Griff nach den Sternen missglückt

In Nordhausen wurden die Stars von Viborg HK vor rund 2000 begeisterten Zuschauern mit 34:30 bezwungen - nun mussten die Thüringerinnen gegen Zvezda (Stern) Zvenigorod  erstmals in fremder Halle antreten. Dort hatten sich gerade einmal 800 Zuschauer eingefunden, aber das gewohnte, tragende "T-H-C" aus vielen hundert Kehlen war nirgends zu hören. Das schien den Müller-Damen aber nichts auszumachen. In der Anfangsviertelstunde gab es einen Schlagabtausch mit wechselnden Führungen. Beim 5:5 in der 12. Spielminute landete ein Strafwurf der Mazedonierin Julija Nikolic  nur an der Torlatte.  Maike März im THC-Tor hatte vorher schon mit starken Reaktionen gezeigt, dass sie momentan zu den besten deutschen Torhüterinnen gehört. Das Handicap der Gästeabwehr war nicht zu spüren, musste doch Abwehrchefin Anja Althaus nach einem Fingerbruch im Viborg-Spiel und anschließender Operation die Partie im Internet-Livestream verfolgen. Die 9:8 Führung der Thüringerinnen war dann vor allem Ausdruck einer konzentrierten Leistung in der Abwehr.
Die Zvezda-Bank reagierte schnell und brachte nach der Auszeit wieder Linie ins eigene Spiel. Die Deckung stand jetzt kompakt, zwang den THC  zu Fernwürfen, die Russlands erfahrene Nationaltorhüterin Maria Sidorova mit Ausnahme von Nadja Nadgornaja nicht vor Probleme stellten. Es stellte sich es ein leichtes Übergewicht ein, es gab die ersten Zwei-Tore-Führungen der Russinnen und mit dem Pausensignal traf Liudmila Postnova nach einem Freiwurf zum 15:13-Halbzeitstand.
Nach der Pause blieben die Gastgeberinnen stets in Führung, allerdings blieb der THC bis zur 40. Minute auf Tuchfühlung und hatte in der 36.Minute durch Nadja Nadgornaja, die insgesamt neun Treffer in der Partie erzielte sie in der Partie, wieder ausgeglichen. Nachdem die erste Vier-Tore-Führung noch pariert werden konnte, lag man bis zur 49.Min nur ein Tor zurück. (21:20). In den letzten zehn Spielminuten kippte das Spiel jetzt in Richtung der ?Sternendamen?. Beim 25:21 waren die Kraft- und Konzentrationsreserven der Gäste wohl aufgebraucht. Sicher nicht unerwartet, nach drei Spielen innerhalb einer Woche. Jetzt führten Ballverluste, Fehlwürfe und Stürmerfoulaktionen zu schnellen Gegentoren und Zvenigorod zog uneinholbar davon. Die erst 17jährige, 1,68 , große Anna Vyakhirewa zeigte nun ihr Ausnahmetalent und war mehrfach bei schnellen 1gegen1-Aktionen nicht zu stellen. Sie avancierte letztlich mit zehn Treffern zur besten Werferin der Partie. 
24:31 - die Niederlage war besiegelt. Auch  wenn Trainer Herbert Müller befand, dass sie etwas zu hoch ausfiel, wurde deutlich, wie schwer bei diesen Spitzenmannschaften Auswärtspunkte zu holen sind. Das Thüringer Team sammelt ganz wichtige Erfahrungen, geht durch ein Stahlbad. Die hohe Wettkampfbelastung und die Achterbahn der Gefühle können auch stark machen. Schon am Mittwoch kommt Buxtehude nach Bad Langensalza. Der Gewinner dieses Spitzenspiels (Anwurf  19.30 Uhr - Salza-Halle)  wird dann die Tabelle anführen. Sollte das der Thüringer HC sein, bleibt keine Zeit zum Feiern oder Ausruhen. Schon vier Tage später kommt mit Buducnost Podgorica das nächste Superteam in die Nordhäuser Wiedigsburghalle. Im Team des vorjährigen CL-Siegers gab es zwar Umstellungen - nicht mehr alle 12 Olympia-Silbermedaillengewinnerinnen sind dabei - doch der Spielstärke und Kampfkraft des montenegrinischen Meisters hat das keinen Abbruch getan, was das 29:21 gegen Zvenigorod eindeutig beweist. Trotz alledem hoffen die Thüringerinnen und ihre Fans auf den zweiten Heimsieg und möchten ganz bestimmt 2000 Handballfans in Feierstimmung versetzen. Anwurf des Spieles ist am 28.10.2012 um 15 Uhr - die Partie wird wieder im Internet-Livestream bei EHFTV übertragen. 
Stimmen zum Spiel
Kerstin Wohlbold: Unsere Mannschaft hat bis zum Ende gekämpft. Leider hat es heute nicht gereicht, um hier gegen Zvezda einen Punkt zu ergattern. Wir haben bis Mitte der zweiten Halbzeit mitgehalten, dann allerdings durch leichte Fehler Zvezda zu schnellen Gegenstoßtoren eingeladen. Wir werden aus der Niederlage lernen und konzentriert in die weiteren Spiele gehen, um wieder ein positives Ergebnis zu erzielen.
Anja Althaus: Zvenigorod hat seine Heimaufgabe top erledigt, keine Frage. Wir haben ja ebenfalls 45 Minuten sehr gut gespielt, dann aber einfach zu viele Fehler gemacht. Das Ergebnis hört sich nach einem "Übergegner" an, aber das sehe ich nicht so. Ich bin sicher, dass wir sie im Rückspiel besiegen können. 
Herbert Müller: Wir haben trotz einer kämpferisch guten Leistung unsere Chance auf mehr in den entscheidenden Situationen verpasst. Heute waren wir als Mannschaft nicht stark genug, um gegen so einen hochklassigen Gegner auswärts zu gewinnen. Die Tempogegenstöße Mitte der zweiten Halbzeit haben zu diesem letztendlich zu hohen Endergebnis geführt. Jetzt geht unser Blick direkt Richtung Buxtehude. In diesem Spiel geht es schließlich um die Bundesliga-Tabellenführung.
Statistik:
Zvezda: Maria Sidorova, S. da Silva Rocha, Liudmila Postnova (5), Elena Dimitrieva, Polina Kuznetcova (3), Victoriya Kalinina , Anna Vyakhireva (10), Oxana Koroleva , Anastasia Lobach (3), Yana Uskova (3), Victoria Nikitina, Ekaterina Marennikova (3), Julia Khavronina, Valeria Szabo (1), Julija Nikolic (1), Alexandra Lacrabere (2).
Thüringer HC: Dinah Eckerle, Maike März, Katarina Tomasevic; Nadja Nadgornaja (9), Sonja Frey (1), Ana Gros (1), Danick Snelder (1), Nadja Bolze, Petra Popluharova, Mie Augustesen (2), Katrin Engel (5), Lydia Jakubisova (4), Kerstin Wohlbold (1).
Zeitstrafen: 3 - 1.
Strafwürfe: 5/2 - 4/4.
Schiedsrichter: Bogdan Nicolae Stark / Romeo Mihai Stefan (Rumänien)
EHF-Delegierter: Marek Szajna (Polen).
Zuschauer: 800.