Hauchdünne Niederlage | Schwarz-Weiß-Erfurt


Schwarz-Weiß Erfurt hat binnen drei Tagen auch sein zweites Heimspiel verloren. Gegen die favorisierten Gäste aus Vilsbiburg belohnten sich die Gastgeberinnen bei der äußerst knappen 2:3-Niederlage jedoch mit ihrem ersten Punkt.

Als die Spielerinnen nach zwei gespielten Sätzen zur 10-Minuten-Pause in die Kabinen gingen, gab es kaum jemanden in der Erfurter Riethsporthalle, der noch Zweifel an einem glatten 0:3 hatte. Zu souverän zog der Gast seine Bahnen und hatte mit 25:18 und 25:20 die beiden Sätze gewonnen. Aus allen Lagen schmetterten Nikki Taylor & Co. die Bälle ins Erfurter Feld, die so überhaupt keinen Zugriff am Netz bekamen und mit einer hohen Fehlerquote am Aufschlag dem Kontrahenten einfache Punkte ermöglichten.

Aber die verlängerte Satzpause sollte den SWE-Damen in die Karten spielen. Wie verwandelt kamen sie aus der Kabine und Trainer Florian Völker beorderte Sabrina Krause in den Anfangssechser. Mit ihr bekam der Erfurter Block nun endlich Zugriff und entschärfte die bis dato unerreichbar scheinenden Gästeangriffe. Die wiederum hatten wohl selbst nicht damit gerechnet, dass hier noch was schief gehen hätte können. Mit einer überragenden Danielle Brisebois im Angriff setzten sich die Erfurterinnen Mitte des Satzes entscheidend ab (14:7) und brachten den Satz mit 25:19 nach Hause.

Spätestens jetzt waren die Völker-Damen gleichwertig, auch wenn die Gäste individuell das bessere und ausgeglichener besetzte Team waren. Doch mit Kampfgeist und unbändigem Willen zeigten die Thüringerinnen ihrem Gegenüber die Zähne. Im Angriff war es nun das Spiel Brisebois gegen Vilsbiburg. Selbst wenn sie ahnten, wo Erfurts Gefahr herkam, ein Mittel fanden die Gäste gegen die Kanadierin bis zum Spielende nicht, was ihr hochverdient die MVP-Medaille einbrachte. Im vierten Satz gingen die Erfurterinnen meist in Führung, aber die von rund 40 Anhängern lautstark angetriebenen Roten Raben schafften immer wieder den Ausgleich. Erfurt, das in diesem Satz mit vielen Bällen auf die Grundlinie das Glück auf seiner Seite hatte, war im Satzfinish nicht mehr aufzuhalten. Wer sonst, als Danielle Brisebois sollte dann beim 25:20 den Satzausgleich herstellen. Klar, dass die Halle kochte, obwohl nur gut 400 Zuschauer gekommen waren.

Der Tiebreak musste jetzt die Entscheidung bringen. Beim Stand von 2:7 schien eine Vorentscheidung gefallen zu sein. „Wir geben uns niemals auf“, so die Maxime von Florian Völker, was seine Damen verinnerlicht haben dürften. Auch wenn der letzte Wechsel beim 4:8 erfolgte, beim 13:13 war der Ausgleich hergestellt. Zwei Aufschlagfehler von  Brisebois (13:13) und Krause (beim 14:14) gereichte dann den Gästen zum Vorteil und Jodie Guilliams beendete mit einem Hieb aus dem Hinterfeld das Spiel. Die Roten Raben siegten 16:14 im Entscheidungssatz und waren mit einem „blauen Auge“ davon gekommen, wie Timo Lippuner nach dem Spiel insgesamt unzufrieden feststellte. Seine Libera Myrthe Schoot bekam als Lohn die goldene MVP-Medaille überreicht.

Erfurts Trainer war mit dem Punktgewinn unter dem Strich zufrieden, selbst wenn bei einem mit 14:16 verlorenen Tiebreak immer etwas Trauer über die verpasste Möglichkeit eines Sieges mitschwingt. „Nach dem 0:2-Rückstand muss man sicher zufrieden sein, wenn man noch so zurückkommt und einen Punkt gegen den klaren Favoriten holt. Das Quäntchen Glück, das wir bei unseren Aufschlägen im vierten Satz hatten, fehlte dann leider im Tiebreak“, wusste Erfurts Coach die knappe Niederlage realistisch einzuschätzen. „Wenn man bedenkt, dass wir zwei verletzte Stammspielerinnen haben, haben wir uns heute sehr gut aus der Affäre gezogen“, erinnerte er auch daran, dass die Voraussetzungen alles andere als gut waren. Deshalb darf der errungene Punkt getrost als ein gewonnener verbucht werden.

Wegen des Supercups am kommenden Wochenende haben die SWE-Damen spielfrei. Deshalb geht es erst am 23. Oktober zum Spiel beim Rekordmeister SSC Palmberg Schwerin. (StS, Fotos: Dühse)



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