Wanderer zwischen den disziplinären Welten: Prof. Dr. Hartmut Rosa

Das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt hat einen neuen Leiter. Nach dem Wechsel des Dekans, Prof. Hans Joas, 2011 an das Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) hatte zunächst Prof. Dr. Wolfgang Spickermann als Interimsleiter fungiert, seit Beginn des Wintersemesters führt nun der Sozialphilosoph Prof. Dr. Hartmut Rosa, der von der Friedrich-Schiller-Universität kommt, die Geschicke des renommierten MWK.

„Das Max-Weber-Kolleg ist in den 15 Jahren seines Bestehens zu einer national und international sichtbaren sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungseinrichtung geworden. Es ist mir eine Freude und Ehre, an seiner weiteren Entwicklung teilhaben zu dürfen“, erklärt Professor Rosa. Aber nicht nur das Renommee, sondern auch die Ausrichtung des MWK am ‚Weberschen Forschungsprogramm‘, d.h. an einer Verbindung von sozial- und geisteswissenschaftlichem, systematischem und historischem Denken reizt Rosa an der Aufgabe in Erfurt. „Ich habe mich immer als Wanderer zwischen den disziplinären Welten gefühlt: Ich bin Soziologe, aber ausgebildet bin ich in Philosophie und Politikwissenschaft und auch in Germanistik. Mein Denken zielt auf eine Verbindung von Sozialphilosophie, Gesellschaftstheorie und politischer Theorie. Deshalb fühlt es sich fast so an, als sei das Max-Weber-Kolleg eine ‚natürliche Heimat‘ für mich, zumal Max Webers Art des Fragens und Forschens für meine eigenen Studien immer eine große Rolle gespielt hat.“ In den vergangenen Jahren hat das MWK einen Schwerpunkt im Bereich religionswissenschaftlicher und –historischer Studien entwickelt. Rosa möchte den Schwerpunkt, die Expertise und Kompetenz erhalten. Darüber hinaus solle am MWK aber auch wieder stärker soziologische, sozialwissenschaftliche und auch sozialphilosophische Forschung betrieben werden. „Ich glaube, mit meinen Forschungen zur Steigerungs- und Beschleunigungslogik der Moderne, zu einer Soziologie der Weltbeziehung, zur Globalisierung und zu den spätmodernen Formen der Identitätsbildung hier neue Impulse geben und zu seiner sozialwissenschaftlichen Profilierung beitragen zu können“, erklärt Professor Rosa.

Prof. Dr. Hartmut Rosa wird im Hinblick auf laufende Drittmittelprojekte (Kollegforschergruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Dynamik und (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“) auch künftig einen Teil seiner Dienstaufgaben an der FSU Jena erfüllen. Diese Lösung wird von beiden Universitäten als gute Grundlage zur Intensivierung von Forschungskooperationen gesehen.

Zur Person:
Prof. Dr. Hartmut Rosa studierte in Freiburg/Br. und London und wurde 1997 mit seine Dissertation „Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor“ an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Prädikat summa cum laude zum Dr. rer. soc. promoviert. Der heute 48-Jährige verbrachte mehrere akademische Auslandsaufenthalte in den USA, unter anderem 1995 an der Harvard University als Forschungsassistent im Department of Government / Center for European Studies. Außerdem erhielt er 2001 bis 2002 ein Feodor-Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung für die Arbeit als Gastprofessor an der New School University in New York. Seit 2002 ist er dort auch affiliierter Gastprofessor. Des Weiteren war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft III der Universität Mannheim (1996–1997) und am Institut für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1997–1999) tätig. 2004 habilitierte er sich dort mit der Studie „Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ für Soziologie und Politikwissenschaft. Im Sommersemester 2004 vertrat er einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft/Politische Theorie an der Universität Duisburg-Essen und im Wintersemester 2004/2005 sowie im Sommersemester 2005 hatte er die Lehrstuhlvertretung für Politische Wissenschaft an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg inne. Seit 2005 ist Hartmut Rosa Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.