Kultur-Objekt steht verlassen im Laub



Seit 13 Monaten ist der „Stadtgarten“ geschlossen. Auf unabsehbare Zeit wird er es auch bleiben.

Foto: Sorgen um die Zukunft des Veranstaltungsortes
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / Vitalik Gürtler

Der Leipziger Investor für den traditionsreichen Veranstaltungsort im Dalbergsweg will nicht mehr. Wie die MAWI Concert Konzertagentur GmbH in einem Schreiben an die Stadtverwaltung erklärt, wird die Firma „nach reiflicher Überlegung und nach Abwägung aller Tatsachen” das Objekt nicht in Erbpacht kaufen. Als Begründung führt MAWI die erloschene Betriebserlaubnis an. Das mache es wirtschaftlich unmöglich, den “Stadtgarten” wie geplant zu entwickeln. Wie Geschäftsführer Matthias Winkler der Erfurter Allgemeine sagte, wollte er den Veranstaltungsort fortlaufen lassen und nach und nach umbauen. Nun müsse alles sofort auf den neuesten Stand gebracht werden. Das ginge nicht, so Winkler. 

Die Stadtverwaltung bedauert die Absage von MAWI sehr, hatte sie doch gehofft, dass der „Stadtgarten” zeitnah wieder öffnet. Erfurts Kulturbeigeordneter Dr. Tobias Knoblich sagte, er sei betroffen. Klar ist aus Sicht der Stadt aber auch: Vor Wiederinbetriebnahme muss investiert werden – in Brandschutz, in Lärmschutz, in technische Anlagen. „Bauamt und Feuerwehr haben gravierende Mängel festgestellt, da können wir leider kein Auge zudrücken”, sagte Dr. Torben Stefani, der Leiter des Amtes für Grundstücks- und Gebäudeverwaltung. Seinen Aussagen zufolge führte der Betreiberwechsel automatisch zu neuen Anforderungen an die Betriebserlaubnis.

Insgesamt ist der „Stadtgarten” ein Sanierungsfall. Vorsichtige Schätzungen gehen von einer Investition von zwei Millionen Euro aus. Vieles muss modernisiert werden. Der Umfang hängt vom jeweiligen Nutzungskonzept ab. Da diese Modernisierung Teil des Ausschreibungsverfahrens war, wusste MAWI auch davon. Die Leipziger Firma war nur Zweiter im Bieterverfahren. Ursprünglich hatte eine Jury für eine Erfurter Investorengemeinschaft mit dem früheren Centrum-Betreiber Andreas Bretschneider votiert. Auch der Stadtrat stimmte zu. Doch Anfang 2019 trat diese Gemeinschaft zurück. Das Risiko sei zu groß, hieß es. „Wegen des dann folgenden Leerstandes entfiel die Betriebserlaubnis  für das Objekt”, so Stefani. Weil MAWI nur Zweitplatzierter war, konnte die Firma gar nicht nahtlos den „Stadtgarten” übernehmen.

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Der „Stadtgarten” wird mindestens einen städtischen Ausschuss beschäftigen. Die Stadtverwaltung strebt ein neues Ausschreibungsverfahren an. Doch Investoren aus dem Kulturbereich werden sich nicht um den Veranstaltungsort reißen. Lärmschutz ist ein großes Hindernis, da Wohnhäuser ziemlich nah am Objekt stehen. Auch gibt es mittlerweile eine Konkurrenz ähnlich großer Veranstaltungsorte in Erfurt. Sollte diese Ausschreibung erneut scheitern, wird die Stadt auch den Verkauf des Objekts prüfen müssen – für eine andere Nutzung.



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