Schutz und Freiheit: Staatsbürgerschaft in Europa

„Schutz und Freiheit? Staatsbürgerschaft in Europa im 20. und 21. Jahrhundert“ ist der Titel eines Buches von Dieter Gosewinkel, das 2016 in Berlin erschienen ist. Im Mai stellt er sein Buch, das während seiner Fellowship am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt entstanden ist, nun auch in Erfurt in einem öffentlichen Vortrag und einem Workshop vor. Beginn des Vortrags ist am Montag, 15. Mai, um 18 Uhr im Max-Weber-Kolleg, Steinplatz 2.

Das Thema Staatsbürgerschaft ist nicht zuletzt durch die Diskussionen um die doppelte Staatsbürgerschaft und damit verbundenen Fragen der Zugehörigkeit von besonderer Aktualität. Staatsbürgerschaft war im 20. Jahrhundert das Signum politischer Zugehörigkeit in Europa. Sie entschied über Schutz und Freiheit eines Menschen und damit über seine Lebens- wie Überlebenschancen. Die Staatsbürgerschaft dient Dieter Gosewinkel als Sonde einer historischen Gesellschaftsanalyse, um Inklusion und Exklusion im Europa des 20. und 21. Jahrhunderts auszuleuchten. Ausgangspunkt ist die Staatsbürgerschaft als eine sich seit der Wende zum 19. Jahrhundert zunehmend ausformende rechtliche Institution, die hohe politische und praktische Symbolkraft und Wirkung in den europäischen und außereuropäischen Gesellschaften erzielte. Das Erkenntnisinteresse richtet sich vor allem auf die tiefen politisch-sozialen Brüche seit dem 20. Jahrhundert, in denen die Staatsbürgerschaft durchgreifenden Veränderungen ihrer Form und Funktion unterlag: Staatsbürgerschaft wirkte in nationalstaatlichen und imperialen, diktatorischen und liberalen, postkolonialen und postnationalen, schließlich transnationalen Zusammenhängen. Gefragt wird insbesondere, inwieweit die Staatsbürgerschaft Kontinuitäten und Brüche in Prozessen gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion abbildet, welche Bedeutung dabei nationale Identitätsvorstellungen besitzen und welche Rückwirkungen die Kolonisierung der außereuropäischen Welt auf die gegenwärtige Lage der Staatsbürgerschaft in Europa besitzt.

Der auf den Vortrag folgende Workshop stellt mit zwei Kapiteln des Buches zugleich zwei Kernprobleme in den Mittelpunkt: zum einen die Frage nach der Geschichte, der Bedeutung und den Folgen des europäischen Kolonialismus für die gegenwärtigen europäischen Einwanderungsgesellschaften (Kapitel IV, S. 284–345); zum anderen die Frage nach der Bedeutung einer „europäischen Staatsbürgerschaft“ (Unionsbürgerschaft) für eine Europäisierung der Zugehörigkeit (Kapitel VI, insbes. S. 555–630). Diese Textpassagen stellen die Grundlage für die Diskussion dar. Um Anmeldung zum Workshop unter dekanat.mwk@uni-erfurt.de wird bis zum 8. Mai 2017 gebeten.

Bitte beachten Sie, dass das Max-Weber-Kolleg in ein neues Domizil umgezogen und jetzt am Steinplatz 2 zu finden ist. Eine Wegbeschreibung finden Sie unter: https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public-docs/Hochschulkommunikation/Lageplaene/Wegbeschreibung_Steinplatz_2.pdf

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