Schwarz-Weiß Erfurt hat im letzten Heimspiel des Jahres seinen ersten Sieg eingefahren – ein Sieg mit sensationellem Anstrich. Nach 111 Spielminuten besiegten die Thüringerinnen die Gäste aus Aachen mit 3:2 (23, -14, 18, -15, 13).

Nein, es war keine Detonation, die Erfurts Norden am Samstagabend gegen 20:15 Uhr erschütterte. Es waren die riesigen Steine der Last, die Mannschaft, Trainerteam, Zuschauern, allen Helfern und Verantwortlichen von den Herzen und Schultern fielen, als Rica Maases Block zum 15:13 in die Aachener Spielfeldhälfte segelte.

Über 13 Monate dauerte die Leidenszeit, dass man in heimischer Halle einen Sieg bejubeln durfte. Dass er an diesem Abend gegen den Vierten gelingen würde, hatten vorher nur die kühnsten Optimisten geglaubt. Und dass er nach einem 8:13-Rückstand im Tiebreak noch zustande kommen würde, wohl keiner unter den 611 Zuschauern.

Florian Völker hatte seine Starting-Six nochmal verändert zu den letzten Spielen. Er beorderte Cassidy Pickrell auf Außen/Annahme, während Sindy Lenz die Diagonalposition übernahm. Ein gelungener Schachzug des 28-Jährigen, denn die Amerikanerin wurde als punktbeste Erfurterin (23) zur späteren MVP gekürt und durfte die erste Goldmedaille in Empfang nehmen. Doch bis es soweit war, floss noch viel Schweiß der Anstrengung und der Aufregung – nicht nur auf dem Spielfeld. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen im ersten Satz nutzten die Gastgeberinnen ihren zweiten Satzball zum 25:23 und bejubelten schon mal einen Teilerfolg.

Nach dem Seitenwechsel ließen sich die SWE-Damen durch einen vom Schiedsrichter umstritten abgepfiffenen Angriffsball aus dem Konzept bringen, wackelten fortan in der Annahme und Aachen – nun mit Mareike Hindriksen am Regiepult – holte sich souverän Satz zwei mit 25:14. Sollte jetzt alles seinen erwarteten Lauf nehmen? Nein, Erfurt wechselte auf die Winner-Seite und spielte wie ein solcher.

Nach dem 7:8 zur ersten technischen Auszeit zog Schwarz-Weiß auf 18:11 davon. Doch auf dem Weg zur 2:1-Satzführung legte der Volleyballgott den Gastgeberinnen Steine in den Weg. Beim 19:14 bekam Sindy Lenz einen Angriffsschlag derart hart ins Gesicht, dass sie ausgewechselt werden musste. Die für sie aufs Spielfeld beorderte Paula Reinisch sollte es noch schlimmer erwischen. Fünf Punkte nach ihrer Einwechslung prallte sie bei einer Abwehraktion mit Mitspielerin Mia Stauß zusammen und schied mit Verdacht auf Bruch des Unterarms aus. Die sich wieder etwas berappende Sindy Lenz musste zurück und gewann mit ihrem Team den Satz 25:18.

Nach dem Seitenwechsel, ging es da weiter, wo es beim letzten Mal aufgehört hatte. Erfurt spielte schwach in der Annahme, haderte mit einigen Entscheidungen der Unparteiischen und kam so gar nicht vom Fleck. Ähnlich deutlich wie der zweite Satz, ging auch dieser vierte mit 25:14 an die Gäste. Der Tiebreak musste über den Sieger entscheiden.

In diesen starteten die Gäste stark und brachten die Erfurter Annahme in arge Schwierigkeiten. Beim 7:2 aus Aachener Sicht, schien der Favorit auf der Siegerstraße. Doch die Erfurter Wünsche von vor dem Spiel für ein erfolgreiches Spiel sollten sich nun erfüllen. Da war zum einen der Mut, den sie auspackten in Angriff und Aufschlag. Das nötige Glück beim Netzrolleraufschlag oder bei knapp im Spielfeld gelandeten Blocks. Beim 8:13 schien die Partie dennoch gelaufen. Schien! Denn Routinier Jennifer Pettke kam zum Aufschlag und servierte auf der Winner-Seite eine Fackel nach der anderen.

Nach sechs Punkten in Folge hatte Schwarz-Weiß Matchball. Der dritte Wunsch, eine lautstarke Rückendeckung der heimischen Fans, war längst in Erfüllung gegangen. Als dann Rica Maase per Block den letzten Aachener Angriff entschärfte und der Ball in der Gästehälfte zu Boden fiel, war es vorbei. Erfurt hatte seinen ersten Saisonsieg eingefahren. Mit Kampf, Mut, in der entscheidenden Phase etwas Glück und lautstarken und nach Spielende glückseligen Fans im Rücken.

Der erste Sieg sollte den Erfurterinnen einen Schub Selbstvertrauen für das Thüringenderby am kommenden Samstag in Suhl geben. Dort kommt es nicht nur zum Aufeinandertreffen zweier alter Rivalen, sondern auch der beiden Kellerkinder. Einen Wunsch haben die SWE-Damen schon geäußert. Sie hoffen auf eine genauso lautstarke Unterstützung wie an diesem Abend. Eigenwerbung haben sie auf alle Fälle betrieben. (StS, Fotos: Sebastian Schmidt)



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