranten
in der Stadt. Manche der „Ausländer“ von damals sind heute selbst Lehrer in den
Thüringer Schulen. „Erfurt verändert sich, Erfurt wird bunter“, konstatiert
Ulrike Wollenhaupt-Schmidt. „Das ist wunderbar. Die Welt ins Klassenzimmer zu
bringen, das war unsere anfängliche Idee. Sie ist dort mittlerweile angekommen.
An Bedeutung hat die Arbeit unseres Vereins dennoch nicht verloren. Es ist und
bleibt wichtig, dass Menschen aus aller Welt in die Schule kommen. Sie können
neugierig machen auf fremde Länder und sie können kommunizieren, dass Vielfalt
eine große Bereicherung sein kann. Die Idee des Perspektivenwechsels ist heute
genauso wichtig wie damals. Denn das Andere kennenzulernen, heißt immer auch,
etwas Neues über sich selbst zu erfahren. Leider ist Fremdenfeindlichkeit nach
wie vor ein großes Thema. José Paca, der Vorsitzende des Ausländerbeirates
Erfurt, hat ‚Springboard to Learning‘ einmal als ‚Impfstoff gegen
Ausländerfeindlichkeit‘ bezeichnet. Das hat mir gefallen. Und diesen Impfstoff
brauchen wir auch in der Zukunft. Unsere Arbeit hat sich verändert und wird
sich weiter verändern. Wichtig bleibt sie auf jeden Fall.“

Weitere Informationen / Kontakt:
Springboard to Learning e.V. c/o Universität Erfurt
Nordhäuser Straße 63
Mitarbeitergebäude 2, Raum 312
99089 Erfurt
Tel.: 0361/737 16 20
Fax: 0361/737 16 24
www.facebook.com/springboardToLearning
Website: www2.uni-erfurt.de/springboard

Der Beitrag Du bist so schön anders … erschien zuerst auf WortMelder.

Quelle: https://aktuell.uni-erfurt.de/2019/08/28/du-bist-so-schoen-anders/

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